03.12.12

Hamburger Volksfest

Nach Dom-Panne: Schausteller weist alle Schuld von sich

Ein Stromausfall brachte den "Flasher" zum Stillstand. Der Hamburger Dom ist erst die vierte Station des Fahrgeschäfts seit der Premiere.

Von Jan-Eric Lindner und Matthias Rebaschus
Foto: TVR News

Das Fahrgeschäft "Flasher" blieb in 68 Metern Höhe stecken

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St. Pauli. Es waren bange Minuten in 68 Meter Höhe. Neun Besucher saßen am späten Sonnabend in einer Gondel der Dom-Attraktion "Flasher" fest. In einem Trafo, über den das gigantische, einem bunt leuchtenden Windrad ähnelnde Fahrgeschäft mit Strom versorgt wird, hatte es offenbar eine Abschaltung gegeben. Durch den kurzen Stromausfall blieb der "Flasher" nach zwei langsamen Rotationen stehen. Mit einem zweiten Notmotor brachten die Betreiber die Gondel nach etwa 20 Minuten zur Erde zurück. Die Fahrgäste blieben unverletzt, zeigten sich aber reichlich geschockt. Der "Flasher" ist die Hauptattraktion auf dem diesjährigen Winterdom: Weithin sichtbar rotieren die beiden Gondeln an jeweils 35 Meter langen Armen, drehen sich dabei um die eigene Achse. Nur 20 Personen pro Fahrt finden Platz im "Flasher". Sie werden in die zwei Gondeln geschnallt. Auf bis zu 120 Kilometer pro Stunde werden die Gondeln während der Rotation beschleunigt. Dabei können Kräfte bis zum Vierfachen des Körpergewichts auf die Mitfahrer wirken. Um 22.47 Uhr am Sonnabend stand das Fahrgeschäft plötzlich still, die Passagiere saßen im Dunkeln in der Höhe fest. Es ist unwahrscheinlich, dass sie die Aussicht, für die sie 7 Euro pro Person bezahlt hatten, genießen konnten. Einer der Mitarbeiter des Fahrgeschäfts aktivierte einen Dieselmotor, der im Falle einer Stromabschaltung benutzt werden kann, um die Passagiere aus den Gondeln zu holen. 20 Minuten dauerte die Befreiungsaktion, dann waren die sichtlich geschockten "Flasher"-Kunden wieder auf dem Boden. Die Besatzungen mehrerer Rettungswagen kümmerten sich um sie, alle waren unverletzt.

"Der Stromausfall betraf auch einige andere Buden und Fahrgeschäfte in der unmittelbaren Umgebung", sagte Polizeisprecherin Karina Sadowsky. Der Grund für die Panne: Nach ersten Ermittlungen von Polizei und Stadtentwicklungsbehörde war in dem Trafo, der die Karussells mit Strom versorgt, eine Sicherung herausgesprungen. Eine kleine Ursache mit großer Wirkung.

Lothar Ahrend aus dem niedersächsischen Springe ist der Betreiber des 1,5-Millionen-Kolosses, der auf dem Winterdom seine Hamburgpremiere feiert. Er sagt: "Der Fehler lag eindeutig nicht bei uns, sondern im Trafo des Stromversorgers." Der "Flasher" beziehe seinen Strom aus einem Verteilerkasten etwa 40 Meter hinter dem Karussell. Dort, so Ahrend, müsse am Abend ein Schalter rausgeflogen sein. "Keiner der Kunden war zu irgendeinem Zeitpunkt gefährdet." Eine der Betroffenen, die 20-jährige Kim Sarah Diedrichsen aus Flensburg, sagte der "Bild" indes: "Ich hatte Todesangst." Ahrends Mitarbeiter Thomas Clare leitet das Fahrgeschäft vor Ort. Er sagt: "Ja, so etwas kann leider wieder passieren, solange wir nicht den genauen Fehler gefunden haben." Doch nun sei besser vorgesorgt. Neu eingebaute Messgeräte würden nun einen Fehler genau lokalisieren können. Auch Christian Bartels, Platzmeister vom Domreferat, bestätigte gestern, dass eine "Stromspitze" zur Auslösung der Sicherung geführt hat. "Der Fehler kann überall sein", sagte er. Noch am Abend stiegen erneut Fahrgäste in das Superlativ-Karussell. Der "Flasher" ist laut Betreiber das größte transportable Looping-Fahrgeschäft der Welt. Es wurde in den Niederlanden gebaut und erst in diesem Jahr fertiggestellt. Es ist nicht das erste Mal, dass die gigantische Windmühle dem Betreiber Ärger macht. Zur geplanten Premiere im Juli wurde das hydraulisch betriebene Fahrgeschäft nicht fertig. Erst Ende August feierte es in Baden-Württemberg seine Premiere.

Gestern inspizierten Mitarbeiter des Domreferats das Karussell und die Stromversorgung. Schon am Nachmittag saßen wieder Gäste im "Flasher". Sorgen machte sich kaum einer der Mitfahrer. So wie der Hamburger Andreas Münchow, 30, der von der Panne nichts mitbekommen hatte. "Ich würde sofort wieder fahren", sagt er. Münchow war mit Sandra Schlicht, 25, aus Karlsruhe, in der Gondel. "Die Aussicht war spitze, das allein ist die Fahrt wert", sagt sie.

Zwischenfälle hatte es auf dem Hamburger Dom und auf anderen Jahrmärkten immer wieder gegeben. Auf dem diesjährigen Sommerdom war die Achterbahn "Wilde Maus XXL" notabgeschaltet worden. Ein Mitarbeiter hatte verdächtige Geräusche gehört. Passagiere wurden aus den Gondeln geholt. Im Oktober gab es auf einer Kirmes in Bremen einen Unfall mit neun Verletzten. Eine Gondel war abgerissen. Das schwerste Dom-Unglück ereignete sich am 14. August 1981: Ein Kranausleger geriet in die Gondeln des Skylab. Neun Menschen starben, 15 erlitten zum Teil schwerste Verletzungen.

"Flasher"-Betreiber Clare will für den Fall, dass eine Panne wie am Sonnabend erneut vorkommt, auf althergebrachte Technik zurückgreifen: Um Gäste, die in großer Höhe gefangen sind, zu beruhigen, hat er sich ein Megafon gekauft.

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