ÖPNV

Diese Bundesländer planen Nachfolger für 9-Euro-Ticket

| Lesedauer: 5 Minuten
Sophie Herrmann
Nach 9-Euro-Ticket: Folgt jetzt das 69-Euro-Klimaticket?

Nach 9-Euro-Ticket: Folgt jetzt das 69-Euro-Klimaticket?

Das 9-Euro-Ticket ist zur Zeit sehr beliebt unter den Bahnfahrer*innen. Doch bald ist damit Schluss. Wird es danach ein weiteres vergünstigtes Bahnangebot geben?

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Das landesweite 9-Euro-Ticket endet bald. Wie geht es jetzt weiter? Diese Pläne haben die einzelnen Bundesländer für den September.

Berlin. 
  • Das 9-Euro-Ticket ist ab Donnerstag Geschichte und weil sich Bund und Länder bislang nicht auf ein weiterführendes Angebot einigen haben können, bleibt das auch erstmal so
  • Einige Bundesländer preschen jedoch nach vorne und wollen ein Nachfolgeangebot präsentieren
  • Welche Bundesländer dafür schon konkrete Pläne haben, lesen Sie hier

Seit dem 1. Juni 2022 können deutschlandweit Busse, Bahnen im Nah- und Regionalverkehr mit dem 9-Euro-Ticket genutzt werden. Die Bundesregierung hatte das 9-Euro-Ticket im Rahmen eines Energie-Entlastungspakets beschlossen. Damit sollen die gestiegenen Energie- und Spritpreise ausgeglichen werden.

Das Sonderangebot gilt regulär bis Ende August. Ab September müssen die Bürgerinnen und Bürger wieder zu normalen Preisen die Deutsche Bahn und Co. nutzen. Seitens der Bevölkerung werden Wünsche und Forderungen nach einer Verlängerung des 9-Euro-Tickets oder einem Nachfolgemodell laut. Doch bislang gibt es kein tragfähiges Konzept, um das Ticket zu verlängern.

9-Euro-Ticket: Lindner zeigt sich offen

Allerdings kam nun Bewegung in die Sache. Bundesfinanzminister Christian Lindner sagte am Dienstag, dass er sich offen für eine Unterstützung bei einer Nachfolge-Regelung für das 9-Euro-Ticket zeige. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) habe ihn überzeugt, dass er mit einem Bruchteil der Finanzmittel des 9-Euro-Tickets ein bundesweit nutzbares, digital buchbares Ticket realisieren könne, erklärte Lindner bei Twitter. Jetzt seien die Länder dran, ergänzte er. Wenn die Finanzierungsfrage klar sei, könne der Preis festgelegt werden.

Noch sind viele Details eines möglichen Nachfolgers unklar. Einige Bundesländer planen aber bereits für die Zeit nach dem 9-Euro-Ticket. Wir stellen Ihnen die Pläne für Nachfolger und Verlängerungen der einzelnen Bundesländer vor.

9-Euro-Ticket-Nachfolge: So ist der Plan in Berlin

Berlin will ein Nachfolge-Angebot für das 9-Euro-Ticket. Nach einer Tagung der rot-grün-roten Koalition stehe fest, dass es ab 1. Oktober ein Nachfolgemodell zum 9-Euro-Ticket geben werde. "Wir haben uns auf ein Berliner Entlastungspaket samt Nachtragshaushalt geeinigt. Zentral ist für uns ein bezahlbares und, ganz wichtig, ein dauerhaftes Nachfolgeangebot für das 9-Euro-Ticket“, twitterte die Grünen-Politikerin Bettina Jarasch.

Dieses neue "9-Euro-Ticket“ sei jedoch nur eine "temporäre Anschlussregelung für Berlin im Jahr 2022", erklärte die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey nach einer Koalitionsklausur am vergangenen Freitag.

Das temporäre Anschlussticket sei für die Monate Oktober, November und Dezember geplant. Der Preis des 9-Euro-Ticket-Nachfolgers sowie der Geltungsbereich müssen noch geklärt werden, so Giffey.

NRW hat zwei Nachfolger für 9-Euro-Ticket

Der NRW -Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) macht sich für ein zweistufiges Nachfolgemodell aus der eigenen Partei stark: "Ein Ticket für 29 Euro im Monat für Regionen wie zum Beispiel NRW und ein bundesweit gültiges 49-Euro-Ticket" sagte Krischer der WAZ am Freitag.

9-Euro-Ticket: Das ist der Plan von Sachsen und Thüringen

Sachsen und Thüringen plädieren für das Nachfolgemodell der Grünen: ein regionales 29-Euro-Ticket sowie ein bundesweites 49-Euro-Ticket. "38 Millionen verkaufte Tickets sprechen für sich: Das 9-Euro-Ticket braucht ein Folgeangebot", sagte die sächsische Landeschefin Marie Müser am Freitag.

Die Verkehrsministerin von Thüringen, Susanna Karawanskij (Linke), sprach sich zudem für ein ganzjährliches Nachfolgemodell des 9-Euro-Tickets. Sie schlug ein Klimaticket in Form eines 365-Euro-Tickets vor.

9-Euro-Ticket-Nachfolger in Niedersachsen

hat auch eigene Pläne für ein Nachfolgemodell des 9-Euro-Tickets geäußert. Der niedersächsische Verkehrsminister Bernd Althusmann kann sich ein "erschwingliches, landesweites Jahresticket“ für den Norden vorstellen, sagte er der Deutschen Presseagentur.

Dafür müsse der Bund die Regionalisierungsmittel erhöhen und Land und Kommunen müssen sich beteiligen. Gemeinsam mit Bremen und Hamburg sei dann "ein landesweites 49-Euro-Ticket meines Erachtens möglich“, so Althusmann.

Hessen: Gibt es ein Nachfolger fürs 9-Euro-Ticket?

Hessen hat ein ähnliches Modell wie NRW, Thüringen und Sachsen im Sinn. „Ein 31-Euro-Ticket für Bedürftige und ein 69-Euro-Ticket für anderen“, erklärte der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) in einem Interview mit Hessenschau.

Rund zwei Milliarden Euro würde das kosten. Die Finanzierung müsste der Bund übernehmen, so Al-Wazir. „Aber, solange Christian Lindner sagt, er gibt keinen Euro weder für die Ausweitung des Angebots noch für ein Folgeangebot des Tickets, solange kann es keine Lösung geben.“

Bremen und Bayern halten nicht viel von einem eigenen 9-Euro-Ticket

Der deutsche Norden und Süden scheinen einer eigenen Übergangslösung eher abgeneigt zu sein. Der Nachfolger des 9-Euro-Tickets solle bundesweit einheitlich beschlossen werden. Grund seien mitunter die Probleme der Finanzierung. Diese könne nicht von den Ländern allein gestemmt werden.

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter hält eine Fortsetzung des 9-Euro-Tickets im September für illusorisch. „Wir haben andere Prioritäten in allen 16 Bundesländern“, sagte er in einem Interview mit Merkur und fügte hinzu: "Ein breites Angebot im ÖPNV ist mir wichtiger als ein Billigtarif.“

9-Euro-Ticket: Alle anderen Bundesländern haben keine eigene Pläne

Die restlichen Bundesländer planen auch keinen Nachfolger oder eine Verlängerung des 9-Euro-Tickets. "Für uns ist wichtig, dass der Bund zeitnah einen tragfähigen und nachhaltigen Vorschlag vorlegt und sich zu seiner vollständigen Finanzierung bekennt“, teilte Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschafts- und Verkehrsminister Reinhard Meyer mit.

Ähnliche Reaktionen gab es aus Hamburg, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz, Saarland, Baden-Württemberg und Brandenburg.

Dieser Artikel ist zuerst auf morgenpost.de erschienen.