Kommentar: Kundus-Untersuchungsausschuss

Wie bei Hempels unterm Sofa

Noch nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik war die Parlamentsarmee unserer Republik in einer derart prekären Lage wie jetzt. Chronisch unterfinanziert und mit gravierenden Ausrüstungsmängeln belastet sieht sich die Bundeswehr in einen heimtückischen Krieg verstrickt, der mal als harmloser Stabilisierungseinsatz etikettiert war.

Und just in dieser Situation sah und sieht es an der Führungsspitze aus wie bei Hempels unterm Sofa. Da will ein Minister (Jung) so lange nichts von zivilen Opfern des Luftangriffs von Kundus wissen, bis ihm der Rest der Welt das Gegenteil beweist. Da gibt sein Nachfolger (Guttenberg) binnen weniger Tage zwei völlig konträre Einschätzungen ab und entlässt seine beiden wichtigsten Mitarbeiter, weil die ihn nicht richtig informiert hätten - und obendrein einen verdienten General, weil der wissen wollte, was eigentlich los ist.

Das würden wir alle gern. Zum Überfluss steht der entlassene Staatssekretär Wichert im Verdacht, eine Arbeitsgruppe eigens zur Redigierung unvorteilhafter Nachrichten gegründet zu haben.

Fassen wir die bislang unbewiesenen Vorwürfe zusammen: Der eine Minister hatte keine Ahnung, was in seinem Laden lief. Sein Staatssekretär wollte brisante Informationen unterdrücken. Der Generalinspekteur sagt die Unwahrheit - oder aber der neue Minister tut es. Ein General wird entlassen, weil er Rückgrat zeigte. Und nun möge man sich mit Blick auf dieses trostlose Gesamtgemälde mal in die Situation eines Soldaten versetzen, der am Hindukusch jeden Tag sein Leben riskiert. Die Truppe, der gerade eine Reihe von Waffensystemen wegen Geldmangels weggenommen wurde, verfolgt diese Berliner Springprozession zunehmend angewidert. Es wird die vordringlichste Aufgabe von Minister Guttenberg sein, das Vertrauen der Soldaten in Führung und Politik wiederherzustellen.