06.12.12

Wetter

Winter-Verspätungen: Bahn sieht sich trotzdem "gerüstet"

Tief "Johanna" sorgt für den ersten Großeinsatz des Winterdienstes. Schneefall und Dauerfrost sollen bis zum Wochenende bleiben.

Foto: Marcelo Hernandez

Sarah, Erdem und Hansu rodeln auf dem Schwarzenberg

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Hamburg. Trotz einiger Verspätungen am Donnerstagmorgen in Hamburg und Schleswig-Holstein hält die Bahn ihre Vorbereitungen auf den Winter für ausreichend. "Wir haben aus dem letzten Jahr gelernt und sind jetzt besser gerüstet", teilte ein Sprecher am Donnerstag in Hamburg mit. Im vergangenen Winter war es in Norddeutschland zu zahlreichen Verspätungen im Bahnverkehr gekommen.

Um sicherzugehen, dass die Fahrgäste auch bei Minusgraden rechtzeitig ans Ziel gelangen, habe die Bahn schon im Sommer die Weichen und Weichenheizungen inspiziert, Enteisungsanlagen überprüft und ihren Schneepflug auf Vordermann gebracht. Dass es dieses Jahr nicht wieder zu Verspätungen kommt, will der Bahnsprecher zwar nicht ausschließen. Er zeigt sich aber optimistisch. "Wir haben sehr viel investiert und neue Einsatzkräfte geschult."

Trotzdem haben Schnee und Kälte haben auch am Donnerstagmorgen in Hamburg und Umgebung zahlreiche Verspätungen im Zugverkehr verursacht. Wie ein Bahnsprecher mitteilte, kam es im Regionalverkehr zwischen Itzehoe und Hamburg zu Verspätungen von bis zu einer Stunde, da ein Güterzug liegengeblieben war. Auch bei der Hamburger S-Bahn habe es Probleme gegeben. Eine Bahn sei im Stadtteil Neugraben ausgefallen, wodurch auch hier die Züge rund eine Stunde später fuhren. Mittlerweile laufe der Verkehr auf beiden Strecken wieder störungsfrei.

Auf Hamburgs Straßen lief es dagegen am Morgen relativ reibungslos. Wie die Polizei mitteilte, habe es zwar mehr Verkehr gegeben, aber keine witterungsbedingten Unfälle.

Vielleicht auch dank der Arbeit der Stadtreinigung. Denn für den Winterdienst brachte Tief "Johanna" - eine Kaltfront aus Skandinavien - den ersten Großeinsatz des Jahres. Seit Mittwochabend 19.30 Uhr waren etwa 125 Streufahrzeuge zum vierstündigen Einsatz auf den Hauptverkehrsstraßen unterwegs. Da es während und nach Ende des Einsatzes weiter schneite, blieb der Neuschnee auf den gestreuten Fahrbahnen liegen, so dass die Stadtreinigung ab 2 Uhr zu einer zweiten Streu-Runde ausrückte. Laut Stadtreinigungssprecher Reinhard Fiedler waren 20 Gramm Feuchtsalz pro Quadratmeter Fahrbahn erforderlich. Besonders betroffen war laut Fiedler der Süden Hamburgs. "In Harburg ist so viel Schnee runtergekommen, dass wir die Schneepflüge anschnallen mussten", sagte der Sprecher der Stadtreinigung.

Rund 1.000 Einsatzkräfte streuen und räumen zurzeit rund 10.000 Überwege und Zebrastreifen an Kreuzungen, 4.000 Bushaltestellen, 150 Kilometer Radwege und 930 Kilometer verkehrswichtige Gehwege ohne Anlieger. Die Behörde schätzte, dass allein in der vergangenen Nacht rund 500 Tonnen Salz und rund 50 Tonnen Sand und Kies gestreut wurden. Aktuell sind die Mitarbeiter dabei die Radwege und Bushaltebuchten zu räumen.

Wichtig für die Hamburger: Die Stadtreinigung streut nur die wichtigsten Hauptverkehrsstraßen, Strecken mit Buslinienverkehr und Busbuchten (rund 3.900 km). Danach werden die Verbindungsstrecken zwischen diesen Straßen gesichert (rund 760 km). Nebenstraßen werden nicht geräumt. "Vor allem dort müssen die Hamburger weiter mit Glätte rechnen", so Fiedler. Aber auch auf den bereits gestreuten Straßen könne es weiter glatt sein. Er mahnte zur Vorsicht.

Auf allen Gehwegen mit Anliegern sind die Grundeigentümer für den Streu- und Winterdienst verantwortlich. Die Anlieger müssen Schnee- und Einflätte auf den Gehwege vor ihren Grundstücken bis 8.30 Uhr mit Sand, Splitt und Schneeschieber beseitigen. Der Einsatz von Streusalz ist auf Gehwegen nicht erlaubt.

Verkehr im Norden erheblich behindert

Mehr Probleme auf den Straßen gab es hingegen in Norddeutschland. Ergiebige Schneefälle haben am Donnerstagmorgen den Verkehr in Teilen Norddeutschlands erheblich behindert. Im Nordwesten Schleswig-Holsteins habe es Schneeverwehungen gegeben, sagte ein Sprecher der Rettungsleitstelle in Bad Segeberg. Zum Teil habe der Schnee einen halben Meter hoch gelegen. Schwere Verkehrsunfälle gab es den Angaben zufolge zunächst nicht. Im Kreis Dithmarschen steckte ein Rettungswagen im Schnee fest.

Nach Angaben der Polizei mussten die Autofahrer in Schleswig-Holstein mit Straßenglätte kämpfen. Mehr als drei Dutzend Autofahrer rutschten in Gräben oder gegen die Leitplanken. Die Unfälle endeten jedoch meist glimpflich mit Blechschäden. Verletzt wurde niemand. Die meisten Autofahrer hätten ihre Fahrweise den Straßenverhältnissen angepasst, sagte eine Polizeisprecherin am Morgen.

Besonders auf Nebenstrecken wirkten sich Schnee-und Eisglätte auch auf den Busverkehr aus. So konnten im Kreis Rendsburg-Eckernförde Busse des privaten Omnibusunternehmens Autokraft auf einigen Straßen wegen der Glätte nicht mehr fahren.

Auf der Autobahn 1 an der Anschlussstelle Elsdorf kam am frühen Donnerstagmorgen ein Sattelschlepper ins Rutschen und schleuderte gegen die Leitplanke. Der Lastwagen blockierte nach Polizeiangaben alle drei Fahrstreifen in Richtung Hamburg. Ein Transporter sah den querstehenden Lkw zu spät, touchierte ihn und landete im Straßengraben. Die beiden Fahrer wurden leicht verletzt.

Die Polizeistationen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sprachen von einer überwiegend "ruhigen Verkehrslage". Die Autofahrer hätten sich auf den Wintereinbruch eingestellt. Gelegentlich landeten Fahrzeuge in Straßengräben. Im Schnitt waren bis zu zehn Zentimeter Neuschnee gefallen.

Winter bleibt bis zum Wochenende

Und das war erst der Anfang. Denn der Winter bleibt. Mindestens noch bis zum Wochenende, prognostiziert Frank Böttcher vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation in Hamburg. "Nördlich des Stadtgebiets zieht eine Wolkenfront entlang, die im Raum Neumünster sogar bis zu zwölf Zentimeter Schnee bringt", sagt Böttcher.

Wer glaubt, das Winterwetter sei bis zum zweiten Adventswochenende vorübergezogen, der irrt. Der Meteorologe sagt: "Das Tiefdruckgebiet wird so schnell nicht weichen, Dauerfrost und Schnee begleiten uns bis zum Wochenende." Bei Windstille sinken die Temperaturen nachts sogar auf bis zu minus 13 Grad ab. Dabei sei mit glatten Straßen in der gesamten Region zu rechen. Böttcher rät: "Autofahrer sollten auf ihrem Weg zur Arbeit eine halbe Stunde mehr einplanen."

(rek/schrö/jac/dpa)
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