08.12.12

Lieblingsaktion: Märchen

Zu Besuch im Weihnachtswunderland

Noch 16 Tage bis zum Heiligen Abend. Märchenhaft geht es in diesen Tagen zu - in den Spielzeugabteilungen der Hamburger Warenhäuser.

Von Jens Meyer-Odewald
Foto: Marcelo Hernandez
Weihnachtstrubel in der Spielwarenabteilung Kaufhof Mö
Ganz vernarrt in die Star-Wars-Serie von Lego: Alfons Graul und seine Mutter Antje

Altstadt. Das sonderbare hellblaue Kaninchen guckt unschuldig, wie es nur ein Plüschtier kann. "Komm, halt mich fest!", fleht es auf Knopfdruck. Die Figuren nebenan schauen weniger possierlich. Vielleicht weil sie aus einer anderen Welt stammen? Frankie Stein, Draculaura oder Claudeen Wolf sind fiese kleine Monster in giftigen Farben. Wer will, kann für die schräge Wölfin vier verschiedene Kleidungssets erwerben. Als Zugabe ist ein Kaffeehaus mit "Kaputtschino"-Ecke im Angebot. Ein Traum. Für den, der's mag.

Die Kleinen stehen darauf. Zwei Mädchen mit bezaubernd geflochtenen Zöpfen harren mit flehenden Blicken daneben. Doch die Eltern kennen (noch) kein Erbarmen und schleifen ihre kleinen Prinzessinnen eine Abteilung weiter. Begeisterung und Besitzgier folgen Widerwillen, Tränen und letztlich Wut.

Noch 16 Tage bis zum Heiligen Abend - und in der Spielwarenabteilung der Galeria Kaufhof an der Mönckebergstraße tanzt der Bär. Im wahrsten Sinne des Wortes. Verkaufsrenner ist der Lieblingsbär für 14,99 Euro, schon das gesamte Jahr über. Jetzt, unmittelbar vor dem Fest, gehen auch der Riesenteddy für knapp 50 Euro oder die deutlich teureren Steiff-Tiere wie geschnitten Brot.

Für Unerschrockene und ihre kleinen Quälgeister befinden sich aus Erwachsenensicht unfassbar hässliche Hundeviecher in Pink namens "Chi Chi Love" im Programm. Eine Version beinhaltet Königinnenkrone und Glitzerdecke, die andere ist eine sprachferngesteuerte Showmasterin. Sie gehorcht aufs Wort - und auf zehn Befehle. Ein Kind ist ganz aus dem Häuschen, wird jedoch mit List weggelockt. Heimlich packt der Vater die Hunde-Prinzessin, verbirgt sie hinter seinem Rücken und eilt zur Kasse. Das Christfest ist gerettet, scheint es.

In der "Kinderwelt" sind auf 800 Quadratmetern 15.000 Einzelartikel untergebracht. Da schlagen nicht nur kleine Herzen höher. Begeistert flanieren ausgewachsene Männer an den Regalen mit Lego, Rennbahnen und abgefahrenen Trucks vorbei. Und manche Mutter lässt ihre Kindheitserinnerungen in der Puppensektion aufleben. Es sind Klassiker, die jeder kennt.

Dort, aber auch bei den Neuheiten ist Verkäufer André Feindt in seinem Element. Wer nicht weiterweiß, findet bei dem Profi aus Beckdorf im Landkreis Stade fachkundigen Rat. Zwar hat die Weihnachtssaison auch hier schon im Oktober begonnen, doch weiß Feindt aus Erfahrung: "Die Leute kommen immer später zu ihren Weihnachtseinkäufen." Mancher eilt erst am 24. Dezember ins Spielzeugparadies. Bis 14 Uhr geht dann noch was. Lange Zeit zum Reden hat der Fachmann nicht. Kundschaft wartet. Der sechs Jahre alte Ben Bukowski aus Farmsen-Berne hat sich in einen Polizei-Hubschrauber vernarrt. Oder soll es doch lieber die uniformierte Kampftruppe sein? Vater Carsten kann von Glück sagen, dass sein Erstklässler aus der Schule Traberweg bescheiden bleibt. Die sündhaft teuren Maxi-Ausgaben, gigantische Feuerwehrwagen oder ausgetüftelte Zementmischer, lässt der Buttje links liegen. Nach einer spannenden halben Stunde treten beide den Heimweg an. Vor allem hat der Weihnachtsmann genau gespeichert, was seinem Sohn die Bescherung besonders versüßen würde. Schlau eingefädelt.

Ein anderer Vater wendet eine noch ausgebufftere Taktik an. In seinem Handy hat er die gewünschten Produkte seiner Familie gespeichert. Zielsicher scannt er in der Spielzeugabteilung die passenden Produkte. Auf einen Blick signalisiert ihm die Preissuchmaschine, was wo am billigsten ist. Mancher lässt sich bei den Profis beraten, verabschiedet sich höflich - und schreitet im Internet zur Tat. Nett ist das nicht.

Es gibt sie immer noch - die neugierigen Kinderaugen, begeisterte Blicke, Ungeduld, großartige Vorfreude, aber natürlich auch Wehklagen und Tränenkullern. Beglückt pirscht Lavinia Westerhof durch die Plüschtier-Welt. Nach sorgfältiger Suche fällt die Liebe auf ein schwarz-weißes Hündchen. Mutter Christine atmet auf, es hätte teurer kommen können. Doch ist ihre Deern noch nicht am Ende ihrer Wünsche. Ein Einhorn aus dem Königreich der Prinzessin Lillifee soll's zudem sein. Aber, bitte, bitte, die Riesen-Version. Jetzt atmet Mama schwer. Der Trost: Ab 100 Euro wird gratis nach Hause geliefert.

Derweil hat das Verkaufsteam alle Hände voll zu tun, gegen Feierabend ist der Ansturm am größten. Doch wird der Höhepunkt an diesem und an den zwei dann noch anstehenden Advents-Sonnabenden erreicht. Bis 21 Uhr geht's im vierten Stock richtig rund. Das vierköpfige Verkäuferteam wird in diesen turbulenten Tagen um sieben Aushilfen einer Zeitarbeitsfirma sowie drei Propagandisten von Spielzeugfirmen aufgestockt. Mit Spaß gehen sie ihrer Beschäftigung nach, und es ist eine schöne Beobachtung, dass auch Erwachsene Kinder sein können, die ihr Dorado auch im Bereich der Gesellschaftsspiele finden. "Unsere Klassiker sind Dauerbrenner", weiß Substitutin Martina Rainer. "Mensch ärgere Dich nicht", zeitlos schön mit Holzsteinen, läuft ebenso immer wie "Malefiz", "Spiel des Lebens", "Kniffel", "Domino", "Activity" oder "Risiko".

Vor dem "Monopoly"-Regal machen nicht nur Kinder große Augen. Mehr als ein Dutzend Spielarten stehen zum Verkauf. Je nach Vorliebe wählt man die Varianten "Star Wars", "Cars", "Spongebob", "Hamburg" oder - besonders passend - "Millionär". Wer das Vergnügen mit Hotel-Steinchen und den legendären Geldscheinen niemals lernte, darf aktuell auch mit Kreditkarten zahlen oder ganz einfach sein iPad in die Mitte des Spiels integrieren.

Schon die Jüngeren werden an die digitale Technik herangeführt. Fasziniert hantiert ein Kindergartenkind mit einem orangefarbenen Hightech-Gerät namens Tiptoi, während die Mutter mit einer Verkäuferin tuschelt. Dieser Lernstift verrät beim Antippen aller möglichen Tiere oder Haushaltsgegenstände deren Namen und Hintergrundwissen. Zudem kann er das Buch auch gleich komplett vorlesen. So werden Eltern arbeitslos.

Welch weihnachtlicher Segen, dass sie zumindest noch die Bezahlung vornehmen dürfen. Was ganz nach dem Geschmack von Alfons Graul ist. Der plietsche Achtjährige aus der 3. Klasse der Phorms-Schule in Hammerbrook liebäugelt im wahrsten Sinn des Wortes mit dem Todesstern von Lego, dem mit 399,99 Euro teuersten Artikel der gesamten Abteilung. Obi-Wan Kenobi, außerirdische Druiden und das Müll verspeisende Monstrum Dianoga sind inklusive. Doch warum finanziell nach den Sternen greifen? Zur Erleichterung seiner Mutter Antje entscheidet sich Alfons für ein deutlich preiswerteres Raumschiff. Theoretisch.

Denn bekanntlich werden nicht alle Wünsche erfüllt. Und am Ende hat immer noch das Christkind das letzte Wort. Daran zumindest hat sich nichts geändert ...

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