Unruhe in Jemen

Salehs Verletzung nährt Hoffnung auf Machtwechsel

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Ahmed al Haj

Präsident Saleh befindet sich nach seiner Operation weiter in Saudi-Arabien. Der Vize-Präsident ist in Gesprächen, die Machtfrage bleibt ungewiss.

Sanaa/Riad. Der Krankenhausaufenthlat des jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Saleh in Saudi-Arabien hat in seiner Heimat die Hoffnung auf einen Machtwechsel genährt. Die Bevölkerung in der Hauptstadt Sanaa feierte in der Nacht zum Montag die Ausreise des Staatschefs, als wäre damit das Ende seiner fast 33-jährigen Herrschaft sicher. Tatsächlich war zunächst unklar, wer Jemen regieren wird. Vize-Präsident Abd-Rabbu Mansur Hadi beriet sich noch am Sonntag mit Militärs sowie dem US-Botschafter und sollte am Montag EU-Vertreter treffen. Die Opposition sprach sich dafür aus, ihm für eine Übergangsphase die Macht ganz zu übertragen. Unterdessen hielt in Sanaa die Waffenruhe. In den vergangenen zwei Wochen wurden dort mehr als 200 Menschen getötet.

Saleh war am Freitag durch Geschosssplitter verletzt worden, nachdem eine Rakete in seinem Palast einschlug. Er wurde in einem Krankenhaus in Riad in Saudi-Arabien operiert. Unklar blieb, wie der 69-Jährige den Eingriff überstand und ob er nach Jemen zurückkehrt. Ein Vertreter seiner Partei hatte der Nachrichtenagentur Reuters am Wochenende gesagt, Saleh werde in einigen Tagen nach Sanaa zurückkehren. Die Regierung in Riad hat ihn jedoch in den vergangenen Wochen dazu gedrängt, einen Plan des Golf-Kooperationsrates (GCC) zu einem Machtwechsel anzunehmen.

Die Menschen im Jemen glauben fest daran, dass Saleh nicht zurückkehren werde. In mehreren Städten wurde in der Nacht Feuerwerk gezündet. In Sanaa feierten Männer, Frauen und Kinder zu patriotischer Musik auf einem Platz, der in ein Meer von rot-weiß-schwarzen Landesfahnen verwandelt worden wurde. „Man kann die Freude in den Gesichtern der Menschen sehen“, sagte ein Demonstrant.

Seit Ende Januar wird Jemen von der Welle der Volksaufstände erschüttert, die auch andere arabische Staaten erfasst hat. Insgesamt sind mehr als 450 Menschen bei Kämpfen ums Leben gekommen. Insbesondere der Nachbarstaat Saudi-Arabien, aber auch der Westen, befürchten einen Zerfall des verarmten Staates entlang der Stammesgrenzen, sollte es keinen geordneten Übergang geben. Dabei könnten auch Islamisten der Al-Kaida Fuß fassen.

Deutschland schließt Botschaft

Außenminister Guido Westerwelle erklärte am Sonnabend, die Bundesregierung sei wegen der Gefechte gezwungen, die deutsche Botschaft vorübergehend zu schließen und die Mitarbeiter abzuziehen.

Westerwelle beklagte, Saleh habe seine Verantwortung gegenüber dem Land nicht wahrgenommen. „Wir haben einen geordneten politischen Übergang gefordert und zu einem friedlichen gesellschaftlichen Dialog aufgerufen“, sagte Westerwelle während seines Besuchs in Vietnam. „Saleh ist dieser Forderung nicht nachgekommen.“ Er rief den Präsidenten erneut auf, der Initiative des Golfkooperationsrates zu folgen. Die Golfstaaten hätten eine Brücke gebaut, die Saleh beschreiten sollte. Zu möglichen Konsequenzen einer weiteren Blockadehaltung Salehs äußerte sich der Minister nicht.

(Mit Material von rtr und dapd)

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