21.11.12

Leitartikel

Auf Kosten der anderen

Gift in Textilien verunsichert die Verbraucher. Anbieter müssen ihre Marktmacht nutzen

Von Beate Kranz
Foto: HA / A.Laible
Beate Kranz ist stellvertretende Leiterin des Abendblatt-Wirtschaftsressorts
Beate Kranz ist stellvertretende Leiterin des Abendblatt-Wirtschaftsressorts

Die Verunsicherung der Konsumenten im Alltag wird zunehmend größer. Immer mehr Studien decken immer neue Gefahren auf. Mal schrecken Weichmacher in Kinderspielzeugen aus Asien die Verbraucher auf oder es sorgen Tiefkühl-Erdbeeren aus China für ganz reale Magen-Darm-Infekte. Die jüngste Warnung kommen von Greenpeace. Nach einer Untersuchung enthalten die Kleidungsstücke selbst renommierter Markenhersteller und Textilketten giftige Chemikalien, die zum Teil sogar krebserregend sein können.

Viele Verbraucher fühlen sich bei solchen Meldungen schlichtweg ohnmächtig. Schließlich kann und will kaum jemand auf schicke Kleidung verzichten. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten des Einzelnen, die Missstände zu ändern, begrenzt. Sie alle haben ihre Wurzeln in der Globalisierung unserer Wirtschafts- und Warenwelt, die ganz offensichtlich dringend verbindliche und höhere Arbeits- und Produktionsstandards braucht.

Die Textilindustrie hat sich bereits vor Jahren mit wenigen Ausnahmen aus Deutschland verabschiedet. Um ihre Herstellungs- und Arbeitskosten zu senken, wurden immer mehr Betriebe nach Osteuropa und Asien verlagert. Ob Sportartikelhersteller, Textilketten oder auch Luxusmodelabels - fast alle lassen ihre Waren in China, Pakistan oder Bangladesch fertigen.

Doch nicht nur die Arbeitsbedingungen in den dortigen Fabriken zu Niedrigstlöhnen sind mehr als fragwürdig. Auch die Umweltvorschriften sind deutlich laxer als in den meisten Industriestaaten.

Gifte, die hierzulande längst verboten sind, werden in der Ferne häufig noch eingesetzt. Am Absatz dieser Chemikalien verdienen nicht selten auch international agierende Konzerne. Die Leidtragenden sind wiederum die Arbeiter und die Bevölkerung, deren Gesundheit nicht zuletzt durch verschmutztes Trinkwasser aufs Spiel gesetzt wird, unter anderem infolge giftiger Abwasser. Doch die Profitmaximierung darf nicht zu Lasten der Lebensgrundlagen von Menschen gehen.

Wenngleich Dumpinglöhne und laxe Umweltregulierung in vielen asiatischen Ländern legal sein mögen, so sind diese deshalb keineswegs legitim. Mit humanen Grundsätzen ist dieses Wegschauen erst recht nicht zu vereinbaren.

Alle Verbraucher und Hersteller in hoch entwickelten Industrieländern sollten deshalb ein Interesse daran haben, dass alle Waren, die wir kaufen, auch unter vertretbaren Bedingungen produziert wurden. Nicht nur Kinderarbeit sollte tabu sein, sondern eben auch die fahrlässige Zerstörung der Umwelt.

Die Modekonzerne stehen dabei als Erste in der Pflicht, die unhaltbaren Zustände zu verändern. Sie haben durch ihre Auftragsvergabe die größte Macht, Missstände nachhaltig zu ändern. Markenartikler sollten deshalb gezielt mit jenen Zulieferern zusammenarbeiten, die bestimmte Mindeststandards einhalten. Mit dem deutschen Öko-Know-how im Gepäck könnten aber auch gemeinsam ganz neue Standards in den Ländern eingeführt werden.

Dass sich die Zustände nicht über Nacht ändern, ist absehbar, wichtig wäre aber eine langfristige Neuorientierung. Einige Hersteller gehen mit gutem Beispiel voran und wollen bis 2020 auf chemische Giftstoffe in der Textilherstellung verzichten. Dieser Initiative sollten sich alle Produzenten anschließen. Dabei würden sie einen wichtigen Beitrag zur Modernisierung der Länder leisten - und für bessere Lebensverhältnisse.

Ein solches Engagement dürfte auch die Kundenbindung stärken und vielleicht sogar die Umsätze steigern. Schließlich mag niemand Jeans tragen, die Giftstoffe enthalten oder unter großen Umweltsünden entstanden sind. Für ein gutes Gewissen sind sicherlich viele bereit auch ein paar Euro mehr zu bezahlen - und damit hätten am Ende alle gewonnen.

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