Giuseppe M.

Tödliche Hetzjagd: Staatsanwalt fordert viereinhalb Jahre Haft

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Jutta Schütz

Es war der Traum von Giuseppe M., zur Bundeswehr zu gehen. Doch der junge Mann starb auf der Flucht vor einer Prügelattacke. Er rannte in ein Auto.

Berlin. Nach der tödlichen Hetzjagd auf einen jungen Berliner hat die Staatsanwaltschaft viereinhalb Jahre Gefängnis für den Hauptangeklagten gefordert. Der 21-Jährige sei verantwortlich für den Tod von Giuseppe M., sagte Staatsanwalt Dieter Horstmann in seinem Plädoyer vor dem Berliner Landgericht am Donnerstag. Er habe sein Opfer vor knapp einem halben Jahr nach einer Schlägerei im U-Bahnhof auf den Kaiserdamm vor ein Auto gejagt. Für einen 22 Jahre alten Komplizen, der nicht an der Verfolgung beteiligt war, wurde wegen Körperverletzung eine Bewährungsstrafe von einem Jahr gefordert.

Das 23-Jährige Opfer war im September 2011 auf der Flucht vor der Schlägerei im U-Bahnhof auf die mehrspurige Straße gerannt, wo er von einem Auto erfasst wurde und starb. Der Tod von Giuseppe M. hatte große Betroffenheit und öffentliche Anteilnahme ausgelöst. Auf dem Kaiserdamm legten Menschen noch Wochen später Blumen nieder, dem Trauerzug folgten Hunderte.

Immer wieder kommt es in Berliner U-Bahnhöfen oder an Haltestellen zu Gewaltattacken, bei denen Menschen zufällig zu Opfern werden. Dieser Fall ist der erste, der tödlich endete. Zuletzt bekamen im Dezember vier jugendliche U-Bahn-Schläger mehrjährige Haftstrafen wegen versuchten Mordes.

Die Mutter des Opfers erinnerte als Nebenklägern in bewegenden Worten an ihren Sohn, der sich immer um die Familie gekümmert habe und sich schützend vor Kinder stellte, die gemobbt wurden. Er habe nach der Realschule im Restaurant seiner Eltern als Koch gearbeitet und sei zur Berufsschule gegangen. „Man konnte sich auf Giuseppe verlassen.“

Laut Staatsanwaltschaft werden dem Hauptangeklagten gefährliche Körperverletzung sowie Körperverletzung mit Todesfolge zur Last belegt. „Es war eine Tat ohne jeden nachvollziehbaren Anlass.“

Die Anklage sieht es als erwiesen an, dass der 21-Jährige mit seinem Bekannten nach zwei Flaschen Wodka im U-Bahnhof Kaiserdamm nachts Giuseppe M. und dessen Freund aggressiv nach Zigaretten fragte. Die voll schuldfähigen Angeklagten hätten eine Schlägerei mit den Unbekannten angezettelt. Dass Giuseppe M. und sein Freund zurückschlugen, war laut Staatsanwalt als Notwehr gerechtfertigt.

Während der Komplize verletzt im Bahnhof blieb, sei der 21-Jährige Giuseppe M. und seinem Bekannten gefolgt, die flüchten wollten. Der 21-Jährige „wollte die beiden nicht so davonkommen lassen“ und habe „den dicken Mann markiert“, sagte der Ankläger. Dass er von dem tödlichen Unfall nichts mitbekam, nahm ihm der Staatsanwalt nicht ab.

Die Prügelei und Pöbelei hatten die Angeklagten eingeräumt und bedauert. Sie hatten sich selbst bei der Polizei gestellt. Als strafmildernd wertete der Staatsanwalt auch, dass der 21-Jährige in der U-Haft selbst Opfer eines Gewaltangriffs wurde. Horstmann sagte zudem: „Es war keine geschickte Reaktion des Opfers, auf die Straße zu rennen.“ Eine Straftat, die das Sicherheitsgefühl im öffentlichen Nahverkehr stört, müsse aber deutlich geahndet werden.

Ein älterer Bruder des Opfers forderte am Rande von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) mehr Sicherheitsvorkehrungen. „Wenn jetzt nicht reagiert wird, gibt es keine Hoffnung.“ Zugangsschranken könnten das Herumlungern auf Bahnhöfen verhindern. Die Hauptverantwortung liege bei der BVG.

Beide Angeklagten sind den Ermittlern bereits wegen Raubdelikten und Körperverletzung bekannt. Die Plädoyers der Verteidigung werden am Montag erwartet. Am 15. März soll das Urteil gesprochen werden.