Drogenkrieg in Mexiko

Ein eiskalter Mörder namens "Barbie"

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Die Polizei fasst den Mafia-Chef und Texaner Edgar Valdez und hofft nun auf ein Abflauen des Drogenkriegs in Mexiko.

Mexiko-Stadt. Mit leicht zugekniffenen Augen schaut der mit einem grünen Poloshirt bekleidete Edgar Valdez Villarreal, 37, an dem Kameramann vorbei, der das Ende einer blutigen Karriere festhält: Auf dem Boden kniend präsentieren die mexikanischen Polizisten den in den USA geborenen Kriminellen, der wegen seiner weißen Hautfarbe nach der Puppe "La Barbie" genannt wird, der Öffentlichkeit. Nach monatelangen Ermittlungen spürten sie den für seine Brutalität bekannten Boss auf, der vom Sohn einer US-Mittelklassefamilie zu einem der meistgesuchten Drogenbarone Mexikos wurde. Sie stellten ihn nahe der mexikanischen Hauptstadt. Bei einem Schusswechsel wurde Valdez im Bein getroffen.

Das Auswärtige Amt in Deutschland warnt vor der Kriminalität in Mexiko

Mehr als 7000 Opfer des blutigen Drogenkriegs zählte die mexikanische Polizei allein in diesem Jahr - Männer, Frauen, ja sogar Kinder waren dabei. Selbst vor Touristenhochburgen wie Cancún machen die Auseinandersetzungen der Kartelle nicht halt. Bei einem Anschlag auf eine Bar in dem mexikanischen Küstenort wurden gestern acht Menschen getötet. Das Auswärtige Amt in Deutschland warnt Reisende vor der hohen Kriminalität. Ob der mexikanischen Polizei ein Durchbruch beim Kampf gegen die Drogenmafia gelungen ist, bleibt nur zu hoffen.

Valdez stammt aus dem US-Bundesstaat Texas, wo er in der Stadt Laredo an der Grenze zu Mexiko geboren wurde und zur Schule ging. Doch anders als seine Kameraden arbeitete der Liebhaber teurer Luxusmarken nicht auf seinen Schulabschluss hin - er brach die High School ab, um Drogendealer zu werden. Vor rund zehn Jahren entschied sich der englisch und spanisch sprechende "La Barbie" dann, auf der Suche nach dem ganz großen Geld in das blutige Drogengeschäft auf der anderen Seite der Grenze einzusteigen.

Der Schmuggel besonders von Kokain aus Süd- und Mittelamerika über Mexiko in die USA ist ein Milliardengeschäft - dem Jahr für Jahr Hunderte Menschen zum Opfer fallen. In Mexiko kämpfen die bis an die Zähne bewaffneten Drogenkartelle nicht nur gegen die Staatsgewalt, sie bekriegen sich auch untereinander, und die Drogenbosse räumen Rivalen aus den eigenen Reihen durch Morde aus dem Weg. Valdez machte sich durch sein kaltblütiges Vorgehen schnell einen Namen unter den mexikanischen Drogenbanden. Er arbeitete zunächst als Killer für verschiedene Kartelle, wurde später Boss einer Killertruppe und war für Drogentransporte in die USA zuständig. Ein US-Gericht in Atlanta klagte ihn vor wenigen Monaten an, in den Jahren 2004 bis 2006 in Lastwagen versteckt tonnenweise Kokain in die USA geschmuggelt zu haben. Die Regierung von Mexiko setzte zwei Millionen Dollar Belohnung für die Ergreifung des Gangsters aus, die US-Regierung legte 2,26 Millionen Dollar drauf.

Valdez lieferte sich mit dem Bruder seines toten Clan-Chefs einen Krieg

Valdez wurde schließlich zum Chef des mächtigen Drogenkartells der Gebrüder Beltrán Leyva . Als Bandenchef Arturo Beltrán im Dezember vom mexikanischen Militär getötet wurde, entbrannte innerhalb der Organisation ein blutiger Krieg um dessen Nachfolge, in dem auch Valdez seine Chance sah. Mit Arturo Beltráns Bruder Héctor lieferte er sich in den vergangenen Monaten eine brutale Auseinandersetzung mit zahlreichen Toten. Dabei wurde Valdez seinem Ruf als grausamer Mörder gerecht: Viele der Opfer wurden gefoltert. Der Journalist und Mafia-Kenner José Reveles: "Jetzt wird die Mordwelle in Mexiko abebben."