Zweite Bundesliga

St. Pauli lässt sich von Aue düpieren - erneuter Becherwurf

Aue spielte durchweg besser als der FC St. Pauli, der nur über ein paar Konter für Gefahr sorgte. Ebbers traf bei der 2:3-Niederlage zur Führung.

Hamburg. Ein erneuter Becherwurf auf den Schiedsrichter könnte den Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli teuer zu stehen kommen. Wie der Unparteiische Christian Leicher aus Landshut dem Spartensender Sport1 erklärte, werde er den Vorgang, zu dem es vermutlich keine Bilder gibt, im Spielberichtsbogen vermerken. Ein Zuschauer hatte nach der 2:3-Niederlage am Freitagabend gegen Erzgebirge Aue den Schiri mit einem Becher am Kopf getroffen. Mithilfe anderer Fans wurde der Täter angeblich sofort identifiziert und von Sicherheitskräften abgeführt.

Am 1. April war Schiedsrichter-Assistent Thorsten Schiffner in der Bundesliga-Partie zwischen dem St. Pauli und Schalke 04 von einem vollen Bierbecher am Kopf getroffen worden und daraufhin zusammengebrochen. Referee Deniz Aytekin pfiff die Begegnung damals vorzeitig ab. Die Schalker führten zu diesem Zeitpunkt 2:0. St. Pauli musste daraufhin sein erstes Heimspiel nach dem Abstieg in die 2. Bundesliga in einem fremden Stadion außerhalb der Hansestadt austragen.

Niederlage gegen Aue

Viel Krampf, wenig Klasse. Der FC St. Pauli hat im Kampf um den Wiederaufstieg in der 2. Fußball-Bundesliga einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Mit der schwächsten Saisonleistung kassierten die Kiezkicker gegen Erzgebirge Aue eine 2:3 (1:0)-Niederlage. Nach schmeichelhafter Führung durch Marius Ebbers (20.) drehten die Auer Ronny König (60.) , Tobias Kempke (69.) und Mike Könnecke (84.) die Partie, ehe Mahir Saglik noch einmal kurz für Spannung sorgte.

DIE AKTUELLE TABELLE

Trainer André Schubert vertraute seiner Siegerelf vom Spiel in Karlsruhe (2:0) , musste während der Partie aber gleich mehrfach umstellen. Linksverteidiger Sebastian Schachten bot nach erkältungsbedingter Trainingspause eine schwache Leistung und wurde zur Pause durch Ralph Gunesch ersetzt. Schock nach dem Seitenwechsel: Bei einer Rettungstat prallte Innenverteidiger Lasse Sobiech deutlich hörbar an den Pfosten und verletzte sich am rechten Sprunggelenk. Ihn ersetzte Patrick Funk.

Die erste Hälfte bestimmten am mit 24.487 Zuschauern ausverkauften Millerntor die Gäste aus Aue, ohne aber vor dem Tor für Gefahr zu sorgen. St. Pauli gewährte dem Gegner ungewohnt große Räume und verteilte mit vielen Fehlpässen Einladungen. Gefahr strahlten die Hamburger lediglich über Konter und Standardsituationen aus. Symptomatisch dafür musste eine Ecke nach vorausgegangenem Konter zur Führung in der 20. Minute herhalten. Lasse Sobiech und Fabian Boll hatten per Kopf in Teamarbeit auf Marius Ebbers verlängert, der aus 13 Metern in bester Torjägermanier ins rechte untere Eck vollstreckte. Für Ebbers, der nach seiner Ellenbogen-Verletzung weiter mit einer Carbon-Schiene aufläuft, war es bereits der dritte Treffer im dritten Spiel. Auch nach dem Führungstor gaben die zuvor sieben Spiele sieglosen Gäste das Tempo an. 17:6-Torschüsse pro Aue sprachen eine vermeintlich deutliche Sprache. Sportchef Helmut Schulte analysierte schon zur Pause: „Wir haben ganz viel Luft nach oben, spielen hinten viel zu sorglos.“

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Nach den Umstellungen in der Viererkette fehlte den St. Paulianern nach dem Seitenwechsel aber weiter die Ordnung. Den hochverdienten Ausgleich bescherte Aue jedoch eine Fehlentscheidung des ansonsten guten Schiedsrichters Christian Leicher. Ein Foul am eigenen Strafraum an Florian Bruns hatte der Unparteiische weiterlaufen lassen, ermöglichte so einen Konter, den Torjäger Ronny König (60.) im Strafraum zum 1:1 ins Netz drückte. Nur neun Minuten später nutzte Tobias Kempe eine weitere Unaufmerksamkeit der Gastgeber, enteilte Florian Bruns vor dem Strafraum und überlupfte Torhüter Philipp Tschauner zum 2:1. Einen Konter schloss der eingewechselte Mike Könnecke in der 84. Minute eiskalt zum 3:1 ab. Der erste Saisontreffer des ebenfalls eingewechselten Mahir Saglik in der Nachspielzeit kam zu spät.

St. Pauli verpasste mit der Pleite den vorübergehenden Sprung an die Tabellenspitze, hat dennoch mit 16 Zählern nach neun Spielen genauso viele Punkte wie im Aufstiegsjahr 2009.

***Taktische "Revolution": Flanken nicht erwünscht***

***Die Welle der Begeisterung trägt St. Pauli an die Spitze***

Die anderen Freitagsspiele

Seinen ersten Heimsieg der Saison fuhr zu Beginn des 9. Spieltages der SC Paderborn beim 4:1 (2:0) über den FC Ingolstadt ein, womit die Ostwestfalen nun in Schlagdistanz zum Relegationsplatz rangieren. Eintracht Braunschweig und der FSV Frankfurt trennten sich 1:1 (0:0).

Paderborns Thomas Bertels (20.) und Alban Meha (34.) machten gegen schwache Ingolstädter früh alles klar und schossen die Ostwestfalen in Schlagdistanz zu Platz drei. Markus Krösche (61.) und Nick Proschwitz (89.) trafen ebenfalls, Ingolstadts David Pisot (75.) gelang noch der Anschluss. Nach dem ersten Heimsieg in der Vorwoche erwischte es die Oberbayern einmal mehr auswärts: Das beim 4:2 gegen Dynamo Dresden noch so furios auftretende Team war allenfalls bemüht, kämpferisch und spielerisch aber unterlegen. Bei Mehas Treffer patzte auch Torwart Sascha Kirschstein folgenschwer, als er den haltbaren Flatterball des Albaniers passieren ließ.

Der Überraschungs-Vierte aus Braunschweig hatte gegen defensive Frankfurter kein leichtes Spiel. Zwar verzeichnete die Eintracht ein deutliches Übergewicht an Ballbesitz und Chancen – was aber fehlte, war das Tor. Stattdessen traf der eingewechselte Macauley Chrisantus auf der Gegenseite (77.). Braunschweigs Pierre Merkel (88.) verhinderte immerhin die erste Heimpleite des Zweitliga-Neulings. (dpa)

Die Statistik

St. Pauli: 13 Tschauner - 24 Rothenbach, 16 Thorandt, 3 Sobiech (ab 56. Funk), 20 Schachten (ab 46. Gunesch) - 17 Boll - 25 Schindler, 18 Kruse, 8 Bruns (ab 75. Saglik), 22 Bartels - 9 Ebbers. - Trainer: Schubert

Aue : 1 Männel - 6 Schlitte, 5 Lachheb, 15 Klingbeil, 30 Fabian Müller - 20 Schröder, 22 Hensel - 17 Hochscheidt (ab 86. Höfler), 27 Kempe (ab 86. Le Beau), 25 Kocer (ab 75. Könnecke) - 7 König. - Trainer: Schmitt

Schiedsrichter : Christian Leicher (Landshut)

Zuschauer: 24.487 (ausverkauft)

Tore: 1:0 Ebbers (20.) , 1:1 König (60.) , 1:2 Kempe (69.) , 1:3 Könnecke (84.) , 2:3 Saglik (90.)