Islamist aus Hamburg verrät Anschlagspläne

Auch Deutschland im Visier. Osama Bin Laden soll Attentate genehmigt haben

Hamburg. Das Terrornetzwerk al-Qaida hat offenbar Anschläge auf Städte in Deutschland, Frankreich und Großbritannien sowie in den USA geplant. Der in Afghanistan festgenommene Hamburger Islamist Ahmad S. habe in Verhören durch amerikanische Sicherheitskräfte die Anschlagsszenarien geschildert, meldeten mehrere britische und US-Medien. Das Bundesinnenministerium bestätigte, es gebe Berichte über "längerfristige" Terrorpläne der al-Qaida.

Der 36-jährige Ahmad S. war im Juli auf dem Weg von Pakistan nach Europa am Hindukusch abgefangen worden und sitzt seitdem im US-Militärgefängnis in Bagram. Dort soll er ausgesagt haben, in Deutschland hätten es die Islamisten auf "weiche Ziele" wie Bahnhöfe, Züge und Menschenansammlungen abgesehen gehabt. Mit derartigen Anschlägen könnte das Leben in den Städten mit einem vergleichsweise geringen Aufwand lahmgelegt werden. Ahmad S. habe gesagt, der Attentatsplan sei von al-Qaida-Führer Osama Bin Laden gutgeheißen worden, berichtete der US-Sender ABC.

Nach ZDF-Informationen sagte Ahmad S. zudem aus, dass den Kommandoeinheiten, die für den Einsatz in den europäischen Städten vorgesehen sind, Deutsche, Araber und Tschetschenen angehören. Er soll auch die Namen von Hintermännern genannt haben.

Als wie glaubwürdig seine Aussagen angesehen werden, zeigen die massiv ausgeweiteten Aktivitäten des US-Militärs in Afghanistan. Die amerikanischen Streitkräfte gehen immer häufiger gegen mutmaßliche Terroristen im Land vor. So hat sich der Einsatz von Spezialeinheiten der CIA und der Armee sowie von Kampfdrohnen seit Anfang September vervielfacht. Mehrere Al-Qaida-Führer sollen dabei getötet worden sein.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte, es gebe bislang "keine konkreten Hinweise auf unmittelbar bevorstehende Anschläge in Deutschland". Die aktuellen Hinweise führten "zu keiner Veränderung der Gefährdungsbewertung".

Ahmad S. war im März 2009 mit neun weiteren Dschihadisten, also selbst ernannten "Gotteskriegern", aus Hamburg in ein Terrorcamp in das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet gereist. Gegen ihn ermittelt die Generalbundesanwaltschaft wegen des dringenden Verdachts der Mitgliedschaft in der terroristischen Vereinigung "Islamische Bewegung Usbekistan" (Ibu), bestätigte Marcus Köhler, Sprecher der Bundesanwaltschaft, dem Abendblatt. Die Ibu ist an Anschlägen auf pakistanische Sicherheitskräfte und Mitglieder der internationalen Nato-Schutztruppe Isaf beteiligt.

Erst Ende August war ein weiterer Terrorverdächtiger, Rami M., aus Pakistan nach Deutschland überführt worden. Er sitzt in Untersuchungshaft, weil auch er nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft Mitglied der Ibu sein soll. Rami M. gehörte nach Erkenntnissen der Ermittler zu der Hamburger Gruppe um Ahmad S. Diese hatte sich regelmäßig in der Al-Kuds-Moschee am Steindamm getroffen. Das Gotteshaus diente schon Terroristen des 11. September 2001 als Anlaufpunkt. Anfang August wurde die Moschee wegen der Islamismus-Vorwürfe geschlossen.