21.11.12

Wohnungsnot

Fußboden an Studenten zu vermieten: Mieterverein empört

Frau aus Eimsbüttel bietet ihren Fußboden als Schlafplatz für 25 Euro pro Nacht an. Mieterverein: "Geschmacklos und rechtswidrig".

Von Sandra Schröpfer
Foto: dpa/chromorange
Altbauwohnung
In einer Altbauwohnung wie dieser vermietet eine Frau aus Eimsbüttel ihren Fußboden als Schlafgelegenheit

Hamburg. Sonja B. aus Barmbek-Süd traute ihren Augen nicht, als sie auf der Suche nach einer Wohnung zur Zwischenmiete bei einem Internetportal auf eine Kleinanzeige stieß. Unter dem Stichwort "Altbaufußboden statt Turnhalle" vermietet darin eine Anbieterin aus Eimsbüttel nächteweise den Boden ihres Wohnzimmers als Schlafgelegenheit an Studenten - für 25 Euro pro Nacht. So heißt es in der Anzeige: "Ein Zimmer zur Vermietung habe ich nicht. Aber ein Wohnzimmer, das mit einer selbst mitgebrachten Isomatte und Schlafsack als Turnhallenersatz für einzelne Nächte in Hamburg genutzt werden könnte." Der Mieterverein zu Hamburg sieht darin einen "dreisten Versuch, aus der Wohnungsnot in Hamburg Profit zu schlagen".

Siegmund Chychla, stellvertretender Vorsitzender und Leiter der Rechtsabteilung des Mietervereins zu Hamburg, bezeichnet den Fall als "geschmacklos". "Das ist ein klassisches Beispiel dafür, wie mit der Not anderer Geld gemacht wird." Sekretärin Sonja B. war ebenfalls empört. Die 38-Jährige gab sich als Interessentin aus, für ein Wochenende auf dem "Altbaufußboden" der Eimsbüttlerin übernachten zu wollen, und fragte nach dem Preis. "Pro Nacht und Person wären das 25 Euro", erwiderte die Anbieterin per Mail, die abendblatt.de vorliegt. "Aber das Zimmer ist schon mehr als belegt, so wie auch an den nächsten Wochenenden", heißt es darin weiter. Für Sonja B. ein Schock: "Da habe ich langsam den Glauben an die Menschlichkeit verloren", sagt die Barmbekerin.

Mietrechtsexperte Chychla sieht hinter dem Vorgehen der Anbieterin sogar eine rechtswidrige Handlung. "Hier wird Wohnraum gewerblich genutzt, das ist vom Vermieter genehmigen zu lassen." Chychla glaubt nicht daran, dass die Anbieterin vor dem Schalten ihrer Anzeige eine Genehmigung eingeholt hat. "Welcher Vermieter würde das schon genehmigen?", sagt der Jurist. Für die Mieterin könne das Konsequenzen haben. "Ihr droht eine Abmahnung und damit riskiert sie die Kündigung", bewertet Chychla den Fall.

Die Anbieterin der Kleinanzeige wollte sich auf Anfrage von abendblatt.de nicht zu ihrem Übernachtungsangebot äußern. Für Sonja B. steht fest: "Ich hoffe nur, dass diese Idee keine Nachahmer findet, sondern einmal mehr den Irrsinn bei der Suche nach bezahlbarem Wohnraum in Hamburg aufzeigt."

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