Verschleppte Bankiersfrau

Polizei entdeckt offenbar Blut im Auto der Entführten

Foto: dpa

Das Blut auf dem Beifahrersitz des Mercedes stammt laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung eindeutig von der entführten Maria Bögerl.

Heidenheim/München. Im Auto der entführten Bankiersfrau Maria Bögerl hat die Polizei nach „Bild“-Informationen eine Blutspur entdeckt. Das Blut auf dem Beifahrersitz stamme eindeutig von dem 54-jährigen Opfer, berichtete „Bild“ und berief sich auf die Erkenntnisse der Kriminaltechniker. Ein Polizeisprecher wollte den Bericht auf DAPD-Anfrage nicht kommentieren, kündigte aber eine Pressemitteilung für Freitag an.

Die Mercedes A-Klasse von Maria Bögerl hatten Passanten am 14. Mai auf dem Parkplatz des Klosters Neresheim entdeckt. Wann genau das Auto dort abgestellt wurde, ist weiter unklar. Das Kloster ist rund 20 Kilometer von Heidenheim entfernt.

Nach Ansicht eines Kriminalpsychologen haben die Entführer wahrscheinlich keinen Plan B. Die Tat sei einfach „schlicht geplant“ worden, sagte Professor Rudolf Egg: „Der oder die Täter melden sich vermutlich deshalb nicht mehr, weil sie nach der gescheiterten Übergabe keinen zweiten Plan haben.“Es sei gut möglich, dass sie bei der verabredeten Geldübergabe gestört wurden, sagte der Direktor der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden. „Sie ist der heikelste Punkt bei einer Entführung, weil die Täter hier aus dem Verborgenen heraustreten müssen.“ Die meisten Entführungen würden genau daran scheitern. Die Übergabe an der Autobahn 7 bei Heidenheim, im Müllbeutel unter einer Deutschlandfahne, sei zudem „nicht sehr clever“ geplant gewesen.

Werde das Opfer bei der Suche in den Wäldern rund um die vereinbarte Übergabestelle nicht gefunden, seien neue Anhaltspunkte wichtig. „Einfach nur irgendwo zu suchen, ist nicht zielführend.“ Egg hält es für sehr wahrscheinlich, dass jemand hinter dem Verbrechen stehe, der die Verhältnisse der Heidenheimer Familie kennt oder den etwas mit der Sparkasse verbindet. Das müsse aber nicht bedeuten, dass er der Familie von Maria Bögerl bekannt sei. „Der Kreis der möglichen Täter ist sehr groß.“

Im Fall der entführten Maria Bögerl waren nach der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ bei der Heidenheimer Polizei 91 Hinweise eingegangen. Es gebe aber keine neuen Erkenntnisse, wo sich die 54-jährige Frau befinde, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Noch am Abend der Fernsehsendung überprüfte die Polizei sieben eingegangene Hinweise. Doch auch diese Ermittlungen blieben erfolglos.

Mit einem verzweifelten Appell hatte sich die Familie der entführten Bankiersfrau Maria B. in der Fernsehsendung an die Täter gewandt. „Wir flehen sie an, die für uns alle so qualvolle Situation positiv zu beenden“, sagte der Sohn. Seine Schwester ergänzte weinend: „Bitte geben Sie uns ein Zeichen, wo unsere Mutter ist.“

Die Bankiersfrau war am Mittwoch vergangener Woche aus dem Haus der Familie entführt worden. Die meisten Zeugen, die sich nach der TV-Sendung meldeten, hatten das im Kloster Neresheim gefundene Auto oder die Deutschlandflagge am Ort der gescheiterten Geldübergabe an der Autobahn 7 gesehen.

Insgesamt gibt es mittlerweile mehr als 1100 Hinweise aus der Bevölkerung zu dem Fall. Die Polizei setzte am Donnerstag ihre Suche in den Wäldern der Region fort. Die engmaschige „Flächensuche“ werde aber vermutlich demnächst eingestellt, sagte ein Polizeisprecher.