07.12.12

Wirtschaftsmedien

"Final Times Deutschland" - begehrter als die FTD

Ironie des Untergangs: Die letzte Ausgabe der Financial Times Deutschland war am Freitag so nachgefragt, dass sie nachgedruckt werden soll.

Von Bernd Fischaleck und Nathalie Waehlisch
Foto: dapd
"Financial Times Deutschland" erscheint zum letzten Mal
Die letzte Ausgabe der FTD erschien am Freitag - mit großem Erfolg

Hamburg. "Ein Stück Zeitungsgeschichte" hatte die Redaktion der "Financial Times Deutschland" zum Abschied versprochen – tatsächlich gelang mit der am Freitag erschienenen, letzten Ausgabe ein denkwürdiger Abgang. An schwarzem Humor und Ironie sparten die Macher der Zeitung dabei nicht: Statt "Financial Times Deutschland" lag die "Final Times Deutschland" an den Kiosken. Die übrigen Buchstaben hat die Redaktion einfach aus dem Schriftzug des Titelblatts purzeln lassen.

Auch farblich bietet die sonst in lachsrosa erschienene Wirtschaftszeitung einen ungewohnten Anblick: "Endlich schwarz" titelt sie anlässlich ihrer Einstellung nach knapp 13 Jahren in lachsrosa Lettern auf schwarzem Grund.

"Weil wir nach all den Jahren nicht einfach so aufhören können, zeigen wir Ihnen in dieser Ausgabe noch einmal, was wir alles so draufhatten und noch draufhätten", heißt es unter anderem im Editorial. "Behalten Sie uns in guter Erinnerung. Ihre Chefredaktion." 110.000 Exemplare, wie sonst auch, gab es von der letzten Ausgabe. Bei den Lesern war die heiß begehrt: Vielerorts, wie etwa am Hamburger, Berliner, Frankfurter oder Bonner Hauptbahnhof, hieß es bereits am Morgen an Verkaufsstellen: "Die 'FTD' ist leider ausverkauft." Zur Stelle war dagegen die englische "Financial Times", die in Berlin zu Werbezwecken gratis verteilt wurde.

Ironie des Schicksals: Weil die letzte "FTD"-Ausgabe sich so gut verkaufte, sollte sie noch am Freitag nachgedruckt werden. In welcher Höhe, konnte ein Sprecher von Gruner + Jahr am Mittag noch nicht sagen.

In ihrer kreativen Abschiedsausgabe, die bereits am Donnerstagabend als E-Paper zu haben war, bietet die "FTD" einen Rückblick auf ihre eigenen Angaben zufolge besten Geschichten, schönsten Illustrationen und größten Irrtümer. Zudem wird ein Einblick in die Arbeitsweise und das Seelenleben ihrer Redakteure gewährt. Auf einem Foto auf der letzten Seite verneigen sich die Mitarbeiter. Darunter heißt es: "Entschuldigung, liebe Leser, dass dies jetzt die letzten Zeilen der 'FTD' sind. Es tut uns leid. Wir entschuldigen uns vorbehaltlos. Aber: Wenn wir noch einmal von vorn anfangen dürften – wir würden es jederzeit wieder genauso machen."

Die Chefredaktion übt aber auch bissige Kritik und entschuldigt sich gleichfalls bei den Gesellschaftern, "dass wir so viele Millionen verbrannt haben" und bei den Anzeigenkunden, "dass wir so kritisch über Eure Unternehmen berichtet haben". Das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr hatte vor zwei Wochen das Aus der defizitären "FTD" offiziell bestätigt. Die Zeitung schrieb seit ihrer Gründung im Jahr 2000 Verluste. Betroffen sind nach Verlagsangaben 364 Mitarbeiter aus der Gemeinschaftsredaktion der Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien, für einige sollen andere Arbeitsplätze im Verlag gesucht werden. Wie viele das sein werden, ist noch offen.

Das Magazine "Capital" sowie "Business Punk" sollen dagegen erhalten und nach Berlin verlegt werden, wie seinerzeit mitgeteilt wurde. Für das Anlegermagazin "Börse Online" sowie das Monatsmagazin "Impulse" solle die Möglichkeit eines Verkaufs geprüft werden. Sollten die Verhandlungen nicht zu einem erfolgreichen Abschluss kommen, sei auch für diese Titel die Einstellung geplant, hieß es. Es gebe weiterhin Verhandlungen, die aber noch nicht zu einem Abschluss gekommen seien, sagte am Freitag der G+J-Sprecher.

Die Belegschaft wollte am Freitag noch einmal protestieren und feiern. Um 14.00 Uhr sollte es eine Demonstration vor dem Hauptgebäude in Hamburg geben. Mehr als 350 Mitarbeiter würden entlassen, "und das während der schlimmsten strukturellen Medienkrise seit Bestehen der Bundesrepublik", erklärte der Gesamtbetriebsrat der Wirtschaftsmedien. "Die Kolleginnen und Kollegen der G+J Wirtschaftsmedien wollen sich nicht von Gruner + Jahr billig abspeisen lassen." Aber es gibt auch ein Fest: Alle Mitarbeiter, inklusive der Auslandskorrespondenten, wollten sich bei einer Abschlussparty in einem Saal in Hamburg treffen.

Die Internet-Domain ftd.de bleibt vorerst bestehen. Am Freitag sollten die letzten Inhalte aktualisiert werden, sagte der G+J-Sprecher. Die Seite solle dann auf jeden Fall noch bis Anfang des Jahres verfügbar sein.

Und: "Auf Facebook machen wir natürlich vorerst weiter", heißt es dort. "Bis uns die Lizenzwächter der 'Financial Times' in London den Auftritt unseren toten kalten Händen entreißen – oder uns aufkaufen."

Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Top Video Alle Videos
«Bild»-Chefredakteur spielt Obdachlosen in WerbespotBrightcove Videos

mehr »

Top Bildergalerien mehr
Hasloh

Mehrere Verletzte nach Fund einer Rauchgranate

Libyen

Tripolis: Treibstofftank von Rakete getroffen

Fußball

Der HSV wird dritter beim Telekom Cup

Lohbrügge

26-Jähriger stirbt nach Messerattacke

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr