ARD Talkshow

Merkel bei Jauch – oder Jauch bei Merkel?

Foto: REUTERS

Die Bundeskanzlerin im Ersten: Merkel erklärt Jauch die Euro-Rettung und enthüllt, wie sie als Bewerberin um einen Job einmal abgelehnt wurde.

Hamburg/Berlin. Diese Töne sind nicht unterzukriegen in diesen Tagen: Wir wollen die D-Mark wieder haben, heißt es bei den Euro-Skeptikern. Solide, stabil, stark, eine Erfolgswährung, die nach 54 Jahren am Finanzhimmel mit dem Euro geerdet wurde. Das war die D-Mark. Deutschlands beliebtester, immer auf die Millionenfrage schielender Fernsehbubi Günther Jauch hat die Frage an die Retterin des Euro, Deutschlands und der FDP gerichtet: Warum kommt in der Euro-Krise nicht endlich die D-Mark zurück? Jauchs einzige Antwortgeberin in seiner Talkshow war allerdings Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Und La Merkel hatte nur eine Antwort in vielen Variationen: Der Euro bleibt, ich lege den Kurs fest – und was kümmert die Kanzlerin, wenn die Hunde bellen? Ein Quotenheber war die Sendung nicht: 4,29 Millionen Menschen sahen zu (15,3 Prozent Marktanteil). 4,6 Millionen war es vor einer Woche, 5,1 Millionen beim ersten Mal von Jauch im Ersten.

Es wurde viel über Basta-Politik geredet. Das ist, wenn ein Kanzler sagt, wo’s langgeht und die anderen die Gosch halten. Bei Merkel ist es die „Na-und-Politik“. Hier sind die Fakten, alle geben ihre Meinung zu Protokoll – und am Ende entscheide ich. Das ist Merkels Kosmos, und dadurch füllt sie ihre Kanzlerschaft aus. „Ich muss sicherstellen, dass mir am Ende nicht die gleichen Wirtschaftsweisen erklären: Das hätten Sie aber bedenken müssen.“ So argumentiert Merkel die Experten zu Tode.

Die Botschaft ist klar: Keiner weiß, wie die Märkte, wie sich die Schulden Griechenlands entwickeln. Aber Merkel nimmt das Böse P-Wort in den Mund. P wie Pleite. Es gehe bei den jetzigen Verhandlungen darum, „im späteren Mechanismus einen Staat insolvent gehen lassen zu können“. Mit Philipp Rösler, Vorsitzender der FDP und Gedanken an Insolvenzen gewohnt, würde man sagen: Es geht um die Pläne einer geordneten Insolvenz. Für die erstaunten Zuhörer geht es darum: Man muss die Botschaft nur anders verpacken. Das ist der Unterschied zwischen Kanzlerin und Vize, zwischen politischem Schwer- und Leichtgewicht.

Jauch mühte sich. Er hält die Euro-Fibel in der Hand, liest vor. Niemand muss für die Schulden anderer Länder haften. Merkel sagt trocken: „Griechenland muss sparen, ansonsten wäre es falsch zu helfen.“ Applaus, Applaus. Sie macht mehr Punkte als er, als sei er bei ihr zu Gast und nicht umgekehrt. „Die Finanzmärkte müssen den Menschen dienen und nicht umgekehrt.“ Das kommt eins zu eins auch aus dem Mund von Sozialdemokraten und Linken. „Ich denke nicht jeden Tag an die nächste Wahl. Ich mache, was ich für richtig halte.“

So merkelt es dahin, bis Jauch brisante Details zu Merkels Gesundheit offenbart. Merkel sei ja nach der Wende bei der Bewerbung um einen Job im Bundespresseamt nicht genommen worden – Bluthochdruck. Das hat sie jetzt unter Kontrolle, sagt Merkel. Na ja, sagt Jauch. „Am Ende hat sich ja noch ein Job für Sie gefunden.“ Da zeigt die Kanzlerin ihr legendäres Mona-Lisa-Lächeln.