Energiekosten

Gaspreis soll bald wieder steigen: Das ist der Grund

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Gas-Kommission: Staat soll Dezember-Rechnung übernehmen

Gas-Kommission: Staat soll Dezember-Rechnung übernehmen

Die von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission schlägt ein zweistufiges Modell für eine Gaspreisbremse vor. In einem ersten Schritt soll der Staat die Dezember-Rechnung für Gaskunden übernehmen, in einem zweiten Schritt sollen die Kunden im Frühjahr einen Teil ihres Gases zu einem subventionierten Preis erhalten.

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Der Gaspreis ist zuletzt gefallen. Von einer Trendwende gehen Experten jedoch nicht aus – im Gegenteil: Gas soll wieder teurer werden.

Berlin. Der Krieg in der Ukraine und der damit einhergehende Gaskonflikt mit Russland sind zwei Gründe für die Energie- und Preiskrise in Deutschland. In einer Mitteilung vom Statistischen Bundesamt (Destatis) vom 11. November heißt es, dass die Inflation seit Oktober 10,4 Prozent beträgt – ein neuer Rekord. Als Hauptgrund für die zweistellige Inflationsrate nennt Destatis-Präsident Georg Thiel die "nach wie vor enormen Preiserhöhungen bei den Energieprodukten".

Gaspreis aktuell unter 20 Cent pro kWh – deutlicher Preisabfall zu Oktober

Doch zumindest im Moment entspannt sich die Situation ein wenig. Die Heizölpreise in Deutschland sinken und liegen (Stand, 15. November) unter der Marke von 1,40 Euro für einen Liter Heizöl. Und auch mit Blick auf den Gaspreis vom 15. November kann man einen leichten Abwärtstrend erkennen. Mittlerweile hat sich ein Preis von rund 19 Cent pro kWh Gas eingependelt. Das ist zwar immer noch teuer, aber deutlich günstiger, als der Gaspreis im Oktober, wie die folgende Tabelle vor Augen führt:

Datum Gaspreis pro kWh
15. Juni 2022 14,1 Cent
15. Juli 2022 25,7 Cent
15. August 2022 28,4 Cent
15. September 2022 36,7 Cent
15. Oktober 2022 23,8 Cent
15. November 2022 19,4 Cent

Doch warum fallen ausgerechnet mitten in der Heizsaison die Preise für Gas? Und noch viel wichtiger: Kann von einer Trendwende mit Blick auf die Energiepreise ausgegangen werden? Über die Gründe für die aktuelle Entwicklung auf dem Gasmarkt spricht Ludwig Möhring vom Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V. (BVEG) im Interview mit der "BILD". Er sieht drei "Sondereffekte", die die günstigeren Gaspreise begünstigen.

Gas könnte wieder teurer werden – Effekte für günstigere Preise verpuffen

  1. Die milden Temperaturen im Oktober – es wurde weniger geheizt und folglich weniger Gas benötigt.
  2. Die Wirtschaft verbraucht weniger Gas – für sie rechnet sich die Produktion in Deutschland aktuell oftmals nicht.
  3. Die Gasspeicher in Deutschland sind fast komplett befüllt.

Das Nachrichtenportal "Business Insider" zählt in einem Beitrag ähnliche Gründe wie Möhring für die derzeit positive Preisentwicklung bei Heizöl und Gas auf. Neben vollen Gasspeichern kommt noch hinzu, dass vor der Küste Spaniens volle Flüssiggasschiffe warten. Die Kombination der Effekte wirkt sich positiv auf den angespannten Energiemarkt und somit die Verbraucherpreise aus.

Doch so schnell wie die Preise für Heizöl oder eben Gas gesunken sind, so schnell können sie auch wieder ansteigen. In wenigen Wochen soll das Ölembargo der EU gegen Russland in Kraft treten. Dann werde sich der Energiemarkt noch einmal anspannen, meint Carsten Fritsch von der Commerzbank gegenüber dem "Handelsblatt". Hinzu kommt, dass auch der Sondereffekt Wetter verpufft und folglich mehr geheizt wird und sich die Gasspeicher dann leeren.

Experte mit düsterer Prognose: "Gas-Krise wird uns viele Jahre begleiten."

Möhring im Interview mit der "BILD": Erdgas bleibe auch im Hinblick auf die kommenden Monate und Jahre ein knapper Energieträger. "Da gibt es leider keine Entwarnung – weder für 2023 noch für 2024." Er ist sich sicher: "Die Gas-Krise wird uns viele Jahre begleiten." Auch, weil aufgrund der globalen Nachfrage nach Gas davon auszugehen ist, dass langfristige Gaslieferverträge mit anderen Ländern – etwa für Flüssiggas – tendenziell teuer bleiben.

Mit seiner Ansicht ist Möhring nicht allein. Fritsch prognostiziert im "Handelsblatt"-Gespräch eine ähnliche Entwicklung beim Heizöl. Faktoren wie ein Ölembargo oder eine Kürzung der Erdölförderung vonseiten der OPEC+-Länder könnten zu einer Verknappung am Ölmarkt führen. Das wiederum könnte mit Blick auf das Prinzip Angebot und Nachfrage erneut zu einem Anstieg der Heizölpreise führen.

Gaspreis könnte bald wieder teurer werden: Das ist ein Hauptgrund

Und beim Gas ist es nicht anders: Verpuffen die Sondereffekte und verknappt sich das Angebot am Markt, steigt meist automatisch auch der Preis. Deshalb ist es bei Energiepreisen aktuell grundsätzlich schwierig, von einer Trendwende zu sprechen. Im Gegenteil: Der Konsens der Experten geht eher in die Richtung teurere Energiepreise.

Unklar ist, ab wann die Preise anziehen und vor allem, wie stark. Die Entwicklung der letzten Monate zeigt aber, dass gerade der Gaspreis von heute auf morgen stark anziehen oder abfallen kann.

Der Artikel "Gaspreis soll wieder teurer werden: Experte mit düsterer Prognose" ist zuerst auf morgenpost.de erschienen.

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