07.12.12

Medienkrise

300 "FTD"-Mitarbeiter demonstrieren vor Verlagshaus

Am Freitag wurde die letzte Ausgabe der "FTD" herausgegeben. 300 Mitarbeiter demonstrierten in Hamburg gegen Verlust ihres Arbeitsplatzes.

Von Christof Bock und Mareike Enghusen
Foto: dpa
Mitarbeiter der "Gruner + Jahr"-Wirtschaftsmedien stehen während der Demonstration am Verlagshaus in Hamburg zusammen
Mitarbeiter der "Gruner + Jahr"-Wirtschaftsmedien stehen während der Demonstration am Verlagshaus in Hamburg zusammen

Hamburg. Die "Financial Times Deutschland" ist Geschichte. Mit großflächig geschwärzter Titelseite erschien die Zeitung am Freitag zum letzten Mal. Rund 150 Mitarbeiter versammelten sich zum Abschied zu einer Kundgebung vor dem Verlagshaus Gruner + Jahr in Hamburg, um gegen den Verlust ihrer Arbeitsplätze zu demonstrieren. Das "FTD"-Aus hatte der G + J-Konzern vor zwei Wochen bekanntgegeben.

"Unabhängiger Journalismus kostet Geld. Aber wer zahlt?" – diese Frage stellten Teilnehmer der Kundgebung auf Transparenten. Redner hoben die Leistungen der "FTD" für den Qualitätsjournalismus hervor. Man fühle sich unwürdig behandelt. Die meisten Demonstranten trugen Solidaritätsschleifen, die lachsrot wie das "FTD"-Papier waren. Rund 300 Beschäftigte sind betroffen. "Das ist wie bei einer Oma, die seit Jahren im Sterben liegt – und dann ist der Schreck doch groß", sagte eine Redakteurin am Rande der Versammlung bei eisiger Kälte. Eine 30 Jahre alte Volontärin musste ihre Ausbildung bei dem Blatt mittendrin abbrechen: "Ich finde für alles Worte, aber für das hier nicht."

Unter dem verstümmelten Logo "Final Times" standen auf der letzten Titelseite die Worte "Endlich schwarz" zu lesen – eine Anspielung auf die schwarzen Zahlen, die die "FTD" nie geschrieben hat. "Wir haben, als dann feststand, dass wir eingestellt werden, natürlich ein paar Tage sehr stark getrauert. Aber dann begann so eine kleine Welle der Kreativität. Und dann war dieser Titel schnell geboren", sagte Vize-Chefredakteur Sven Oliver Clausen im "Deutschlandradio Kultur". Die "FTD" wolle sich "mit Anstand" verabschieden, betonte er.

Die Ausgabe versammelte eine Auswahl der besten Investigativ-Storys, Porträts und Karikaturen aus fast 13 Jahren. "Mein persönlicher Lieblings-Scoop (...) ist, dass wir als erste gemeldet haben, dass die Rente mit 67 kommt", sagte Clausen. Auf die Frage, was die "FTD" falsch gemacht habe, antwortete er: "Wir haben, glaube ich, als Redaktion zu spät darauf hingewirkt, dass wir im Internet uns ein Geschäftsmodell überlegen." Man hätte auch "vielleicht doch schauen müssen, ob man die Inhalte doch noch stärker so aufbereitet, dass es eine breitere Leserschaft findet".

Eine Seite zeigte Fotos von 309 "FTD"-Mitarbeitern. An anderer Stelle stand ein riesiges Bild, auf dem sich das Team in Trauerkleidung verneigt. Man entschuldige sich, "liebe Gesellschafter, dass wir so viele Millionen verbrannt haben". Weiter hieß es: "Entschuldigung, liebe Anzeigenkunden, dass wir so kritisch über Eure Unternehmen berichtet haben. (...) Entschuldigung, liebe Leser, dass dies jetzt die letzten Zeilen der FTD sind."

Die letzte Ausgabe war an vielen Kiosken schnell ausverkauft. "Die ganze Zeit wollte die nie jemand haben", sagte ein Zeitungsverkäufer in Berlin. Auf einmal gebe es jetzt solch einen Ansturm. Die "FTD"- Redaktion kündigte an, die Abschiedsausgabe werde wegen der großen Nachfrage nachgedruckt. Laut Verlag wurden am Freitagnachmittag die letzten redaktionellen Inhalte auf die Seite "ftd.de" gestellt. Der Webauftritt bleibe voraussichtlich noch bis zur Jahreswende erhalten.

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