Anschläge

Nigeria: Weltweite Empörung über Gewalt gegen Christen

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Am ersten Weihnachtstag waren vor christlichen Kirchen in Nigeria nacheinander mehrere Bomben explodiert. Dabei kamen mindestens 40 Menschen ums Leben. Die Welt ist schockiert.

Abuja/Vatikanstadt/New York. Die Bombenanschläge der islamistischen Sekte Boko Haram auf mehrere Kirchen zum Weihnachtsfest in Nigeria hat weltweit Entsetzen und Proteste ausgelöst. Vatikansprecher Federico Lombardi sprach von einer „grausamen Tat aus blindem und absurdem Hass“. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte am Sonntagabend in New York, es gebe kein Ziel, das solche Gewalt rechtfertigen könne. Er verlangte ein Ende von religiös motivierter Gewalt. Ein Sprecher des Weißen Hauses verurteilte im Namen von US-Präsident Barack Obama die „sinnlose Gewalt und diesen tragischen Verlust von Menschenleben an Weihnachten“.

Bundespräsident Christian Wulff erklärte, die „feige Gewalt“ sei nicht durch Religion gedeckt. Es sei „besonders verabscheuungswürdig“, dass sich der Angriff gegen Menschen richte, die sich an Weihnachten friedlich in ihren Gotteshäusern versammelten.

+++ Mindestens 40 Opfer bei Explosionen in Nigeria +++

Am ersten Weihnachtstag waren vor christlichen Kirchen in dem westafrikanischen Land nacheinander mehrere Bomben explodiert. Dabei kamen mindestens 40 Menschen ums Leben. Beim Weihnachtsgottesdienst in der katholischen Kirche St. Theresa in der Stadt Madalla westlich der Hauptstadt Abuja starben nach jüngsten Angaben mindestens 35 Menschen.

In den Städten Gadaka und Damaturu im nordöstlichen Bundesstaat Yobe sollen laut Berichten einheimischer Medien mindestens sechs Gottesdienstbesucher ums Leben gekommen sein. Viele hätten zunächst fliehen können, doch dann seien ihre Autos angezündet worden. Mindestens ein weiteres Todesopfer, einen Polizisten, gab es in der Stadt Jos im mittelnigerianischen Bundesstaat Plateau beim Anschlag auf eine Kirche. In Jos waren bereits Weihnachten 2010 bei mehreren zeitgleichen Bombenexplosionen mehr als 100 Menschen getötet worden.

Wenige Stunden nach der Explosion in Madalla bekannte sich die islamistische Sekte Boko Haram zu den Anschlägen. Sie hatte bereits in den vergangenen Tagen die Verantwortung für verschiedene Anschläge in Nordnigeria übernommen, bei denen 46 Menschen ums Leben kamen. Die Terroristen wollen einen radikalislamischen Gottesstaat errichten.

Der Name der Organisation heißt übersetzt: „Westliche Bildung ist Sünde“. Boko Haram gilt den Behörden des mit 150 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Land Afrikas als größtes Sicherheitsrisiko. Der Rückhalt für die Extremisten ist nach Expertenmeinung unter der Bevölkerung allerdings gering. Nigerias Staatspräsident Goodluck Jonathan sprach am Sonntag von einem „Affront gegen unsere kollektive Sicherheit und Freiheit“.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch von Freiburg, beklagte, zu keiner anderen Zeit seien Christen wegen ihres Glaubens so zahlreich verfolgt worden wie heute. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte Gleichgesinnte in aller Welt auf, sich Terrorismus, Gewalt und Unterdrückung überall zu widersetzen.

Vatikansprecher Lombardi sagte: „Wir beten für die Opfer der Attentate, die keinerlei Respekt vor menschlichem Leben hatten, und wir hoffen, dass die unsinnige Gewalt nicht den Willen auf ein

friedliches Zusammenleben und auf Dialog in dem Land schwächt.“

Auch der Papst verurteilt den Anschlag auf Kirche in Nigeria

Papst Benedikt XVI. hat den Anschlag auf eine katholische Kirche in Nigeria verurteilt. Nur Respekt und Versöhnung könnten Frieden schaffen, nicht Gewalt, sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Montag in Rom. Er habe mit "tiefer Traurigkeit" von dem "absurden" Angriff auf die Kirche St. Theresa im nigerianischen Madalla erfahren, bei der am Sonntag 35 Menschen ums Leben kamen. Der Papst lud alle Menschen ein, für die Opfer und die Christengemeinde in Nigeria zu beten. "In diesem Moment will ich noch einmal mit Nachdruck wiederholen: Gewalt ist ein Weg, der nur zu Schmerzen, Zerstörung und Tod führt", sagte Benedikt. "Respekt, Versöhnung und Liebe sind der einzige Weg zum Frieden."