Altkanzler wird 94 Alles Gute zum Geburtstag, Herr Schmidt!

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Helmut Schmidt feiert seinen 94. Geburtstag. Ein Rückblick auf ein ereignisreiches Jahr des Altkanzlers und Vorbild vieler Menschen.

Am heutigen Sonntag wird Altbundeskanzler Helmut Schmidt 94 Jahre alt. Ein ereignisreiches Jahr geht für Schmidt zu Ende.

Seit Anfang November gibt es in Hamburg ein Helmut-Schmidt-Gymnasium, das in Anwesenheit des Altkanzlers bei einem Festakt zu Ehren des SPD-Politikers umbenannt wurde. Zuvor hieß die Schule noch Hamburger Gymnasium Kirchdorf/Wilhelmsburg. "Ich habe nicht lange mit der Antwort gezögert, als ich gefragt wurde", sagte Schmidt in einem Grußwort. Das Gymnasium hatte sich selbst an den 93-Jährigen gewandt und ihn gebeten, Namenspatron der Schule auf der Elbinsel zu werden.

Wilhelmsburg war einer der Hamburger Stadtteile, die von der großen Sturmflut vor 50 Jahren besonders stark betroffen waren. Schmidt ist als damaliger Polizeisenator mit seinem unbürokratischen und schnellen Krisenmanagement in die Geschichte eingegangen.

Das Ehepaar Schmidt genießt seither großes Ansehen in der Hansestadt. Erst im August war eine andere Schule in Hamburg nach der inzwischen verstorbenen Ehefrau des Altkanzlers, Loki Schmidt (1919-2010), benannt worden. Auch heißt der Botanische Garten der Hansestadt seit kurzem "Loki-Schmidt-Garten". In Hamburg trägt zudem die Universität der Bundeswehr den Namen von Helmut Schmidt. Beide, sowohl Helmut als auch Loki, sind ferner Ehrenbürger der Stadt.

Aber auch politisch äußerte sich Helmut Schmidt im Jahr 2012. Anfang Dezember warnte der SPD-Politiker in Brüssel bei einer Veranstaltung der sozialdemokratischen Fraktion im Europaparlament vor einem Auseinanderfallen der Europäischen Union (EU). "Ich schließe bei Fortsetzung der gegenwärtigen Durchwurstelei durch die Regierungen der europäischen Mitgliedstaaten die Möglichkeit eines Zerbrechens der Europäischen Union nicht aus."

Die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario liege bei "viel weniger als 50 Prozent", meinte Schmidt. "Die gegenwärtige Staatsschuldenkrise, insbesondere in Griechenland, aber auch die Krise in Portugal, in Spanien und möglicherweise in Italien ist von einer anderen Natur als bisherige Krisen", sagte der SPD-Politiker. "Was heute fehlt bei den europäischen Regierungen ist die Tatkraft."

Im September wurde Helmut Schmidt mit dem Westfälischen Friedenspreis ausgezeichnet. Der alle zwei Jahre vergebene Westfälische Friedenspreis würdigt Einzelpersonen und Institutionen, die ein Vorbild für Ausgleich und Frieden in Europa und in der Welt sind. Vergeben wird die Auszeichnung von der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe. Das Preisgeld wird von Unternehmern aus der Region Westfalen und Lippe gestiftet.

Der Altkanzler und Publizist Schmidt sei "einer der bedeutendsten Wegbereiter des friedlich geeinten Europa", heißt es in der Begründung für die Preisvergabe. Er stehe in einer Reihe mit den großen Europäern Valéry Giscard d'Estaing, Helmut Kohl und Václav Havel, die ebenfalls mit dem Preis des Westfälischen Friedens ausgezeichnet wurden.

Aber Helmut Schmidt stand nicht nur politisch und durch Ehrungen im Mittelpunkt der Medien. Anfang August verriet der Altkanzler in einem Interview mit dem "ZEIT-Magazin", dass er sich auch zwei Jahre nach dem Tod seiner Ehefrau Loki Schmidt immer noch fast jeden Tag an sie erinnert. Aber eben auch, dass es da noch eine andere Frau gebe, an die er "beinahe täglich" denke: Ruth Loah, 15 Jahre jünger als er, Kurzhaarschnitt und vom Typ her Loki ziemlich ähnlich. "Ich kenne sie seit 1955. Sie war mal meine Mitarbeiterin, auch hier bei der "Zeit". Sie ist eine große Hilfe." Auf die Nachfrage, ob sie auch seine Lebensgefährtin sei, gibt es das knappe "Ja". Mehr nicht. Hanseatisch-diskreter geht es kaum.