10.11.12

Nach Kritik

Leiharbeiter der Stadtreinigung verlieren ihren Job

Wert GmbH muss auf Druck des Senats umstrukturieren. Zeitarbeitsfirma kündigte sieben Mitarbeitern. Ver.di befürchtet weitere Entlassungen.

Von Volker ter Haseborg
Foto: dapd
Duales System und der gruene Punkt:
Die Stadtreinigungs-Tochter Wert GmbH, die Wertstoffe einsammelt, will und soll Leiharbeit "auf ein unverzichtbares Minimum" reduzieren

Hamburg. Über Jahre hinweg hat die Hamburger Stadtreinigung durch Leiharbeit Geld gespart. Das städtische Unternehmen hat sich sowohl Arbeitskräfte von eigenen Billig-Töchtern ausgeliehen, als auch Kräfte von Leiharbeitsfirmen engagiert. Jetzt will die Stadtreinigungs-Tochter Wert GmbH, die Wertstoffe einsammelt und für die blaue Papiertonne zuständig ist, Leiharbeit "auf ein unverzichtbares Minimum" reduzieren. Erste Konsequenz: Die Leiharbeitsfirma Pluss hat sieben Mitarbeitern die Kündigung geschickt. Die Gewerkschaft Ver.di befürchtet weitere Entlassungen. Werden die Entlassenen nicht von der Stadtreinigung übernommen, werden sie zu Opfern einer Politik, die Ausbeutung von Arbeitskräften eindämmen will.

Die Stadtreinigung reagiert auf Druck von Bürgermeister Olaf Scholz (SPD). Der hatte Stadtreinigungs-Chef Rüdiger Siechau aufgefordert, die interne Arbeitnehmerverleihung zu beenden. Zuvor hatte das Abendblatt das System der Leiharbeit bei der Stadtreinigung öffentlich gemacht.

Das Unternehmen hatte sich in der Vergangenheit Mitarbeiter aus den Tochterfirmen Stadtteilreinigungsgesellschaft und Wert GmbH ausgeliehen. Während die Mutterfirma ihre Beschäftigten nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes bezahlt, erhielten die Mitarbeiter in den Tochterfirmen deutlich niedrigere Löhne für die gleiche Arbeit - es gab Unterschiede von fast 500 Euro im Monat. Inzwischen hat die Stadtreinigung angekündigt, die interne Verleihe zu beenden.

Die Wert GmbH hat rund 160 fest angestellte eigene Mitarbeiter. Bis zu 50 Leiharbeiter wurden in der Vergangenheit zusätzlich eingesetzt, zurzeit sind es um die 30. Sie bekamen von ihrer Zeitarbeitsfirma jahrelang den Mindestlohn in der Entsorgerbranche, der derzeit 8,33 Euro brutto pro Stunde beträgt. Zum Vergleich: Ein Auflader der Wert GmbH bekommt laut Haustarifvertrag im Schnitt einen Stundenlohn von rund 9,70 Euro. Es war jahrelang ein gutes Geschäft - für die Leiharbeitsfirma und für die Wert GmbH.

Auf Druck aus dem Senat verpflichtete sich die Wert GmbH im Oktober, Arbeitskräften von Leiharbeitsfirmen das gleiche Gehalt zu zahlen wie eigenen Beschäftigten. Die Leiharbeiter werden teurer - für die Leiharbeitsfirma und die Wert GmbH. Das wirkt sich jetzt auf die Leiharbeiter aus.

In Zukunft sollen nur so viele Zeitarbeiter beschäftigt werden, dass ungeplante Ausfälle fest angestellter Mitarbeiter ausgeglichen werden können, teilte die Stadtreinigung dem Abendblatt mit. Hinzu kommt, dass die Stadtreinigung mit ihrem Schritt auf eine vom Senat geplante Leiharbeitsrichtlinie für städtische Unternehmen vorbereitet. Die Richtlinie soll Zeitarbeit begrenzen. Eine ähnliche Richtlinie gibt es seit April bereits für Ämter und Behörden. Darin steht, dass Leiharbeiter "ausschließlich als Überbrückung eingesetzt werden" sollen und ihr Einsatz "grundsätzlich einen Monat nicht überschreiben soll".

Bei der Stadtreinigung gibt es Leiharbeiter, die schon fast seit zehn Jahren in der Firma sind. Die meisten der sieben gekündigten Leiharbeiter sollen langjährige Mitarbeiter der Wert GmbH sein - die laut Tarif wegen ihren Berufsjahren mehr verdienen als Kollegen, die noch nicht so lange da sind.

Anja Keuchel von der Gewerkschaft Ver.di kündigte an, die sieben Gekündigten bei ihren Klagen zu unterstützen. "Die Kündigungen sind der Versuch, altgediente Mitarbeiter loszuwerden." Keuchel befürchtet, dass weitere Leiharbeiter ihren Job verlieren werden - und forderte die Stadtreinigung auf, sie zu übernehmen. "Es kann nicht sein, dass das gute Thema Equal Pay auf diese Weise missbraucht wird."

Der Geschäftsführer der Zeitarbeitsfirma Pluss, Wolfgang Ungerathen, teilt mit, dass seine Firma den sieben Mitarbeitern "vorsorglich" die Kündigung geschickt habe. Vorsorglich deshalb, weil sie unbedingt bei der Wert GmbH bleiben wollten und nicht in anderen Betrieben eingesetzt werden möchten wie andere Leiharbeiter, die demnächst nicht mehr bei der Wert GmbH arbeiten können. Ungerathen erwartet, dass die sieben Gekündigten von der Stadtreinigung übernommen werden. Weitere Kündigungen seien nicht geplant.

Andree Möller, Sprecher der Stadtreinigung, teilt mit, dass ein Teil der 30 Leiharbeiter "in Kürze" bei der Wert GmbH eingestellt werden soll. "Wie viele dies sein werden, wird geprüft."

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