04.12.12

Hafenkonzern

Streit bei Eurogate um 52 Trainingsanzüge

Eurogate will Hamburger Betriebsratschef Schäfer kündigen. Ein Gütetermin vor Gericht bringt keine Einigung. Nun kommen Zeugen zu Wort.

Von Rolf Zamponi
Foto: Andr Zand-Vakili
Der Hamburger Eurogate-Betriebsratschef Frank Schäfer gestern kurz vor der Verhandlung im Hamburger Arbeitsgericht
Der Hamburger Eurogate-Betriebsratschef Frank Schäfer gestern kurz vor der Verhandlung im Hamburger Arbeitsgericht

Hamburg. Er kam wenige Minuten vor Verhandlungsbeginn in das Arbeitsgericht und gab noch einige Interviews. Frank Schäfer, der Betriebsratsvorsitzende des Hamburger Eurogate Hafenterminals, ist von seiner Unschuld überzeugt. Die Vorwürfe seines Arbeitgebers, er habe sich bei einem Einkauf für die Firma bestechen lassen, werde er entkräften und sich nicht auf eine Abfindung einlassen. "Ich bin seit zehn Jahren im Betriebsrat und liebe meinen Job", sagte Schäfer an der Seite seines Anwalts Jan H. Kern. "Wir wollen hier alles aufklären." Doch der für gestern angesetzte Gütetermin brachte noch keine Klarheit. Jetzt soll am 11. März weiterverhandelt werden.

Der Fall: Eurogate wirft Schäfer vor, sich nach dem Kauf von 52 Trainingsanzügen für die Betriebssportgruppe des Hafenkonzerns bereichert zu haben. Dabei soll er im Gegenzug für das Einfädeln des Geschäfts vom Lieferanten selbst Kleidung für 730 Euro erhalten haben. Der Arbeitgeber wollte eine Verdachtskündigung aussprechen, welcher der Betriebsrat allerdings hätte zustimmen müssen. Die Arbeitnehmervertretung lehnte dies ab. Deshalb wurde das Gericht eingeschaltet. Gestern nun fragte Richter Matthias Waskow beide Parteien noch einmal, ob man sich nicht doch ohne Prozess noch einigen könnten. Vergeblich.

Für Schäfer geht es um viel. Denn allein der Verdacht der Bestechlichkeit oder Untreue kann für eine Kündigung ausreichen, wenn sich der Vorwurf vor Gericht untermauern ließe.

Nach Auffassung von Eurogate hat Schäfer eine ausgehandelte Gutschrift über 730 Euro auf die Gesamtrechnung von 5000 Euro dafür genutzt, sich in einem Geschäft des Lieferanten am Schulterblatt privat Kleidung zu kaufen. Schäfer hatte den Besuch in dem Laden Anfang Dezember 2011 zwar zunächst bestritten, später dann aber doch eingeräumt. Zuvor hatte ein Verkäufer zwei Kunden beschrieben, bei denen es sich offensichtlich um Schäfer und seine Lebensgefährtin gehandelt haben könnte. Die Recherchen waren Eurogate so wichtig, dass das Hafenunternehmen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young einschaltete. Eine "kostenintensive" Maßnahme wie Anwalt Volker von Alvensleben einräumte. "Sie hat sich aber als richtig erwiesen." Die Folge der Untersuchungen war der Antrag auf die Verdachtskündigung beim Betriebsrat Anfang Oktober.

Für Schäfer und seinen Anwalt hat sich das Ganze jedoch anders zugetragen. So sei der zunächst erhobene Vorwurf, es seien weniger Trainingsanzüge als ausgemacht geliefert worden und sein Mandant habe sich den Differenzbetrag in die Tasche gesteckt, inzwischen fallen gelassen worden. Schäfer habe bei dem Kauf zwar einen Rabatt ausgehandelt. Der sei aber vom Preis abgezogen worden. An dem 13. Dezember sei er dann zwar mit seiner Lebensgefährtin in dem Geschäft gewesen, doch habe er es mit leeren Händen wieder verlassen. "Auf der Straße hat Herr Schäfer einen Bekannten aus dem Hafen getroffen, der ihn bis zum Auto begeleitet hat und bezeugen kann, dass er keine neue Kleidung dabei hatte", sagte Kern. Dies könne die Lebensgefährtin von Schäfer bezeugen. Der Grund des Besuchs in dem Laden sei das Interesse an Anzügen für den Eissport Curling gewesen, in dem Mitarbeiter von Eurogate aktiv sind. Gekauft worden sei aber letztlich nichts.

Die Auseinandersetzung hat noch eine pikante Vorgeschichte. So soll der ehemalige Betriebsratschef von Eurogate, den Schäfer 2005 ablöste, die Ereignisse ins Rollen gebracht haben. Auch Eurogate-Arbeitsdirektor Andreas Bergemann dürfte nicht gut auf Schäfer zu sprechen sein. Schließlich hatte der Betriebsrat im Sommer versucht, den Manager beurlauben zu lassen. Dabei hatte Bergemann vor seinem Wechsel in die Eurogate-Geschäftsführung jahrelang hauptamtlich für die Gewerkschaft Ver.di gearbeitet. Das Verhältnis zum Betriebsrat gilt nun als zerrüttet.

Richter Waskow bestellte gestern beide Parteien für den 11. März zum nächsten Termin vor das Arbeitsgericht. Dann sollen Zeugen gehört werden. "Ich bin nicht sicher, ob wir das an einem Tag abschließen können", sagte Waskow. Ein Kompromiss scheint ausgeschlossen. "Verhandlungen über eine Abfindung werden nicht gewünscht, und unseren Antrag auf die Kündigung ziehen wir nicht zurück", sagte Eurogate-Anwalt von Alvensleben. Auch für Schäfer ist klar: "Ich bin seit 25 Jahren bei Eurogate und will hier auch künftig weiter arbeiten."

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