Bundeswehr in Afghanistan

Guttenberg, Schneiderhan und ein Scherbenhaufen

Nur 25 Tage lang haben Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan miteinander gearbeitet.

Berlin. Der eine ist 37 Jahre alt und steht noch am Anfang einer möglicherweise brillanten politischen Karriere. Der andere ist 63 und blickt am Ende seines Soldatenlebens verbittert auf einen Scherbenhaufen. Schneiderhan habe "gebeten", von seinem Amt entbunden zu werden, teilte der Minister gestern Morgen mit, und dieser Bitte habe er entsprochen. Eine höfliche Umschreibung für einen Rauswurf.

Wer den Bayern als stets zugewandten und freundlichen Mann erlebt hatte, lernte ihn am Donnerstag in seiner ganzen Entschlossenheit und Strenge kennen. Fort war die heitere Unbeschwertheit, um die ihn in der zurückliegenden Legislatur viele Kabinettskollegen beneidet hatten, nachdem er im Februar 2009 den amtsmüden Bundeswirtschaftsminister Michael Glos beerbt hatte. Fort auch die Unbefangenheit, die der "Baron der Herzen" an den Tag gelegt hatte, als er sich im Kabinett querstellte und für Opel und Quelle/Arcandor Insolvenzverfahren favorisierte.

Karl-Theodor zu Guttenberg ist am 28. Oktober als Verteidigungsminister vereidigt worden. Unmittelbar danach hat er begonnen, das aufzuarbeiten, was unter seinem Vorgänger Franz Josef Jung liegen geblieben war. Vor allem hat er das Kind beim Namen genannt. "Ich verstehe jeden Soldaten", erklärte der Minister Anfang November, "der sagt: 'In Afghanistan ist Krieg.'"

Das war Guttenbergs erster Paukenschlag. Der zweite kam gestern.

Von außen betrachtet hat es etwas Tragisches, dass Wolfgang Schneiderhan seine bis dahin makellose Karriere nicht ehrenhaft zu Ende bringen konnte. Dieser hochdekorierte Mann, der 1994 nach Erfurt ging, um das Kommando über die Panzerbrigade 39 "Thüringen" zu übernehmen, was vier Jahre nach der Wiedervereinigung immer noch als besonders schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe galt. Schneiderhan selbst, der bis gestern Deutschlands ranghöchster Soldat gewesen ist, wird verständlicherweise hadern, dass er sich im Juli 2008 auch noch ein zweites Mal von Franz Josef Jung überreden ließ, seine eigentlich abgelaufene Dienstzeit zu verlängern.

Die Wege des altgedienten Soldaten und des jungen Ministers haben sich nur kurz gekreuzt. Auf den ersten Blick schienen der Vier-Sterne-General, der im Juli 2002 unter Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) zum Generalinspekteur der Bundeswehr ernannt wurde, und der politische Aufsteiger des Jahres nichts gemein zu haben. Sah man davon ab, dass zu Guttenberg immerhin als Unteroffizier der Reserve aus dem Gebirgsjägerbataillon in Mittenwald ausgeschieden war und dass er sich in der zurückliegenden Legislatur in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion um die Themen Abrüstung und Rüstungskontrolle gekümmert hatte. Also aus Sicht Schneiderhans über einen gewissen grundsätzlichen militärischen Sachverstand verfügte.

Dabei gab es sehr wohl noch andere Verbindungslinien: Der aus dem schwäbischen Riedlingen stammende Wolfgang Schneiderhan hat zu Beginn seiner Karriere unter Oberst Berthold Maria Schenk Graf von Stauffenberg gedient, den Karl-Theodor zu Guttenberg zu seiner weiteren Verwandtschaft zählt. Und dann war da ja auch noch die Musik: Der Vater des Ministers ist der renommierte Dirigent Enoch zu Guttenberg, der Onkel des entlassenen Generalinspekteurs war der weltweit gefeierte Violinvirtuose Wolfgang Schneiderhan.

Doch diese Linien haben sich nicht verknüpft. Im Gegenteil. Zwischen diesen beiden Männern, die sich zweifellos näher hätten kommen können, verläuft seit gestern ein tiefer Graben.