Maskenpflicht

Coronavirus: So gut schützen Masken und Mundschutz wirklich

Mit Mund- und Nasenschutzmaske betritt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Plenarsaal im Bundesrat. Erste Bundesländer erwägen Abschaffung der Maskenpflicht.

Mit Mund- und Nasenschutzmaske betritt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Plenarsaal im Bundesrat. Erste Bundesländer erwägen Abschaffung der Maskenpflicht.

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Seit Ende April sind Mundschutze in ganz Deutschland im Nahverkehr und beim Einkaufen Pflicht. Wie gut schützen die Masken vor Corona?

Berlin. 
  • Erste Bundesländer erwägen Abschaffung der Maskenpflicht
  • Seit 29. April gilt in ganz Deutschland eine Maskenpflicht beim Einkaufen sowie in Bussen und Bahnen
  • Auch zahlreiche öffentliche Gebäude dürfen nur mit einem Mund-Nasen-Schutz besucht werden
  • In allen Bundesländern sind die Corona-Beschränkungen gelockert worden, doch die Maskenpflicht blieb bislang bestehen
  • Viele Menschen nutzen selbstgenähte Masken aus Stoff oder einfache Schals und Tücher, um sich und andere vor dem Coronavirus zu schützen
  • Andere tragen hingegen auch im Alltag sogenannte FFP-Masken, die eigentlich für medizinisches Personal vorgesehen sind
  • Wir erklären, warum Experten das Tragen von Masken zum Schutz vor dem Coronavirus empfehlen und worauf es bei der Wahl der richtigen Maske ankommt

Sie sind aus dem öffentlichen Bild auf den Straßen Deutschlands derzeit nicht wegzudenken: Masken. Der Gang zum Bäcker oder die U-Bahn-Fahrt zur Arbeit sind ohne Mund-Nasen-Bedeckung nicht erlaubt. Denn das Coronavirus Sars-CoV-2 breitet sich weltweit aus. Obwohl sich die Lage in Deutschland entspannt hat, gibt es täglich noch mehrere Hundert Neuinfektionen – das Ende der Pandemie ist noch lange nicht erreicht (Stand 6. Juli).

Um die Reproduktionszahl des Virus weiter zu senken, gilt seit Ende April in ganz Deutschland eine Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen. Doch inzwischen erwägen immer mehr Bundesländer angesichts rückläufiger Infektionszahlen eine Abschaffung der Pflicht zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung in Geschäften.

Dabei kann eine Maske nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) das Risiko einer Übertragung von Viren vom Träger auf andere Menschen mindern. Auch andere Wissenschaftler kommen zu der Einschätzung. In wieweit helfen Masken? Wir klären die wichtigsten Fragen.

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Mundschutz gegen Coronavirus – hilft das wirklich?

Nach Ansicht des Robert-Koch-Instituts (RKI) könnte eine Maske das Risiko einer Übertragung von Viren auf andere mindern. Auch für Menschen ohne Symptome könne es sinnvoll sein, ein Maske zu tragen. Denn wissenschaftliche Untersuchungen hätten gezeigt, dass Infizierte das Virus bereits ein bis drei Tage ausscheiden könnten, bevor sie Symptome entwickelten.

Beim Tragen von Masken geht es also vor allem um den Schutz anderer Menschen, nicht um den Eigenschutz. Wichtig ist deswegen auch, betonen Experten, dass sich möglichst viele Menschen an die Pflicht zur Mund-Nase-Bedeckung halten.

Das RKI weist aber darauf hin, dass Masken nur ein Baustein seien, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen – neben dem Halten von mindestens 1,5 Meter Abstand, der guten Händehygiene und dem Einhalten der Husten- und Niesregeln.

Zwar ist nach Ansicht des RKI bisher nicht wissenschaftlich belegt, dass eine Mund-Nasen-Bedeckung das Risiko verringert, andere durch Husten, Niesen oder Sprechen anzustecken – eine solche Schutzwirkung scheine aber plausibel, schreibt die Behörde auf ihrer Internetseite. Für den Eigenschutz gebe es hingegen keine Hinweise. Zu Beginn der Pandemie hatte das RKI den Mundschutz nur Menschen mit akuten Atemwegserkrankungen empfohlen und vor einem falschen Sicherheitsgefühl gewarnt.

Auch Marylyn Addo, Professorin vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), sagte dieser Redaktion: „Wenn die Masken nicht richtig angewendet werden, können sie mehr schaden als helfen.“ Denn die Menschen würden sich dann in falscher Sicherheit wiegen und zum Beispiel trotz Sorge um das Coronavirus die Handhygiene vernachlässigen.

Lesen Sie auch diesen Kommentar: Coronavirus: Wir müssen alle endlich Atemschutzmasken tragen

Das RKI betont, dass medizinischer oder chirurgischer Mund-Nasen-Schutz und medizinische Atemschutzmasken, etwa die sogenannten FFP-Masken, medizinischem Personal vorbehalten bleiben sollten. Lesen Sie hier: dm warnt vor Masken aus Staubsaugerbeuteln.

Vergleich: Gut genähte Alltagsmaske schützt am besten

Doch wie gut schützen die sogenannten Alltagsmasken? Forscher der Florida Atlantic University kommen in einer aktuellen Studie zu dem Schluss, dass gut genähte Mund-Nasen-Masken Tröpfchen beim Husten und Niesen relativ stark zurückhalten. Die Partikel flogen im Laborversuch etwa 6,6 Zentimeter weit.

Die Wissenschaftler hatten für ihre Untersuchung ein als Schutz verwendetes Halstuch, eine Maske aus einem Stofftaschentuch, eine genähte doppellagige Maske aus Baumwolle und eine handelsübliche kegelförmige Maske verglichen. Das Halstuch schnitt am schlechtesten ab: Hier flogen die Partikel etwa 1,1 Meter weit, schreiben die Forscher im Fachblatt „Physics of Fluids“.

Auch sie betonen, dass es zusätzlich zum Tragen einer Maske nötig sei, Abstand zu halten und die Hände zu waschen.

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Auch Forscher der kanadischen McMaster-Universität kommen nach der Auswertung von 172 Studien zu dem Schluss, dass eine Kombination aus Abstandhalten, Masken und Augenschutz eine Infektion mit dem Coronavirus bestmöglich verhindern könnte, schreiben sie im Fachblatt „Lancet“.

In einem unabhängigen Kommentar zur Studie betont die Epidemiologin Raina MacIntyre von der australischen Universität von New South Wales, dass mehrschichtige Masken besser abschirmten, als solche aus einer einfachen Stoffschicht.

„Eine gut gestaltete Stoffmaske sollte aus Wasserabweisendem Gewebe bestehen, mehrere Schichten haben und gut an das Gesicht angepasst sein“, empfiehlt MacIntyre.

Die Akademie der Wissenschaft Leopoldina veröffentlichte eine Stellungnahme zur Wirksamkeit von Schutzmasken und spricht sich klar für das Tragen dieser aus. „Da sich eine große Zahl unerkannt Erkrankter ohne Symptome im öffentlichen Raum bewegt, schützt ein Mund-Nasen-Schutz andere Menschen.“ Ein Mund-Nasen-Schutz diene eingeschränkt auch unmittelbar dem Eigenschutz. Lesen Sie hier: Virologe fordert Mundschutz für alle Deutschen.

Mainzer Studie: Maskenpflicht ist effektiv

Wie sinnvoll das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Kampf gegen das Coronavirus ist, hat Anfang Juni eine Studie der Universität Mainz gezeigt. Dafür verglichen Forscher unter anderem die Entwicklung in Jena, wo schon sehr früh auf eine Maskenpflicht gesetzt wurde, mit der in anderen Kommunen – und kamen zu dem Ergebnis, dass die Maßnahme offenbar deutlich zur Eindämmung beigetragen hat. Lesen Sie auch:

In Jena wurde das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes bereits am 6. April zur Pflicht und damit wesentlich früher als in allen anderen Landkreisen und kreisfreien Städten Deutschlands. Die Zahl der registrierten Infektionen in Jena stieg daraufhin nur noch schwach an. Auch interessant: Diese Maskenpflicht-Regeln gelten für Kinder.

Beim Vergleich weiterer Fallzahlen zeigten sich ähnlich signifikante Unterschiede, die auf Maßnahmen zu einem verpflichtenden Mund-Nasen-Schutz zurückzuführen seien. „Zusammenfassend kann man sagen, dass die Einführung der Maskenpflicht in den jeweiligen Kreisen zu einer Verlangsamung der Ausbreitung von Covid-19 beigetragen hat“, erklärte Klaus Wälde von der Universität Mainz.

Das sagt Coronavirus-Experte Christian Drosten zu Mundschutz und Atemmasken

Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der aktuellen Pandemie, hält das Tragen von Masken für den Fremdschutz, also um andere vor dem Virus zu schützen, für sinnvoll. Das mache jedoch nur Sinn, wenn sich wirklich alle daran hielten, sagte er bereits im April im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“.

Das Coronavirus wird nach bisherigen Erkenntnissen vor allem über Tröpfchen und Aerosole, also kleinste Partikel, übertragen. Alltagsmasken halten vor allem größere Tröpfchen zurück, die zum Beispiel beim Husten entstehen.

Schon einfache medizinische Masken reduzierten die Verbreitung von Corona- und Influenzaviren, wie Drosten auf Twitter erklärte.

Er räumte jedoch mit einem weit verbreiteten Irrtum auf: „Man denkt immer, man schützt sich selbst mit der Maske, in Wirklichkeit schützt man aber andere.“ Bei feuchter Aussprache etwa könne auch ein einfacher Mundschutz grobe Tröpfchen des Mundschutz-Trägers abhalten. Das Einatmen eines mittelgroßen Aerosols, das gerade in der Luft stehe, werde aber wahrscheinlich nicht dadurch abgehalten.

Müsste aus gesellschaftlichem Druck heraus jeder eine Maske tragen, dann fange die Maßnahme an, sehr viel Sinn zu machen: Dann sei zu erwarten, dass eine Infektionsausbreitung, allerdings nur im Nahbereich, etwas verringert werde, so Drosten.

Diese Virologen haben das Regiment übernommen
Diese Virologen haben das Regiment übernommen

Drosten bekräftigte, dass es keine wissenschaftlichen Daten für die Wirkung einfacher chirurgischer Masken und sogenannter FFP2-Schutzmasken gebe. „Wogegen die normalen Masken schützen, ist vielleicht der häufige Griff an Mund und Nase – also die Schmierinfektion“, so Drosten.

Im Zuge der Sars-Epidemie 2002/2003 hätten einige Studien für sogenannte FFP3-Masken einen schützenden Effekt nahelegen wollen, sagt Drosten. „Das waren aber keine normalen Masken, wie man sie in Asien auf der Straße sieht oder bei uns im OP, sondern spezielle Feinpartikelmasken.“ FFP3-Masken schlössen ganz dicht am Gesicht ab und hätten belegbar einen Infektionsschutz für solche Arten von Viren.

Atemschutzmasken in drei Kategorien unterteilt

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat ein umfassendes Papier zum Thema Atemschutzmasken erarbeitet.

In diesem werden auch die verschiedenen FFP-Klassen erklärt, es gibt insgesamt drei – alle sind zumindest wirksamer als die handelsüblichen Standard-Mundschutzmasken. Je höher die Klasse, umso höher die Schutzwirkung. Klassifiziert wird nach der Leckage, also der Durchlässigkeit. Bei FFP1 darf diese maximal 22 Prozent betragen, bei FFP3 nur noch zwei Prozent.

Die Hersteller müssen dabei eine DIN-Norm erfüllen. „FFP-Masken sind Einmalartikel und müssen aus hygienischen Gründen nach der Benutzung korrekt entsorgt werden“, heißt es in dem Merkblatt des Landesamtes.

Das Wichtigste zu Atemschutzmasken in Kürze:

  • Einfache Masken sollen andere vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen
  • Gut genähte Mund-Nasen-Masken halten Tröpfchen davon ab, weit zu fliegen
  • Spezielle Feinpartikelmasken bieten einen höheren Schutz, sind aber unbequem und vor allem für medizinisches Personal gedacht

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(bef/dpa/bekö/msb/raer/lary)