13.11.12

Kostensteigerung

Hamburg Energie erhöht Strompreise um 11,9 Prozent

Der städtische Versorger gibt gestiegene Kosten durch staatliche Umlagen zur Förderung von Öko-Strom an seine Kunden weiter.

Von Daniela Stürmlinger
Foto: Bertold Fabricius/Pressebild.de
Dr. Michael Beckereit
Michael Beckereit, Chef von Hamburg Energie, erhöht den Strompreis um 11,9 Prozent

Hamburg. Bislang war der städtische Versorger Hamburg Energie für seine günstigen Strompreise bekannt. Doch das ändert sich jetzt. Heute informiert das mit 88.000 Kunden zweitgrößte Stromunternehmen in der Stadt seine Kunden per Brief über die neuen Konditionen. So steigt der Arbeitspreis für den Tarif "Tor zur Welt" zum 1. Januar von 21,9 auf 24,8 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Das sogenannte Premium-Angebot "Horizont" wird von 24,5 auf 26,6 Cent pro kWh verteuert. Der Grundpreis bleibt bei beiden Tarifen mit 6,19 Euro pro Monat gleich.

Für einen "Tor zur Welt"-Haushalt mit 3000 Kilowattstunden Jahresverbrauch bedeutet das eine spezifische Erhöhung - aus Arbeits- und Grundpreis - von 2,9 Cent pro Kilowattstunde oder 11,9 Prozent. Laut Bassam Darwisch, Vertriebschef von Hamburg Energie, ergeben sich für den Durchschnittskunden daraus jährliche Mehrkosten von 87 Euro. Schon zum 1. April dieses Jahres hat das städtische Unternehmen seinen Tarif "Tor zur Welt" für Neukunden von 20,9 auf 21,9 Cent pro kWh erhöht. Altkunden zahlen bislang noch 20,9 Cent pro kWh. Mit der jetzigen Anhebung müssen künftig sie sogar 3,9 Cent pro kWh mehr an den Hamburger Lieferanten überweisen.

Auch der Hamburger Versorger LichtBlick will seine Preise zum Jahreswechsel anheben. Eine Sprecherin konnte gestern allerdings noch keine konkreten Zahlen nennen. Mitbewerber E.on Hanse wollte sich auch noch nicht exakt äußern. "Wir beobachten den Markt", sagte eine E.on-Sprecherin. Beim Hamburger Marktführer Vattenfall hieß es, man sei noch beim Rechnen. Dagegen hat der Karlsruher Energiekonzern EnBW bereits gestern veröffentlicht, dass seine Tarife am 1. Februar 2013 erneut um etwa 2,5 Cent für die Kilowattstunde steigen werden. Damit gibt EnBW wie vermutlich alle deutschen Versorger die zum Januar steigenden gesetzlichen Umlagen und Netzentgelte an die Kunden weiter. Diese Preissteigerung bedeutet nach Berechnungen der EnBW für eine Kleinfamilie mit einem Jahresverbrauch von 2900 Kilowattstunden eine Mehrbelastung von rund sieben Euro im Monat oder 84 Euro im Jahr.

Die Gründe für den Preisanstieg liegen vor allem an staatlich verordneten Verteuerungen. So steigt die Umlage aus dem Gesetz zur Finanzierung der Erneuerbaren Energien (EEG) im kommenden Jahr um 46,91 Prozent von 3,59 auf 5,277 Cent. Preistreibend wirkt sich auch aus, dass die Netzentgelte, also die Tarife, die die Stromversorger an die Betreiber der Stromleitungen bezahlen muss, in Hamburg um 4,2 Prozent auf 6,189 Cent gestiegen sind. Damit bezahlt jeder Haushaltskunde knapp ein Drittel seines gesamten Strompreises an die Netzbetreiber. Um satte 6200 Prozent ist die Umlage zur Förderung der umweltschonenden Blockheizkraftwerke gestiegen. Allerdings kostet diese Subvention den Verbraucher nicht einmal einen Cent und ist damit - noch - vernachlässigbar.

Mit 0,33 Cent schlägt zudem die Stromumlage für die energieintensive Industrie zu Buche. Da Firmen wie Trimet Aluminium auf Finkenwerder, das Hamburger Stahlwerk oder die Kupferhütte Aurubis wegen der durch Abgaben künstlich erhöhten Strompreise auf dem Weltmarkt mit ihren Kosten nicht mehr wettbewerbsfähig sein können, werden sie von Belastungen etwa aus dem EEG oder auch den Netzentgelten befreit. Neu ist zudem die Offshore-Umlage zur Finanzierung der Netzanbindung der derzeit und künftig im Bau befindlichen Windkraftanlagen auf hoher See (siehe Grafik).

Ein Ende der Preisspirale beim Strom ist nicht in Sicht. Denn Deutschland hat sich anspruchsvolle Ziele gesetzt. Bis zum Jahr 2050 sollen 80 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Diese Ziele lassen sich aber nur erreichen, wenn der Ausbau der erneuerbaren Energien konsequent fortgesetzt wird. Und das kostet Geld. Investitionen bis zu 550 Milliarden Euro sind bis zur Mitte des Jahrhunderts für die Energiewende erforderlich, haben Szenarien ergeben, die für das Energiekonzept der Bundesregierung berechnet wurden.

Diesen Kraftakt müssen auch die Verbraucher mittragen. Seit dem Jahr 2000 subventionieren die deutschen Stromkunden bereits die neuen, regenerativen Energieanlagen über das EEG-Gesetz. 2013 wird die Umlage auf 5,28 Cent steigen und sich damit fast verdoppeln. In den Jahren danach wird es weitere Anhebungen geben, da immer mehr neue Wind-, Solar- oder Biomassekraftwerke gebaut - und von den Stromkunden - subventioniert werden müssen. Zudem müssen auch die Netze an Land ausgebaut werden, damit zum Beispiel Strom aus dem windreichen Norden nach Süddeutschland transportiert werden kann.

"Die Energiewende ist wichtig für das Klima, unsere Umwelt und für eine sichere Energieversorgung in der Zukunft", sagt Hamburg-Energie-Chef Michael Beckereit.

Hintergrund: Windenergie in Deutschland

In Deutschland drehen sich bisher rund 22 660 Windräder – die meisten davon in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Brandenburg.

Die installierte Gesamtleistung liegt bereits bei 30.000 Megawatt, das entspricht der Leistung von mehr als 20 Atomkraftwerken, aber Windstrom ist nicht ständig verfügbar.

Wind steuerte im ersten Halbjahr bereits rund neun Prozent des deutschen Stroms bei.

In Nord- und Ostsee sollen bis zum Jahr 2020 Windparks mit einer Leistung von 10.000 Megawatt entstehen, aber die Pläne hinken mangels Anschlüssen dem Zeitplan stark hinterher. Bisher sind hier erst rund 200 Megawatt an Leistung installiert.

Trotzdem warnt Umweltminister Peter Altmaier (CDU) vor einem zu schnellen und starken Ausbau gerade an Land, da heute schon Netze fehlen und Windparks zwangsweise abgeschaltet werden müssen. Auch nicht produzierter Strom muss über den Strompreis vergütet werden.

Nach Angaben von Altmaier liegen die Länderplanungen 60 Prozent über dem Bedarf. Beim Wind gibt es an Land und auf See bis zum Jahr 2022 Vorhaben für 87 400 Megawatt, die Regierung plant aber nur mit 52 000 bis 55 000 Megawatt – sie hofft mittelfristig auf Speicher für überschüssigen Windstrom, damit die Ausbaukosten nicht aus dem Ruder laufen.

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