Ukraine-Krieg

Treffen mit Putin: Schröder für Betrieb von Nord Stream 2

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Miguel Sanches
Erstes Schiff mit ukrainischem Getreide erreicht türkische Küste

Erstes Schiff mit ukrainischem Getreide erreicht türkische Küste

Das erste Schiff mit Getreide aus der Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskrieges hat die türkische Küste erreicht. Das mit Mais beladene Frachtschiff "Razoni" soll am Mittwoch von Vertretern der UNO, Russlands und der Ukraine inspiziert werden.

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Alles wird gut, lasst mich mal machen: Mit Putin reden, Nord Stream 2 in Betrieb nehmen. Wie Gerhard Schröder ins Geschäft kommen will.

Berlin. Nicht viele westliche Politiker haben einen persönlichen Draht zu Wladimir PutinGerhard Schröder schon. Gerade war er in Moskau beim Kremlchef. Der Altkanzler wirbt für Verhandlungen und selbstredend für sich selbst als Vermittler.

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Er will wieder ins Geschäft kommen, buchstäblich. Im Interview mit dem "Stern" und "ntv" empfiehlt der Gazprom-Lobbyist, Nord Stream 2 in Betrieb zu nehmen. War da was? Ein Krieg in der Ukraine vielleicht?

Schröder zu Ukraine-Krieg: Putin will verhandeln

Der 78-Jährige will sich Putin warmhalten. Denn: Ohne Gespräche beider Seiten werde es nicht gehen. Er ist sich sicher, dass der Kriegsherr reden will. "Die gute Nachricht heißt: Der Kreml will eine Verhandlungslösung."

Wie das geht, zeigt die Türkei, die gerade Getreidelieferungen aushandelte. "Sehr hilfreich", findet Schröder. Und der Anfang von etwas Großem? ­"Vielleicht kann man das langsam zu einem Waffenstillstand ausbauen."

Schröder traut sich das zu. "Warum sollte ich mit Gesprächen, die rechtlich möglich sind und mich und meine Familie nicht in Schwierigkeiten bringen, aufhören?" Da bleibt nur eine Frage offen: Will er mit oder für Putin verhandeln?

Gegenfrage: "Würde eine persönliche Distanzierung von Wladimir Putin wirklich irgendjemandem etwas bringen?" Müsse er denn über jedes Stöckchen springen, das ihm hingehalten werde? "So bin ich nicht." Vielleicht könne er noch einmal nützlich sein. "Warum soll ich mich also entschuldigen?"

Schröder: Steht Ausschluss aus der SPD unmittelbar bevor?

Noch einmal auftrumpfen, sich als Friedensstifter neuen Respekt erwerben: Ein politischer Tagtraum, der zu seiner momentanen Situation passt. Denn die SPD will ihn loswerden.

17 Anträge auf Ausschluss aus der Partei liegen vor, obwohl Schröder entschieden hat, seinen Aufsichtsratsposten bei Rosneft aufzugeben und auf einen Aufsichtsratsposten beim Konzern Gazprom zu verzichten. Ein Beschluss der Schiedskommission des SPD-Unterbezirks Hannover steht Berichten zufolge unmittelbar bevor.

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Schröder erzählt, er kriege viele Briefe aus Deutschland, "in denen steht: Gut, dass es noch jemanden gibt, der Gesprächskanäle mit Russland im aktuellen Konflikt offenhält."

Schröder warnt vor Verteilungskämpfe um Gas

Der Altkanzler spricht sich im Interview für Nord Stream 2 und damit gegen die Sanktionen aus, die gegen Russland verhängt wurden. Die Pipeline wurde nach Beginn des Angriffskriegs gar nicht erst in Betrieb genommen. Der Sozialdemokrat empfiehlt, mit der Pipeline den Gas-Engpass in Deutschland zu lindern.

Wer das nicht wolle, müsse dann auch die Konsequenzen tragen: Verteilungskämpfe. "Da möchte ich nicht in der Haut der Verantwortlichen stecken." Die Folgen würden riesig sein. "Jeder, der mit Gas heizt, bekommt das jetzt schon zu spüren." Für ganz viele Leute, die mit jedem Cent rechnen müssen, "wird das richtig hart".

Sein Kalkül: "Dann wird man in Deutschland fragen: Warum verzichten wir eigentlich auf das Gas aus der Pipeline Nord Stream 2? Warum? Ich war nicht immer in meiner politischen Karriere ein reiner Marktwirtschaftler, aber ein marktwirtschaftliches Prinzip ist doch ganz einfach: Wenn das Angebot verknappt wird, dann steigen die Preise."

Schröder: Ganze Industriezweige auf dem absteigenden Ast

Mehr noch: "Wenn BASF etwa kein Gas mehr bekommt, hat BASF ein großes Problem, aber wir Deutsche haben ein riesiges. Ganze Industriezweige wie Glas oder Papier stehen auf der Kippe." Das werde eine Situation, "wie wir sie in Deutschland noch nie hatten."

Es war Schröders erstes Interview seit Langem, von "Stern" und n-tv als Pizza Connection inszeniert: Weil Ehefrau Soyeon Schröder-Kim nicht daheim in Hannover war, sondern in Südkorea weilte, behalf sich Schröder als Gastgeber – mit einer Pizza-Bestellung.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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