03.12.12

Die Stadtteilserie

Hohenfelde - Ein Viertel zwischen Mode und Wassersport

Hohenfelde war einst eines der wohlhabendsten Viertel Hamburgs. Es bietet schmucke Bürgerhäuser und den Blick auf die Alster.

Von Ann-Britt Petersen

Sein Name klingt nach einem Gebiet weit draußen, dabei liegt er so nahe: der Stadtteil Hohenfelde. Eingebettet zwischen St. Georg und der Uhlenhorst, zwischen Eilbek und der Außenalster, wird er jedoch selten wahrgenommen. Kein Wunder bei 1,1 Quadratkilometer Fläche. Kaum hat man den kleinen Stadtteil erreicht, ist man auch schon wieder draußen. Für die rasche Durchfahrt mit dem Auto sorgen breite Verkehrsachsen. Doch Straßen wie die Sechslingspforte, der Mühlendamm oder die Lübecker Straße zeigen nicht eben die schönsten Seiten von Hohenfelde. Hier ist es laut, voller Abgase, und die Wohnbebauung hat größtenteils den Charme der 1960er-Jahre.

Schmucke Bürgerhäuser im Norden

Hohenfelde hat aber auch andere Seiten mit architektonischen Perlen. Manche schimmern bereits im südlichen Teil des Viertels um die U-Bahn-Haltestelle Lübecker Straße herum; die meisten glänzen im nördlichen Bereich, links und rechts des Hochbahnhofs Uhlandstraße. Der liegt selbst schon idyllisch im Grünen am Kuhmühlenteich. Von hier aus sind es nur ein paar Schritte in eine nicht erwartete Villengegend. Im östlichen Teil Hohenfeldes reihen sich in der Güntherstraße, Neubertstraße und Lessingstraße prächtige Stadtvillen aus der Gründerzeit aneinander. Eine der schönsten Villen ist die Residenz der finnischen Generalkonsulin. Auch der Schauspieler Dieter Pfaff hat lange in dieser beschaulichen Ecke gewohnt. Schmucke Bürgerhäuser sind ebenfalls im westlichen Teil im und um den Graumannsweg herum zu finden. Sie alle repräsentieren eine reiche Episode der Stadtteilgeschichte.

"1892 war Hohenfelde der wohlhabendste Stadtteil nach Harvestehude und Rotherbaum", erklärt Harald Gevert von der Geschichtswerkstatt St. Gertrud - jene Hohenfelder und Uhlenhorster Gemeinde, die auf der anderen Seite des Kuhmühlenteichs liegt. Doch zunächst bestand Hohenfelde aus Wiesen und Kuhweiden. Es gab Windmühlen und eine Wassermühle, eben die Kuhmühle. 1481 wurde sie von Armgart de Komollerssche gepachtet, nach der die heutige Armgartstraße benannt ist. Lange Zeit blieb Hohenfelde seinem Namen treu, diente als freies Feld vor den Befestigungsanlagen der Stadt. Mitte des 19. Jahrhunderts zog es immer mehr Bewohner vor die Stadttore. Der Senat begann ein Straßennetz anzulegen; Brücken wurden gebaut. Auch Gewerbe siedelte sich an. 1924 etwa das noch heute am Mühlendamm ansässige Busunternehmen Friedrich Jasper.

Wassersport in jedweder Form

Während des Zweiten Weltkriegs wurden 70 Prozent des Stadtteils zerstört. Danach prägte der öffentlich geförderte Wohnungsbau mit seinen zweckmäßigen Nachkriegsbauten an vielen Stellen das Bild. Auch der einstige gewerkschaftseigene Wohnungsbaukonzern Neue Heimat mischte mit. Zu seiner Hinterlassenschaft zählen die Zeilenbauten an der Lübecker Straße sowie das Hochhaus Alstertower. Es beheimatet heute Büros, das Konsulat der Tunesischen Republik und das Honorarkonsulat der Republik Ghana. Ein Bürogebäude moderner Machart steht am anderen Ende der Lübecker Straße: die wegen der Rundungen so bezeichnete Hamburger Welle der Architekten Bothe, Richter, Teherani.

Eine Welle, die zum Stadtteil passt, denn einer seiner weiteren Vorzüge ist die Nähe zum Wasser. Hier thront nicht nur Hamburgs auffälligstes Schwimmbad, die Alster-Schwimmhalle - wegen ihres dreiflügeligen Daches auch Schwimmoper genannt. Ein paar Schritte weiter Richtung Alster folgt die nächste Möglichkeit zum Wassersport. An der Schwanenbucht steht das Klub- und Bootshaus des Hamburger Kanu Clubs (HKC). Der betreibt nicht nur Wanderfahrten mit Kanu oder Kanadier, sondern auch einen Ballsport mit Paddel und Toren: das Kanu-Polo. Wer Entspannung sucht, lässt sich am Alsterufer nieder, blickt auf die Segelboote und das Panorama der Stadt.

Das "Wohnzimmer" des Quartiers

Von den Bootsstegen zu den Laufstegen des Stadtteils sind es nur wenige Minuten. In einer alten Mineralwasserfabrik aus dem Jahr 1872 lernen und experimentieren heute die Studenten der Modeakademie JAK. Auch zwei Straßen weiter in der Armgartstraße wird für den Catwalk gearbeitet. Aus der ursprünglichen Gewerbeschule für Mädchen von 1867 entstand nach wechselvoller Entwicklung 2004 der Modecampus Armgartstraße, der zur Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) gehört.

Gelehrt und gelernt wird zudem im Süden von Hohenfelde: in den Gewerbeschulen für Gastronomie und Ernährung sowie für Stahl und Maschinenbau in der Angerstraße. Größter Nachbar ist dort das katholische Marienkrankenhaus. Schon 1882 war das von Ordensschwestern des heiligen Karl Borromäus gegründete Hospital von St. Georg nach Hohenfelde umgezogen. Viele Hohenfelder erblickten hier das Licht der Welt und blieben gern im Stadtteil.

Einer von ihnen ist Immanuel Bayrakcioglu. Der Sohn türkischer Christen wuchs hier mit seinen zwei Brüdern auf und betreibt mit seiner Familie den Alstermarkt und den beliebten Treffpunkt Alstercafé an der Ifflandstraße. Dort genießen Nachbarn, Büroangestellte oder Schwimmbadbesucher die von Mutter Bayrakcioglu zubereiteten Speisen. "Wir kennen uns alle, das ist ein Vorteil unseres Viertels", sagt der 33-jährige Sohn. Eine Institution mit ähnlich familiärem Ambiente ist auch das kleine italienische Speiselokal La Serenissima, das mancher als das "Wohnzimmer von Hohenfelde" bezeichnet.

Bei der Stadtplanung reden Bürger mit

Junge Mütter treffen sich gern im Mütterzentrum an der Ifflandstraße. Das 1998 gegründete Nachbarschaftsprojekt hat großen Zulauf und mittlerweile eine von zwei Kitas in Hohenfelde. Auch einen Spielplatz mit Betreuung kann der Stadtteil aufweisen. Doch eine Schule gibt es nicht mehr. Die Grundschule Ifflandstraße wurde 2012 abgerissen. Schon einige Jahre zuvor fiel das Gemeindezentrum St. Gertrud in der Ifflandstraße der Abrissbirne zum Opfer. Seitdem fehlt der Raum für einen Jugendtreff, und das, obwohl jeder zehnte Hohenfelder unter 18 Jahre alt ist. Zudem fürchten viele Hohenfelder weitere Neubauten, etwa Bürohochhäuser, Hotels oder Luxuswohnungen wie die "Highfield-Places" auf dem Gelände des früheren Gemeindezentrums. "Alsternähe und zentrale Lage machen den Stadtteil für Investoren interessant", weiß Jürgen Strege, Vorsitzender des Hohenfelder Uhlenhorster Bürgervereins von 1883 und früherer Pastor der St.-Gertrud-Kirche.

Doch die Stadtteilbewohner engagieren sich. 1973 versuchten Hausbesetzer den Abriss von Altbauten am Schottweg zu verhindern, was aber misslang. 2006 gründeten 40 Hohenfelder eine Planungswerkstatt und dokumentierten ihre Visionen für den Stadtteil. Dazu gehören bezahlbarer Wohnraum und eine grüne Stadtteilmitte. Einige Ergebnisse flossen bereits in die Entscheidungen des Bezirksamts Nord ein. Damit Hohenfelde bleibt, was es ist: ein überschaubarer, familiär geprägter und lebenswerter Stadtteil.

In der nächsten Folge am 5.12.: Niendorf

Die Serie als Buch: jetzt im Handel, unter www.abendblatt.de/shop oder Telefon 040/347 265 66 erhältlich

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