Abendblatt-Tipp

Poletto Winebar: Weinselig in Eppendorf

Foto: Bertold Fabricius / Bertold Fabricius/Pressebild.de

Feinschmecker und Feingeister gehören in der schicken "Poletto Winebar" zum festen Interieur.

Der Laden ist gemütlich, laut und voll. Es ist ein normaler Wochentag, und es scheint so, als hätten die schicken Bewohner Eppendorfs zwischen 35 und 70 Jahren in der "Poletto Winebar" einen beliebten Treffpunkt in ihrem Stadtteil ausgemacht. Für einen schönen Abend zu zweit oder zu viert mit Wein und Pasta, Wein und Fisch, Wein und Käse. Gutes Bier – "Lübzer" – gibt es auch.

Vor zwei Jahren hat Remigio Poletto, 49, zusammen mit Luigi Francia, der zuvor sieben Jahre im "Goldfisch" tätig war, die Winebar am Eppendorfer Weg eröffnet. Remigio erzählt, dass er sich nach der Trennung von seiner Frau Cornelia "ein bisschen verloren" gefühlt habe. Und aus dieser Gefühlslage ist dann, wenn man so will, die Idee für sein neues Restaurant entstanden. "Eine Mischung aus Bar und Bistro", sagt Remigio. Die Einrichtung mit viel dunklem Holz, indirekter Beleuchtung, Designer-Lampen, einem langen Tresen und großen Schwarz-Weiß- Fotografien mit Motiven aus der Kinogeschichte ist edel und warm. In hängenden Glasvitrinen drängeln sich Schinken und Wurstspezialitäten, Rotwein- und Champagnerflaschen.

Der frühere Geschäftsführer des "Rive" und des "Poletto" spricht von einem etwas "frivolen Konzept", und gemeint ist wohl, dass man sich hier in lockerer Atmosphäre abends auf ein Glas guten Chianti oder auch ein Bier an der Bar treffen kann. "Wir beschweren uns nicht, wenn jemand den ganzen Abend zwei Weißweinschorlen trinkt und dazu eine kleine Pizza isst", sagt Remigio. Warum auch? Aber natürlich kann man hier auch viel weiter ausholen. Auf der Speise- karte tummeln sich mittlerweile wesentlich mehr Angebote als die anfänglichen "drei bis vier Gerichte, als wir die Winebar eröffnet haben". Man kann ein wechselndes Drei-Gänge-Menü für 26,50 Euro wählen – mit begleitenden Weinen kostet es 42,50 Euro. Oder man spaziert ein bisschen durch die Karte.

Wir beginnen mit dem Carpaccio di Manzo (Rind) mit Feldsalat, Trüffel und Parmesan (13,50 Euro) als gelungene Vorspeise. Zu empfehlen ist auch das leckere Casareccia aus Gragnano, das sind Nudeln aus der Provinz Neapel mit Entenragout (14 Euro).

Der kulinarische Höhepunkt ist das Ossobuco di Scottona. Die wunderbar zarten, rosaroten Kalbshaxenscheiben von der Färse auf Safranrisotto (22,50 Euro) sind ein Genuss. Da passt als würdiger Abschluss eines selbst gewählten Menüs das Cassisparfait mit Zimtwaffel und eingelegten Feigen (8 Euro).

Wesentlich unübersichtlicher wird es bei der Frage, welchen Wein man zum Essen nehmen sollte. Italien ist der größte Weinerzeuger der Welt, die Vielfalt nicht zu übertreffen. Wir haben in der Tat die Wahl zwischen rund 300 Weinen, den Schwerpunkt bildet das Heimatland von Remigio und Luigi. Die beiden haben rund 30 offene Weine im Angebot. Remigio empfiehlt uns aber einen trockenen deutschen Riesling "Gut Hermannsberg 2010" (23 Euro). Gut gekühlt, fruchtig und so süffig, dass man sich am Ende des Abends beglückwünschen kann, ohne Auto gekommen zu sein. Einen Parkplatz hätte man eh nicht gefunden.

Poletto Winebar , Eppendorfer Weg 287, Tel. 38 64 47 00, Mo–Sa 12–24, So 11.30–23 Uhr, www.poletto-winebar.de

Kurz-Biografie

Remigio Poletto, 49 (l.), arbeitete im "Anna e Sebastiano", wo er auch seine Frau Cornelia kennenlernte, war "Rive"-Geschäftsführer und machte zusammen mit seiner Frau das "Poletto" in der Eppendorfer Landstraße zum Feinschmecker-Treff. Nach der Trennung eröffnete der gebürtige Italiener und Weinexperte vor zwei Jahren mit Luigi Francia (M.) die Winebar. In der Küche wirkt und wirbelt Stephan Schranz, 42 (r.), der schon im "Zippelhaus" und "Goldfisch" Gäste beglückte.

GEBRATENES DORADENFILET

Rezept von Stephan Schranz

Für 4 Personen:

2 Doraden Royal à 1 kg, filetiert (Händler bitten)

400 g kleine Calamari

je 1 Fenchel u. Aubergine

je 1 grüne u. gelbe Zucchini

200 g Kartoffeln La Ratte

1 kl. Bund Blattpetersilie

ca. 50 ml Olivenöl

Rosmarin u. Thymian

frisch 1 Knoblauchzehe

Saft von 1 Zitrone

0,1 l Weißwein

1 Fenchel, Zucchini, Aubergine in Scheiben schneiden, grillen, würzen und frische Kräuter dazugeben.

2 Die Calamari putzen und fein schneiden. Die Doradenfilets mit Salz und Pfeffer würzen und scharf auf der Hautseite anbraten. Kurz bevor sie fertig sind, noch einmal umdrehen und Aromaten zufügen.

3 Calamari kurz in heißer Pfanne anbraten, Aromaten dazugeben und mit Weißwein und Zitronensaft ablöschen. Würzen und Blattpetersilie hinzufügen.

4 Die La-Ratte-Kartoffeln kochen und pellen und in Olivenöl braten. Anrichten wie auf dem Bild links.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.