Griechenland: Was die Niederländer jetzt empfehlen

"Es geht um Europas Stabilität"

Hamburg. Mr. Euro war ein Niederländer. Wim Duisenberg hieß der erste Präsident der Europäischen Zentralbank, ein Mann von natürlicher Autorität mit dem Blick fürs große Ganze. Und wie einst Duisenberg, der 2005 verstarb, schauen die Niederländer heute kritisch und komplex auf die Europäische Union, den Euro und die Krise um die hoch verschuldeten Griechen. Der Repräsentant der niederländischen Regierung in Berlin, Marnix Krop (61), macht da keine Ausnahme.

Im Außenministerium in Den Haag war er über Jahre Generaldirektor für Europäische Zusammenarbeit, zuletzt Botschafter in Polen, nun in Deutschland. Der Internationale Währungsfonds (IWF) müsse jetzt ran, um die Krise um das hoch verschuldete Griechenland zu entschärfen, sagte Krop beim Besuch in der Abendblatt-Redaktion. "Im IWF haben die Europäer großen Einfluss. Europa hat Stimmrechte, unsere Steuerzahler zahlen da schließlich mit. Da der IWF eine Geschichte von Interventionen hat, ist es gut, wenn er sich um das Problem Griechenland kümmert." Der IWF solle die Führung haben, zusätzlich müsse es aber ein europäisches Maßnahmepaket geben. Schließlich gehe es jetzt um den europäischen Stabilitätspakt.

Der wurde im Vertrag von Maastricht 1992 beschlossen, damit die einzelnen Länder sich nicht immer weiter verschulden und damit die Inflation in Europa befeuern. "In Zukunft braucht man vielleicht einen Europäischen Währungsfonds", sagte Krop, "aber nur als Ergänzung zum Stabilitätspakt."

Zur Führungsrolle innerhalb der EU sagte Krop: "In der EU muss Deutschland führen, weil es das größte Land ist. Dabei muss Deutschland den Eindruck vermeiden, dass es führt."

Die Deutschen haben selbst die Maastricht-Kriterien mehrfach gerissen. "In der Vergangenheit sollte der Stabilitätspakt mal aufgeweicht werden. Deutschland und Frankreich waren damals Haushaltssünder. Jetzt spricht auch Deutschland von neuen Regeln. Die Regeln des Stabilitätspaktes sollten jetzt noch weiter gehen. Das kann man aus dieser Situation lernen", so Krop.

Die Griechen haben lange verschleiert, dass ihr Haushalt so desaströs ist. Sie tricksten und tarnten, ohne dass in Brüssel oder bei der Europäischen Zentralbank in Frankfurt jemand die Alarmglocken läuten konnte. Die Statistikbehörden der EU mussten sich auf das verlassen, was Athen an Zahlen lieferte. Krop sagte: "Eurostat hat zu wenig Kontrollinstrumente." Heißt: Die Behörde braucht ein schärferes Schwert, um bei den Regierungen nachzuhaken, wenn es Skepsis bei den Haushaltszahlen gibt.

Zu viele Griechen arbeiten im öffentlichen Dienst. Das Rentenalter liegt im Regelfall deutlich unter 60. Krop erinnerte daran, dass andere Länder ihre Hausaufgaben besser gemacht hätten. "In Lettland und Litauen gab es auch diese Probleme. Obwohl sie keinen Euro haben, sparen diese Länder in ihren öffentlichen Haushalten."

Mit dem Kennerblick schaut Oranjes Botschafter auf die Fußball-Bundesliga: Krop kann die Karrierestationen der Niederländer im Dress des Hamburger SV wie im Schlaf herunterbeten. Großen Eindruck habe auf seine Landsleute die Fußball-WM 2006 gemacht. "Wirklich ein Sommermärchen", sagte er. Krops Vater war evangelischer Pastor. Und schon er hatte dem Jungen eingeimpft, dass es zwischen den Nachbarn keine Feindschaft geben dürfe. Krops erste Fremdsprache wurde Deutsch. Heute sagt er selbst: "Deutschland passt zu mir wie ein Handschuh."