Werkzeug

Sägenhersteller Dolmar rutscht in die roten Zahlen

Foto: Ingo Röhrbein

100.000 Geräte werden weniger produziert, der Umsatz geht zurück. Das Unternehmen will jetzt mit Neuheiten Kunden gewinnen.

Hamburg. Einschnitt beim Hamburger Werkzeug- und Sägenhersteller Dolmar: Der Mutterkonzern Makita hat die Fertigung von Elektrosägen an günstigere Produktionsstandorte abgezogen. Damit geht die Produktion im Hamburger Werk um 100.000 Geräte auf 280.000 Geräte zurück. "Für das laufende Geschäftsjahr, das im März endet, gehen wir von einem Umsatzrückgang von knapp 104 auf 92 Millionen Euro aus", sagte Geschäftsführer Rainer Bergfeld im Gespräch mit dem Abendblatt. Einbrüche habe es vor allem im internationalen Geschäft gegeben. In Deutschland, wo mittlerweile ein Drittel des Umsatzes erzielt wird, ging der Erlös nur um 0,2 Prozent zurück. "Nach einem Gewinn von 500.000 Euro 2008/09 werden wir in diesem Jahr leicht rote Zahlen schreiben", so Bergfeld.

Folge der Entwicklung ist ein Abbau der Belegschaft von 447 Beschäftigten Ende März 2009 auf zuletzt noch 394. Allerdings reduzierte sich dabei die Zahl der fest Angestellten nur um vier Mitarbeiter auf 371. "Wir haben Kündigungen in der Stammbelegschaft sowie Kurzarbeit vermieden, dafür befristete Arbeitsverhältnisse abgebaut und setzen keine Zeitarbeiter mehr ein", so der Dolmar-Chef. Er hofft nun, den Stellenabbau stoppen zu können. "Die Aufgabe des Elektrogerätebaus wirkt sich im kommenden Geschäftsjahr nicht mehr aus und die Baukonjunktur im Ausland erholt sich wieder", sagt er. 2010/11 soll der Umsatz erneut die 90-Millionen-Euro- Marke übertreffen.

Der Maschinenbauer konzentriert sich jetzt auf die Entwicklung und Produktion von Benzin-Kettensägen und Trennschleifern für die Bauindustrie, die Forst- und die Gartenwirtschaft. "Dafür wird unsere Entwicklung in diesem Jahr um zwei weitere Ingenieure auf 64 aufgestockt", sagt Bergfeld. Auch Neuheiten sollen 2010 vorgestellt werden. Einzelheiten sind aber noch geheim.

Insgesamt sind die Hamburger, die 1991 von den Japanern übernommen wurden und bis 2005/06 eine weitgehend eigene Strategie fahren konnten, nun stärker in den Konzern eingebunden. Hintergrund dafür ist ein Konzentrationsprozess in der Branche, bei dem im vergangenen Jahr auch der Weltmarktführer Black&Decker an das US-Unternehmen Stanley Works ging. "Für Mittelständler werden die Entwicklungskosten für ein Vollsortiment zu hoch, zumal die Abgas- und Lärmnormen in Europa und Nordamerika den Aufwand zusätzlich erhöhen", sagt Bergfeld.

Als eines von fünf Entwicklungszentren sowie eine von zehn Produktionsstätten gehört Dolmar aber weiter zu den zentralen Standorten von Makita. Allerdings sind die Kosten pro Arbeitsstunde mit 29,23 Euro die zweithöchsten hinter denen am zentralen Standort der Mutter in Japan. Zum Vergleich: In Rumänien oder China liegen Makita-Werke bei gut zwei oder gut einem Euro pro Stunde. Bergfeld ist aber sicher: "Der Konzern hält am Bau von hochwertigen Geräten in Japan und Deutschland fest."

Um bei den Kosten gegenzusteuern, hat Dolmar im April erstmals mit jedem Mitarbeiter eine Zielvereinbarung geschlossen. Die angepeilte Produktivitätssteigerung von fünf Prozent wurde im Lager in diesem Jahr erreicht, in der Produktion gab es ein Plus von 2,6 Prozent. "Jetzt denken wir darüber nach, was künftig möglich ist", so der 55-jährige Wirtschaftsingenieur.