Hamburg feiert Triathlon-Festival

Holsten City Man: 250 000 Zuschauer feiern die Sieger Anja Dittmer und Rasmus Henning und hoffen jetzt auf die WM 2007

Hamburg. Perfekter hätte die Bewerbung für die WM 2007 kaum inszeniert werden können. Bei strahlendem Sonnenschein feierte Hamburg ein Triathlon-Festival der Superlative: 250 000 Zuschauer sorgten zwischen Alster und Rathausmarkt für eine traumhafte Kulisse, in der Anja Dittmer aus Neubrandenburg ihren Titel aus dem Vorjahr souverän verteidigte und sich der Däne Rasmus Henning in einem hochdramatischen Rennen den Sieg bei den Männern sicherte. Zudem sorgten 6000 Jedermänner für ein außergewöhnliches "Vorprogramm".

"Für mich ist Hamburg die coolste Triathlon-Location weltweit", brachte Klaus Müller-Ott, Präsident der Deutschen Triathlon Union, das einhellige Urteil aller Teilnehmer auf den Punkt. Zwar gebe es mit Budapest und Mazatlan (Mexiko) weitere Bewerber, doch die Bewerbungs-Präsentation Hamburgs sei normalerweise nicht zu schlagen.

Auf dem Kongress des Triathlon-Weltverbands ITU am 2./3. Dezember im kanadischen Vancouver wird über die Vergabe entschieden. Sportsenatorin Alexandra Dinges-Dierig ließ nach ihrem ersten Besuch beim Holsten City Man jedenfalls keinen Zweifel daran, dass der Senat geschlossen hinter Hamburgs Bewerbung steht, für die Bürgermeister Ole von Beust schon bei Olympia in Athen kräftig die Werbetrommel rührte. "Mit dem Schwimmen und Radfahren finde ich Triathlon noch prickelnder als den Marathon. Für diese WM zu kämpfen, lohnt sich auf jeden Fall", so Dinges-Dierig.

Nötig wäre zum Beispiel, die Traversen auf dem Rathausmarkt über das festgeschriebene Maß von fünf Metern Höhe hinaus bauen zu dürfen. "Wir werden das prüfen", versprach die Sportsenatorin, "wenn es von der statischen Belastbarkeit des Platzes her machbar und technisch möglich ist, werden wir die Genehmigung erteilen."

Doch schon jetzt war die Stimmung kaum zu toppen, auch wenn die Athen-Sieger Hamish Carter (Neuseeland) und Kate Allen (Österreich) ebenso wie Dutzende weiterer Top-Athleten der "großen Olympia-Revanche" ferngeblieben waren. Titelverteidigerin Anja Dittmer ließ sich jedenfalls durch die lautstarke Anfeuerung der Zuschauer zu einer frühen Attacke auf der abschließenden Laufstrecke verleiten, weil sie die "einzigartige Atmosphäre auf dem Rathausmarkt" unbedingt genießen wollte. Schon 100 Meter vor dem finalen Strich klatschte die 28 Jahre alte Neubrandenburgerin die Fans links und rechts des Parcours ab, bevor sie mit ausgebreiteten Armen den Zielbogen passierte.

"In Hamburg zu gewinnen, ist einfach etwas ganz Besonderes, so enthusiastisch gefeiert wirst du als Triathlet nirgendwo sonst", sagte Dittmer, die für ihren fünften Weltcupsieg 9375 US-Dollar kassierte. Zugleich stürmte sie in der Weltcup-Gesamtwertung auf den ersten Platz, vor der Australierin Pip Taylor, die in Hamburg Fünfte geworden war. Nun will Dittmer auf jeden Fall auch die beiden nächsten Weltcups in Madrid (19. September) und im japanischen Gamagori (26. September) bestreiten, wo im nächsten Jahr die WM stattfinden wird. Immerhin winkt der Jahresbesten am Ende ein Bonus von 25 000 Dollar.

Dass von 25 gemeldeten Starterinnen gerade 17 angetreten waren und letztlich nur 13 das Ziel erreicht hatten, tat der Freude Anja Dittmers keinen Abbruch. Zumal im Ziel der große Bruder, Kanu-Olympiasieger Andreas (erlebte erstmals einen Sieg der kleinen Schwester live), und Freund Kris Gemmell warteten. "Ich wusste, dass Anja das drauf hat", freute sich der Neuseeländer.

Für ihn selbst lief es dann aber nicht so gut. Völlig ausgepumpt wurde er Vierter hinter Sieger Henning, dem Tschechen Filip Ospaly und dem Ukrainer Wolodymyr Polikarpenko und musste anschließend im Sanitätszelt von Anja Dittmer wieder aufgerichtet werden. Für eine starke Teamleistung sorgten die deutschen Männer, die durch Sebastian Dehmer, Justus Steffen und Maik Petzold die Ränge fünf bis sieben belegten. Der Olympiasechste und große Mitfavorit Andreas Raelert wurde Elfter.

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