Epidemie

Coronavirus in Spanien: Alle Hotels müssen schließen

Angehöriger: 15 Corona-Tote in einem spanischen Altenheim

In einem spanischen Altenheim sind nach Angaben eines Angehörigen allein 15 Bewohner an dem neuartigen Coronavirus gestorben. Das Seniorenheim Monte Hermoso habe ihn darüber informiert, dass 70 der 130 Bewohner mit dem Virus infiziert und 15 Bewohner gestorben seien, sagte Mariano Martínez aus Madrid der Nachrichtenagentur AFP. Die Behörden bestätigten die Angaben zunächst nicht.

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Das Coronavirus fordert in Spanien immer mehr Tote. Die Regierung kontrolliert die Ausgangssperre – auch Soldaten sind im Einsatz.

Madrid. 
  • Das Coronavirus breitet sich in Europa aus: Nach Italien ist Spanien das von der Krise am stärksten betroffene Land
  • Die Zahl der Menschen, die sich mit Sars-CoV-2 infiziert haben, lag zuletzt bei über 18.000, über 800 Menschen starben
  • Die Ausgangssperre gilt zunächst für 15 Tage, könnte aber danach vom Parlament verlängert werden.
  • Alle Hotels, Pensionen und Campingplätze müssen schließen
  • Soldaten überwachen die Einhaltung der Ausgangssperre, auch Drohnen werden eingesetzt
  • Das Ausgehverbot gilt für die 47 Millionen Bewohner genauso wie für ausländische Urlauber
  • Die Menschen dürfen ihre Wohnungen nur noch für Arztbesuche, zum Einkaufen und zum Arbeiten verlassen; Touristen dürfen aber die Rückreise noch antreten
  • Die Menschen protestieren auf ihren Balkonen gegen das ihrer Meinung nach korrupte Königshaus

„Braucht jemand Hilfe? Ich kaufe für Sie ein und gehe mit Ihrem Hund Gassi“, steht auf einem Zettel, der an der Haustür klebt. In Notstandszeiten wächst die Solidarität der Nachbarn. Und Spanien befindet sich derzeit im Notstand. Das Coronavirus hat das ganze Land, in dem 47 Millionen Menschen leben, lahmgelegt.

Am Donnerstag verkündete die spanische Regierung nun die nächste Regelverschärfung: Alle H otels, Pensionen oder Campingplätze des Landes müssen vorläufig schließen. Nur Sicherheits- und Wartungspersonal darf bleiben. Coronavirus in Spanien – Das müssen Reisende und Urlauber jetzt wissen. Auch auf den Balearen sind Touristne nicht mehr willkommen. Mallorca hatte bereits alle Hotel-Eröffnungen wegen des Coronavirus auf den Sommer verlegt, Touristen dürfen nicht einmal mehr an den Strand.

Der Notstand ist allerdings nicht der Grund, warum die Spanier sauer sind. Tausende Spanier gingen am späten Mittwochabend im ganzen Land auf Balkone und an die Fenster, um auf Töpfe und Pfannen zu schlagen und gegen das ihrer Überzeugung nach korrupte Königshaus zu protestieren. Das Motto: „Corona Ciao“, Corona tschau. Nein, nicht das heimtückische Virus ist mit „Corona“ gemeint, sondern die Krone.

Coronavirus: Spaniens Volk protestiert – und haben Forderung an Königshaus

Das Image der spanischen Monarchie bekommt seit Jahren immer mehr, immer tiefere Kratzer. In den vergangenen Tagen wurden die Gemüter aber von einer neuen Finanzaffäre um Juan Carlos zusätzlich gewaltig angeheizt. Immer mehr Spanier fordern nun, dass der Königshof die umstrittenen Gelder für den Kampf gegen die Corona-Krise spendet.

Eine Petition auf der Plattform change.org unter dem Hashtag #FelipeReacciona (#FelipeReagiere), in der eine Spende des Geldes gefordert wird, hatten bis Mittwochabend rund 200.000 Menschen unterschrieben. Der Protest gegen das Königshaus ist eine Krise, die allerdings von die dramatische Zuspitzung der Coronavirus-Krise noch überschattet wird.

Neuerdings patrouillieren sogar Soldaten. Zum Beispiel in der Virus-Hauptstadt Madrid, dem spanischen Zentrum der Epidemie. Die Militärs sollen der Polizei helfen, die Ausgangssperre zu überwachen, die seit dem 15. März gilt. Nur aus zwingenden Gründen dürfen die 3,3 Millionen Madrid-Bewohner noch vor die Tür. Der Kauf von Lebensmitteln und das Gassi gehen mit den Vierbeinern gelten als solche unaufschiebbaren Gründe.

Cornavirus in Spanien: Nur in kleinen Gruppen in den Supermarkt

Wahrscheinlich gehen deswegen plötzlich manche spanische Männer, die bisher zu Hause lieber die Füße hochlegten, richtig gerne Einkaufen. Seit die Corona-Epidemie sie zur Arbeit im Home Office zwang, ist der Weg zum Supermarkt für viele die einzige Möglichkeit, um sich die Füße vor der Tür zu vertreten.

Auch wenn der kleine Shopping-Ausflug nicht unbedingt ein schönes Erlebnis ist: Erst muss man Schlange vor der Tür stehen, weil der Wachmann die Kunden nur in kleinen Gruppen einlässt. Dann spritzt eine Angestellte Desinfektionsgel auf die Hände und befiehlt: „Gummihandschuhe anziehen!“ Auf einem großen Schild steht: „Bitte halten Sie zu anderen Menschen 1,50 Meter Sicherheitsabstand.“

Drinnen, im Ladenlokal, der nächste Schrecken: ganze Gänge mit leeren Regalen und Kühltruhen. Es gibt kein Fleisch, kein Obst, kein Reis, keine Nudeln. Auch dort, wo sonst Paletten mit Toilettenpapier stehen, sieht man nur den grauen Boden. Lediglich ein paar Rollen mit Sandpapierqualität sind noch zu haben.

Die Ausgangssperre wird in Spanien hart kontrolliert – und bestraft

„Da müssen Sie früher kommen“, antwortet die Kassiererin genervt auf die Frage, warum viele Basisgüter ausverkauft sind. „Heute Morgen war hier die Hölle los“, sagt sie. Zum Abschied mahnt die Kassenfrau noch: „Vergessen Sie nicht den Bon. Den brauchen Sie vielleicht, wenn Sie auf der Straße kontrolliert werden.“

Die ersten Tage haben sich noch ein paar Mutige zum Joggen oder zum Spaziergehen rausgewagt. Doch seit bekannt wurde, dass die Sicherheitskräfte kein Auge zudrücken, ist dies vorbei. Um niemanden in Versuchung zu führen, sind sogar die Parks geschlossen und werden mit Drohnen überwacht. Wer ohne triftigen Grund draußen erwischt wird, dem droht mindestens 100 Euro Geldbuße.

Derweil steigt die Zahl der bestätigten Corona-Fälle in Spanien weiter mit Riesenschritten. Spanien ist nach Italien das europäische Land mit den meisten Infizierten – rund die Hälfte aller Erkrankungen wird in Madrid registriert. Die Regierung räumte inzwischen ein, dass die offiziellen Zahlen nur einen Teil der Epidemie widerspiegeln. Mangels ausreichender Tests müsse mit einer hohen Dunkelziffer gerechnet werden. „Das Härteste“, prophezeit Regierungschef Pedro Sánchez, „haben wir noch vor uns.“

(ze/dpa/AFP)