Leichtathletik-WM

Sensationelles Silber für Roleder über 100 m Hürden!

Cindy Roleder bei ihrem Silber-Lauf

Cindy Roleder bei ihrem Silber-Lauf

Foto: Christian Charisius / dpa

Die Leipzigerin musste sich in der persönlichen Bestzeit von 12,59 Sekunden nur Danielle Williams aus Jamaika (12,57) geschlagen geben.

Die Entscheidungen am Freitag

Peking. 

100 m Hürden Frauen: Silber für Roleder!

Cindy Roleder aus Leipzig hat bei der Leichtathletik-EM in Peking sensationell Silber über 100 m Hürden gewonnen. Die 26-Jährige musste sich in der persönlichen Bestzeit von 12,59 Sekunden nur Weltmeisterin Danielle Williams aus Jamaika (12,57) geschlagen geben. Bronze holte die Weißrussin Alina Talaj (12,66). Roleder gewann damit die sechste Medaille für das deutsche Team in Peking. Die bisher letzten deutschen Hürden-Medaillen bei einer WM hatten 1987 die DDR-Sprinterinnen Gloria Uibel (Silber) und Cornelia Oschkenat (Bronze) in Rom gewonnen.

20 km Gehen Frauen: Erstes WM-Gold für China

Gastgeber China hat am drittletzten Tag der Leichtathletik-WM in Peking sein erstes Gold geholt und dabei sogar einen Doppelsieg gefeiert. Über 20 km Gehen siegte Weltrekordlerin Liu Hong in 1:27:45 Stunden vor der zeitgleichen Olympiasechsten Lu Xiuzhi. Das Duo war gemeinsam ins Vogelnest eingebogen, Lu attackierte aber nicht mehr und überließ Favoritin Liu artig den Sieg. Bronze ging an die Vize-Europameisterin Ljudmyla Oljanowska (Ukraine/1:28:13). Eine deutsche Athletin war nicht am Start.

Russische Geherinnen waren nicht für Peking nominiert worden, da es im nationalen Trainingszentrum in Saransk offenbar ein massives Dopingproblem gibt. Erfolgstrainer Wiktor Tschegin war suspendiert worden. Mindestens 20 seiner Athleten wurden in den vergangenen Jahren wegen Dopings gesperrt, darunter die Olympiasieger Waleri Bortschin, Sergej Kirdjapkin und Olga Kaniskina. Titelverteidiger Jelena Laschmanowa, die auch 2012 in London Olympia-Gold geholt hatte, sitzt ebenfalls eine Zwei-Jahres-Sperre ab.

Weitsprung Frauen: Gold geht an Bartoletta

U23-Europameisterin Malaika Mihambo hat bei der Leichtathletik-WM in Peking eine Medaille im Weitsprung verpasst. Die 21-Jährige von der LG Kurpfalz sprang beim Gold-Triumph der US-Amerikanerin Tianna Bartoletta mit 6,79 m auf Platz sechs. Bartoletta sicherte sich mit im letzten Versuch erzielten 7,14 m ihren zweiten WM-Titel nach 2005. Die Britin Shara Proctor (7,07) musste sich lange in Führung liegend mit Silber begnügen. Ivana Spanovic (7,01) aus Serbien sicherte sich in einem hochklassigen Finale Bronze.

Mihambo gelang die beste WM-Platzierung einer deutschen Weitspringerin seit dem fünften Platz durch Bianca Kappler 2007 in Osaka. Die Politikstudentin kam im Vogelnest nicht an ihre Weite aus der starken Qualifikation heran, in der sie mit 6,84 m Platz drei belegt hatte. Aber auch Mihambos Saisonbestleistung von 6,94 m hätten im Finale nicht zu Bronze gereicht. Seit dem Titelgewinn durch Heike Drechsler 1993 in Stuttgart hat keine deutsche Weitspringerin eine WM-Medaille geholt. Sosthene Moguenara (Wattenscheid) und die deutsche Meisterin Lena Malkus (Münster) waren ebenso in der Qualifikation gescheitert wie Olympiasiegerin Brittney Reese. Die US-Amerikanerin hatte zuletzt dreimal in Folge den Titel geholt.

200 m Frauen: Schippers holt in Europarekord

Europameisterin Dafne Schippers hat bei der Leichtathletik-WM in Peking mit der viertschnellsten je gelaufenen Zeit die Goldmedaille über 200 m gewonnen und den Europarekord der damaligen DDR-Sprinterinnen Marita Koch und Heike Drechsler (21,71) verbessert. Die Niederländerin setzte sich in 21,63 Sekunden vor Elaine Thompson aus Jamaika (21,66) und der Athen- und Peking-Olympiasiegerin Veronica Campbell-Brown (Jamaika/21,97) durch. Über 100 m hatte Schippers Silber gewonnen. In der Geschichte der 200 m waren lediglich die mittlerweile verstorbene US-Sprinterin Florence Griffith-Joyner (21,34 und 21,56/beide 1988) und die überführte Dopingsünderin Marion Jones (21,62/1998) schneller. Titelverteidigerin und 100-m-Weltmeisterin Shelly-Ann Fraser-Price (Jamaika) hatte nach ihrem Sieg auf der kurzen Distanz auf einen Start über 200 m verzichtet. Olympiasiegerin Allyson Felix (USA) startete nur über 400 m und holte dort Gold. Deutsche Läuferinnen waren nicht am Start.

110 m Hürden Männer: Europameister Schubenkow holt WM-Titel

Europameister Sergej Schubenkow hat bei der Leichtathletik-WM in Peking über 110 m Hürden die erste Goldmedaille für Russland gewonnen. Schubenkow kam in Landesrekord von 12,98 Sekunden vor Hansle Parchment aus Jamaika (13,03) sowie Weltrekordler und Olympiasieger Aries Merritt aus den USA (13,04) ins Ziel. Titelverteidiger David Oliver (USA/13,33) kam nur auf Platz sieben. Es war das erste russische WM-Gold über diese Strecke. Merrit holte damit wenige Tage vor seiner schweren Operation eine Medaille. Der 30-Jährige leidet an einer Niereninsuffizienz und lässt sich am kommenden Dienstag ein Spenderorgan von seiner Schwester transplantieren.

Der deutsche Meister Gregor Traber (Stuttgart) und Matthias Bühler (Offenburg) waren trotz guter Leistungen im Halbfinale ausgeschieden. Alexander John (Leipzig) war nach einem Fehlstart im Vorlauf ausgeschieden.Der gebürtige Kubaner und Jahres-Weltbeste Orlando Ortega (12,94) durfte in Peking nicht laufen. Der 24-Jährige hat kurz vor der WM die spanische Staatsbürgerschaft angenommen und damit noch kein Startrecht.

Der Medaillenspiegel

1. Kenia 6, 3, 2 (Gold, Silber, Bronze)

2. USA 4, 4, 6

3. Jamaika 4, 2, 3

4. Großbritannien 3, 1, 0

5. Polen 2, 1, 3

6. Kuba 2, 1, 0

7. China 1, 4, 1

8. Deutschland 1, 3, 2

Vorkämpfe am Freitag

Zehnkampf: Deutsches Trio kämpft um Bronze, Eaton überragend

Das deutsche Zehnkampf-Trio peilt bei der Leichtathletik-WM in Peking Bronze an. Direkt hinter dem überragenden Ashton Eaton (USA) und dem Kanadier Damian Warner liegen Rico Freimuth, Kai Kazmirek und Michael Schrader in Lauerstellung und schielen auf Edelmetall. Die besten Chancen auf das Podest der Könige der Athleten in China hat zur Halbzeit Freimuth. Der Hallenser zeigt bisher eine fehlerfrei Vorstellung und übernachtet mit 4406 Punkten auf Rang drei. Nur fünf Zähler weniger sammelte Kazmirek, Schrader hat nach einigen Wacklern bereits etwas Rückstand (4355). Für den 28 Jahre alten Vizeweltmeister kann es mit seinem starken zweiten Tag aber noch weiter nach vorne gehen.

Gold und Silber scheinen aber bereits vergeben zu sein. Olympiasieger und Titelverteidiger lässt bisher keine Zweifel aufkommen, dass er erneut ganz oben stehen will. Der 27 Jahre alte Weltrekordhalter führt das Feld souverän an (4703) und glänzte zum Abschluss des ersten Tages mit 45,00 Sekunden über die 400 m - Weltrekord im Mehrkampf. Nie zuvor war ein Zehnkämpfer so schnell die Stadionrunde gerannt. "Ich glaube das nicht. Kann ich die Uhr nochmal sehen? Ich glaube das gar nicht", sagte Eaton nach dem Fabellauf. Hinter ihm liegt der ebenfalls stark auftrumpfende Mitfavorit Warner (4530) auf Silberkurs. Nicht mehr dabei ist Ex-Weltmeister Trey Hardee (USA). Der Jahres-Weltbeste (8725 Punkte) hatte beim Weitsprung mit Rückenproblemen zu kämpfen, erzielte im Kugelstoßen gerade noch 10,20 m und trat zum Hochsprung, der vierten Disziplin, nicht mehr an.

Sturz und Fehlstart: US-Hürden-Asse im Pech - Roleder im Finale

Innerhalb weniger Minuten hat das amerikanische Leichtathletik-Team bei den Weltmeisterschaften in Peking zwei von drei Medaillen-Hoffnungen über 100 Meter Hürden verloren. Erst stürzte die Favoritin Dawn Harper Nelson am Freitag schon nach wenigen Metern des ersten Halbfinallaufs. Dann leistete sich Kendra Harrison nur ein Rennen später einen Fehlstart und wurde disqualifiziert. Wenigstens Brianna Rollins schaffte es noch ins Finale. Die Titelverteidigerin gewann ihr Halbfinale souverän. Die Leipzigerin Cindy Roleder zog als Zweite des zweiten Rennens in den Endlauf an diesem Freitag ein und lief dabei in 12,79 Sekunden persönliche Bestzeit.

Weltmeisterin Obergföll nach Zitterpartie im Speer-Finale

Titelverteidigerin Christina Obergföll (Offenburg) hat bei der Leichtathletik-WM in Peking nach einer Zitterpartie das Finale erreicht. Nach zwei ungültigen Versuchen warf die 34-Jährige im dritten und letzten Versuch 64,10 m und blieb damit 60 Zentimeter über der geforderten Marke für die Medaillenentscheidung der besten Zwölf am Sonntag (12.45 Uhr/ZDF). Obergföll, die ihre erste große Meisterschaft nach ihrer Babypause bestreitet, kam bis auf einen Zentimeter an ihre Saisonbestmarke heran. 2013 in Moskau hatte sie mit 69,05 m WM-Gold geholt. Die Leverkusenerin Katharina Molitor verpasste als Vierte mit 63,23 m die direkte Qualifikation und muss auf das Ergebnis der zweiten Gruppe warten, in der auch Ex-Europameisterin Linda Stahl (ebenfalls Leverkusen) und U23-Europameisterin Christina Hussong (Zweibrücken) antreten.

Nach Crash bei WM: Kameramann entschuldigt sich bei Usain Bolt

Usain Bolt, der Kameramann und kein Ende: Einen Tag nach dem mittlerweile wohl weltberühmten Unfall der beiden hat sich der Mann aus China mit einem kleinen Armband als Geschenk beim Superstar aus Jamaika entschuldigt. Er wartete am Freitag nach der Siegerehrung des 200-Meter-Laufs auf Bolt. Beide schüttelten sich die Hände und tauschten ein paar Freundlichkeiten aus. Was war passiert? Bolt war am Donnerstag nach seinem Sieg über 200 Meter gerade auf seiner Ehrenrunde unterwegs, als ihn der Kameramann auf einem zweirädrigen Stehroller versehentlich umfuhr. Verletzt hat sich dabei niemand. Aber mit Hilfe der sozialen Netzwerke gingen die Bilder des stürzenden Bolt sofort um die Welt.

Zehnkampf: Deutsches Trio kämpft um Bronze

Die deutschen Zehnkämpfer um Vizeweltmeister Michael Schrader, der zurzeit auf Platz zehn liegt, peilen bei der Leichtathletik-WM in Peking Bronze an. Als Bester des Trios liegt Rico Freimuth nach dem Hochsprung mit 3488 Punkten auf Rang vier. Nach einem guten Kugelstoßen mit 14,27 m und einem noch besseren Hochsprung mit 2,10 m verbesserte sich Kai Kazmirek nach kleineren Rückschlägen zu Beginn mit 3434 Zählern auf Platz sechs. Gold und Silber scheinen bereits vergeben. Olympiasieger und Titelverteidiger Ashton Eaton aus den USA führt vor dem Kanadier Damian Warner.

Starker Start: Zehnkämpfer Freimuth nach dritter WM-Disziplin Dritter

Zehnkämpfer Rico Freimuth hat bei der Leichtathletik-WM in Peking einen hoffnungsvollen Start erwischt. Nach drei Disziplinen war der 27-Jährige vom SC Halle/Saale am Freitag mit 2730 Punkten Dritter - 100 Zähler hinter dem Titelverteidiger und großen Favoriten Ashton Eaton aus den USA. Freimuth startete über 100 Meter in 10,51 Sekunden, im Weitsprung (7,51 Meter) und als Tagesbester im Kugelstoßen (15,50 Meter) kam er jeweils nah an seine persönlichen Bestleistungen heran.

Michael Schrader vom SC Hessen-Dreieich - der WM-Zweite 2013 in Moskau - war mit 2645 Punkten nach dem Kugelstoßen Fünfter. Götzis-Sieger Kai Kazmirek (LG Rhein-Wied) lag als Elfter nach drei Disziplinen in Lauerstellung.Weltrekordler Eaton war schon nach den 100 Metern klar vorn - und auf Kurs Richtung Titelverteidigung. Der Amerikaner sprintete zum Auftakt 10,23 Sekunden - nie war ein Zehnkämpfer bei einer Weltmeisterschaft schneller. Nach drei Runden führte er mit 2830 Punkten vor dem Kanadier Damian Warner (2747). Der zweifache Weltmeister Trey Hardee (USA) verletzte sich beim Weitsprung und fiel nach seinen 10,20 Metern im Kugelstoßen hoffnungslos zurück.