26.11.12

Urteil in Hamburg

Zehn Jahre Haft für Überfall auf Promi-Wirt Cuneo

Zwei Männer hatten den Gastronom und seine Frau Ende März überfallen und erpresst. Richter spricht von "niederträchtiger Tat".

Von Bettina Mittelacher
Foto: dpa
Franco Cuneo vor seinem unscheinbaren Kultlokal in der Davidstraße in Hamburg
Franco Cuneo vor seinem unscheinbaren Kultlokal in der Davidstraße in Hamburg

Neustadt. Im Leben der Familie Cuneo ist nichts mehr, wie es war. Es geriet vollkommen aus den Fugen, als die Betreiber des bekannten italienischen Traditions-Restaurants zu Opfern von Verbrechern wurden, die sie überfielen, ausraubten und zu erpressen versuchten. Gestern erhielten die Männer, die für die Taten verantwortlich sind, die strafrechtliche Quittung für ihre Verbrechen: Das Landgericht verhängte gegen den Hauptangeklagten Berkant D., 23, eine Haftstrafe von sieben Jahren und drei Monaten unter anderem wegen besonders schweren Raubes. Der wegen Beihilfe angeklagte Mohammad N., 25, wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Es handele sich um "feige, niederträchtige und dumme Taten der Schwerstkriminalität", sagte der Vorsitzende Richter. Die Opfer seien dabei "auf übelste Weise in Angst und Schrecken versetzt worden. Ihnen wurde großes Leid angetan." Nach Überzeugung der Kammer hat Barkant D das Ehepaar Cuneo mit einem bis heute unbekannten Mittäter in deren Haus überfallen, gefesselt und ausgeraubt. Später versuchte er die Tochter des Ehepaares, Franca Cuneo, um 22.500 Euro zu erpressen. Mohammad N. habe bei den Taten "wissentlich Hilfe geleistet", indem er seinen Bekannten jeweils mit dem Taxi chauffierte. Franca Cuneo war gestern bei der Urteilsverkündung mit im Gerichtssaal, wollte das Strafmaß jedoch nicht kommentieren.

In der Nacht zum 29. März hatten die zwei Männer Franco Cuneo vor seinem Haus aufgelauert, den 69-Jährigen niedergeschlagen und ins Haus gedrängt. Dann fesselten sie ihr Opfer sowie dessen Frau mit Kabelbindern und forderten, dass ihnen 200.000 Euro gezahlt werden müsse, mindestens jedenfalls 60.000 Euro. Sonst würden sie Franco Cuneo einen Finger abschneiden. Sie drohten mit ihrem Chef, der ein "mächtiger und einflussreicher Albaner" sei, durchsuchten das Haus und erbeuteten Geld und Schmuck. "Wir waren den Tätern völlig ausgeliefert", hatte Franco Cuneo im Prozess als Zeuge ausgesagt. Aus Angst bot der Gastronom den Tätern an, er werde in den nächsten Tagen 20 000 Euro auftreiben. Später erhielt Franca Cuneo mehrere Erpresseranrufe, in denen 22500 Euro gefordert wurde. Die 31-Jährige schaltete die Polizei ein, die die Täter bei der versuchten Geldübernahme am 19. April festnahm.

Die psychischen Folgen der Verbrechen seien für die Opfer "dramatisch", sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. "Sie durchleiden Angst und leben noch immer in großer Sorge umeinander". Bis heute sei der Alltag der Familie schwer beeinträchtigt. Für sechs Wochen war das Ehepaar zunächst zu Freunden gezogen und hatte sich ganz allmählich stundenweise daran gewöhnen müssen, wieder Zeit in ihrem Haus zu verbringen. Auch die Tochter Franca Cuneo war vorübergehend zu Freunden gezogen. "Die Angst war durch den Überfall unermesslich groß und überall, und das Leid wurde durch die Erpressung weiter gesteigert", sagte der Vorsitzende Richter.

Von den Angeklagten seien allenfalls "schlappe Teilgeständnisse" gekommen. Berkant D. habe "nur das zugegeben, was auch ein hartgesottener Lügner nicht mehr leugnen kann", weil es unter anderen durch die Telefonüberwachung bewiesen war. Unter anderem hatte der 23-Jährige behauptet, er habe zwar geholfen, das Haus der Opfer mit auszuspähen, sei dann aber bei dem eigentlichen Überfall nicht dabei gewesen. Dies sei "blanker Unsinn", betonte der Kammervorsitzende. Die Aussage sei unter anderem dadurch widerlegt, dass in dem Haus der Opfer ein Teleskopschlagstock mit der DNA von Berkant D. liegen geblieben war. Zudem verfüge der 23-Jährige über "Täterwissen" und sei auch deshalb überführt. Mohammad N. hatte stets behauptet, er habe seinen Bekannten lediglich chauffiert und sich "nichts dabei gedacht". Tatsächlich muss er nach Überzeugung des Gerichts in die Taten eingeweiht gewesen sein, weil er über Stunden in der Nähe war, als das Haus der Opfer ausspioniert wurde, und zudem ein Foto von Berkant D. schoss, der sich mit einer Sturmhaube maskiert und in Gangsterpose ablichten ließ. Auch die Erpressertelefonate muss der 25-Jährige mitbekommen haben, so das Gericht.

Die Tatsache, dass der Verteidiger von Mohammad N. in seinem Plädoyer eine geringe Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 25 Euro, wie sie für einen kleinen Diebstahl angemessen wäre, beantragt hatte, bezeichnete der Richter als "zumindest instinktlos. Ich hoffe, dass die Opfer das nicht als Verhöhnung empfungen haben." Doch nach den Worten des Anwalts der Familie Cuneo, Wolf Römmig, ist das beiden Opfern "tatsächlich als Verhöhnung angekommen". Insgesamt gehe es der Famile indes "nicht um die Höhe der Strafe, sondern um die Verarbeitung der Tat. Aber die Belastung wird noch lange Zeit andauern."

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