Eishockey: Hamburg Freezers

Garrett Festerlings mühsamer Weg zurück auf das Eis

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Der Neuzugang aus Hannover kann endlich wieder schmerzfrei spielen. Jetzt träumt der Freezers-Spieler sogar vom Nationalteam.

Hamburg. Die Vorbereitung auf eine neue Saison ist in der Regel die Zeit, die Profisportler am wenigsten mögen. Garrett Festerling fährt in diesen Wochen dennoch jeden Morgen mit einem Strahlen im Gesicht zum Training in die Volksbank-Arena, und das liegt nicht daran, dass er masochistisch veranlagt ist. Vielmehr freut sich der 24 Jahre alte Neuzugang der Hamburg Freezers darüber, dass er wieder schmerzfrei seinem Beruf, dem Eishockeyspielen, nachgehen kann. "Für mich ist jeder Morgen wie ein tiefer Atemzug an der frischen Luft", sagt er.

Im August 2009 hatte sich der Kanadier im Trainingscamp mit den Hannover Scorpions eine Leistenverletzung zugezogen. Weil er sich nach einem schwachen ersten Jahr bei den Niedersachsen jedoch keine Blöße geben wollte, spielte er trotz der Blessur weiter - bis im November gar nichts mehr ging. Nach einer Untersuchung bei Bayern Münchens Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt stand fest, dass eine Leistenoperation unumgänglich war.

Als Folge der Blessur verlor der Angreifer rund 80 Prozent seiner Bauchmuskelmasse im Bereich der rechten Leiste. "Es war ein sehr harter Weg zurück", sagt er. Dennoch schaffte er es, in den Play-offs seinen Teil zum Titelgewinn beizutragen. Ohne Schmerzen konnte er jedoch erst Ende Juni beim Sommertraining in seiner Heimat Vancouver wieder übers Eis flitzen. Dass er Hannover trotz Vertrags bis 2011 verlassen würde, stand da bereits fest.

Das Angebot der Freezers aus Hamburg kam gerade rechtzeitig

"Ich habe mich bei den Scorpions sehr wohl gefühlt, aber ich habe nicht die Chancen bekommen, die ich in meinem Alter brauche", sagt er. Pro Spiel habe er oftmals nur 30 Sekunden Eiszeit bekommen. "Ich wollte zu einem Team, bei dem ich mich entwickeln kann, und dazu braucht man Spielpraxis. Das Angebot der Freezers kam deshalb gerade rechtzeitig", sagt er. Unter dem neuen Trainer Stephane Richer, der auf junge Spieler setzt, erhält er die gewünschte Eiszeit, und er zahlt den Vertrauensvorschuss bislang mit starken Leistungen zurück. Mit drei Toren aus vier Spielen unterstrich er die Qualitäten, die er in seiner ersten Saison in Deutschland 2007/08 beim Oberligaklub Füssen mit 50 Toren und 70 Assists angedeutet hatte.

"Hamburg ist für mich ein Neuanfang. Ich will beweisen, dass ich in der besten deutschen Liga eine gute Rolle spielen kann", sagt Festerling, der bis zur Ankunft seiner Freundin Amber, einer Grundschullehrerin, im September noch allein in Burgwedel lebt.

Sein Großvater war von Hamburg nach Kanada ausgewandert

Den Neuanfang will er nutzen, um an der Erfüllung eines Traums zu arbeiten. Da er in Kanada für kein Auswahlteam gespielt hat, wäre er für Deutschland spielberechtigt. Sein Großvater wanderte nach dem Zweiten Weltkrieg von Hamburg nach Kanada aus, ihm verdankt Festerling den deutschen Pass. Den Traum von Nordamerikas Profiliga NHL, wo sein Zwillingsbruder Brett als Verteidiger bei den Anaheim Ducks engagiert ist, hat Festerling weit von sich geschoben. "Es wäre großartig, für Deutschland zu spielen."

Freezers-Stürmer Michel Ouellet muss wegen einer Oberschenkelzerrung bis Montag pausieren.

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