Ruhestand

Früher in Rente ohne Abschläge: Aufstocker sparen 2022 viel

| Lesedauer: 3 Minuten
Miguel Sanches
Steuern, Geld und Co.: Drei Renten-Irrtümer im Überblick

Steuern, Geld und Co.: Drei Renten-Irrtümer im Überblick

Wer in Rente gehen möchte, muss dabei einige Sachen beachten. Es haben sich im Laufe der Zeit viele Renten-Mythen eingeschlichen. Diese drei Irrtümer sollten Rentner kennen:

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Versicherte können Rentenpunkte kaufen, um drohende Abschläge auszugleichen. Diese Extra-Beiträge rechnen sich 2022 ganz besonders.

Berlin. Wer früher in Rente geht, muss Abschläge in Kauf nehmen – 0,3 Prozent für jeden vorgezogenen Monat. Kaum bekannt ist, dass jeder den "Verlust" ausgleichen kann. Das ist nicht ganz billig, es bietet sich aber im Jahr 2022 an. Denn: Der Preis ist gesunken.

Ab ihrem 50. Geburtstag können sich Versicherte Rentenpunkte kaufen: Um Abschläge auszugleichen. Sei es, um ohne Einbußen früher in den Ruhestand zu gehen, sei es, um "Rentenlücken" etwa bei den Ausbildungszeiten zu stopfen. Dann zahlt man nach.

Früher in Rente: Mit Sonderzahlungen aufstocken

Solche Sonderzahlungen sind ein Angebot, um die spätere Rente aufzustocken. Die Investition kann sich lohnen, da die Zinsen niedrig und private Geldanlagen an Attraktivität verloren haben. Die Rendite der Aufstockungen in der gesetzlichen Rentenversicherung kann sich sehen lassen. Die Kosten für einen Entgeltpunkt, den man erwirbt, betragen rund 7236 Euro. Das sind 491 Euro weniger als im Vorjahr. Da waren es 7727 Euro.

Lesen Sie auch: Mehr Rente durch Nachzahlung – Wichtige Frist beachten

Wir haben die deutsche Rentenversicherung um ein Fallbeispiel gebeten:

  • Eine Versicherte, wohnhaft in den alten Bundesländern, Jahrgang 1964, möchte mit 65 statt mit 67 Jahren in Rente gehen, zwei Jahre vor ihrem „regulären“ Renteneintritt.
  • Sie muss mit einem Abschlag von 7,2 Prozent kalkulieren: 0,3 Prozent mal 24 Monate.
  • Ihre Bruttorente beträgt rund 1.025 Euro bei 30 Entgeltpunkten.
  • Die Abschläge entsprechen 2,16 Entgeltpunkte und würden lebenslang monatlich 74 Euro weniger Rente ausmachen.
  • Hätte die Frau die 2,16 Entgeltpunkte im Jahr 2021 ausgeglichen, hätte sie dafür rund 17.984 Euro zahlen müssen. Nur ein Jahr später kostet der Ausgleichsbetrag rund 16.841 Euro. 1000 Euro weniger.

Man muss viel Geld in die Hand nehmen, und nicht jeder hat es auf der "hohen Kante". Letztlich ist es eine Wette auf ein möglichst langes Leben. Im vorliegenden Beispiel hätte die Frau nach 19 Jahren die Einzahlung raus, also (bei Rentenbeginn mit 65 Jahren) mit 84 Jahren.

Rente: Nachzahlungen sind 2022 günstiger geworden

Dass die Nachzahlungen 2022 günstiger geworden, wo sonst fast alles teurer wird, hat mit bestimmten Rechengrößen zu tun. Genauer gesagt: mit dem Durchschnittsentgelt. Das bezeichnet das Durchschnittseinkommen aller Versicherten. Dieser Wert beträgt vorläufig 38.901 Euro. 2021 lag er höher: 41.541 Euro. Die Erklärung: Es ist in der Corona-Krise gesunken.

Für die Berechnung der Ausgleichszahlung multipliziert man den Beitragssatz mit dem Durchschnittsentgelt. Der Beitragssatz liegt 2022 unverändert bei 18,6 Prozent, aber das Durchschnittsentgelt ist eben gesunken. Der Ankauf von Entgelt- oder Rentenpunkte, mithin der zentrale Wert, ist im Ergebnis billiger geworden, und zwar um immerhin 6,3 Prozent. So hat man für weniger Geld als 2021 die Chance, die Rente aufzubessern, oder Abschläge bei der Frührente auszugleichen.

Ein Rentenpunkt entspricht einer zusätzlichen Monatsrente von 34,19 Euro in Westdeutschland und 33,47 Euro in Ostdeutschland. Nach Inkrafttreten der Rentenerhöhung am 1. Juli 2022 gibt es für einen Rentenpunkt im Westen sogar 35,60 Euro mehr Rente und knapp 35 Euro im Osten. Gewöhnlich steigt dieser Wert von Jahr zu Jahr. Wer ernsthaft Sonderzahlungen in Erwägung zieht und das Geld dazu hat, sollte eines wissen: 2022 ist dafür ein Sonderangebotsjahr.

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Rente in Deutschland - Fakten und Geschichte

  • System: Die gesetzliche Rente funktioniert nach dem Äquvivalenz- und dem Solidarprinzip.
  • Renten-Arten: Es gibt noch die Grund-, die Erwerbsminderungs- und die Hinterbliebenenrente.
  • Ausnahmen: Eine große Mehrheit der Selbstständigen und Freiberufler sind von der Versicherungspflicht befreit.
  • Finanzierung: Die gesetzliche Rente in Deutschland ist grundsätzlich umlagenfinanziert.
  • Probleme: Die Probleme der Unterfinanzierung ergeben sich hauptsächlich aus der zunehmend älter werdenden Bevölkerung in Deutschland.
  • Drei Säulen: Die Altersvorsorge in Deutschland fußt auf drei Säulen. Dazu gehören die gesetzliche, betriebliche und die private Altersvorsorge.
  • Ursprung: Sie wurde am 22. Juli 1889 unter Reichskanzler Otto von Bismarck offiziell eingeführt.

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Dieser Artikel erschien zuerst bei morgenpost.de.

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