Boxen

Dimitrenko kollabierte, weil er kein "Weichei" sein wollte

Foto: WITTERS / Witters

Der Europameister hatte vor dem Kampf gegen Sosnowski tagelange Beschwerden verschwiegen und dadurch einen Kollaps verursacht.

Hamburg. Das Rätselraten um den Kollaps von Boxer Alexander Dimitrenko ist gelöst. Der Europameister hat den Zusammenbruch vor seiner Titelverteidigung am vergangenen Sonnabend selbst verschuldet. Der Schwergewichtler wurde durch einen starken Mineralstoffverlust geschwächt, der Folge von anhaltenden Durchfällen bei Dimitrenko war, sagte Mediziner Michael Ehnert am Dienstag in Hamburg. „Andere Ursachen können ausgeschlossen werden“, ergänzte der Arzt des Universum-Boxstalls.

Dimitrenko hatte die Beschwerden, die ihn seit dem vergangenen Dienstag plagten, seinem Umfeld verschwiegen. „Das war ein Fehler, das war unprofessionell“, sagte der 28-Jährige und entschuldigte sich für sein Verhalten. Er habe Angst gehabt, wieder als Weichei zu gelten, wenn er den Kampf gegen den Polen Albert Sosnowski abgesagt hätte. „Ich dachte, das geht schon wieder vorbei“, berichtete der gebürtige Ukrainer, der seit November deutscher Staatsbürger ist. Am Kampftag selbst habe er statt der üblichen drei bis vier Liter Flüssigkeit lediglich eineinhalb Liter getrunken.

Trainer Michael Timm war ob des Fehlverhaltens seines Schützlings auch drei Tage nach dem dramatischen Geschehen in der Schweriner Sport- und Kongresshalle noch verärgert und enttäuscht. „Ich kann den Grund verstehen. Das müssen wir jetzt aufarbeiten“, sagte Timm.

Dimitrenko hatte vor seinem Titelkampf gegen Sosnowski in der Kabine einen Kollaps erlitten. Der Kampf musste daraufhin abgesagt werden. Am Sonntag konnte der Wahl-Hamburger die Schweriner Klinik wieder verlassen. Der ausgefallene Titelkampf soll Anfang 2011 nachgeholt werden.

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Rätselraten um Alexander Dimitrenko

Michael Timm hat in seiner Karriere als Boxtrainer schon viel erlebt, doch am Sonntagmittag war der 48 Jahre alte Chefcoach des Hamburger Profistalls Universum noch immer fassungslos ob des Schocks, den er am Vorabend in der Schweriner Kongresshalle erlitten hatte. Timm hatte sich gegen 21.50 Uhr in die Kabine von Schwergewichts-Europameister Alexander Dimitrenko, 28, begeben, um diesem für die Titelverteidigung gegen den Polen Albert Sosnowski die Tapes um die Hände zu wickeln. "Ich hatte mich umgedreht, um die Tapes zu holen. Auf einmal macht es klatsch, und da liegt er auf dem Boden", erinnert sich Timm an die dramatischen Sekunden.

Der kurzzeitig bewusstlose Dimitrenko wurde von den herbeigeeilten Universum-Vertrauensärzten Michael Ehnert und Christoph Goetz stabilisiert und gegen Mitternacht ins Schweriner Helios-Klinikum eingeliefert.

Am Sonntagmittag konnte er in der Obhut seiner Ehefrau Ivana die Heimreise nach Hamburg antreten. Heute sollen im Krankenhaus St. Georg umfangreiche Tests folgen, um die genaue Ursache für den Kreislaufkollaps zu ergründen. Die Spekulationen reichten von einer Lebensmittelvergiftung, ausgelöst durch eine Fischmahlzeit, über psychosomatische Probleme bis hin zu einer Austrocknung des Körpers. Letzteres scheint die wahrscheinlichste Erklärung, da Dimitrenko sich weder übergeben noch über andere Symptome einer Vergiftung geklagt hatte. Mental sei er, so Timm, ebenfalls sehr stabil gewesen. Tatsächlich soll der sensible Hüne seit Tagen unter einer Durchfallerkrankung gelitten haben, die einen erheblichen Mineralmangel im Körper ausgelöst hatte. Nachdem er im Krankenhaus drei Liter Flüssigkeit per Infusion zugeführt bekommen hatte, besserte sich sein Zustand bedeutend.

Der Grund für das Verschweigen einer Erkrankung liegt auf der Hand. Universum wollte den Kampf auf Sport1 als weltweite Premiere in 3-D übertragen. Eine Absage hätte Dimitrenkos Image möglicherweise geschadet. "Wir hatten Glück im Unglück. Er hätte ja auch im Ring kollabieren können. Dann hätte es wieder geheißen, er habe kein Kämpferherz", sagt Timm. Dimitrenko selbst ließ durch Universum mitteilen, er wolle so schnell wie möglich den Kampf gegen Sosnowski nachholen.