SWR-Bericht

Verkehrsplaner bewerten Stresstest bei Stuttgart 21 kritisch

Das Schweizer Planungsbüro SMA hat Zweifel, dass der Tiefbahnhof funktioniert. Der Stresstest von Stuttgart 21 sorgt für Verwirrung.

Stuttgart. Die Verwirrung um den Stresstest für das Bahnprojekt Stuttgart 21 reißt nicht ab. Die Prüfer des Schweizer Verkehrsplanungsbüros SMA, das mit der Bewertung des Leistungstests für Stuttgart 21 betraut ist, äußerten in einem Zwischenbericht Zweifel daran, dass der Bahnknoten so funktioniert, wie von der Bahn behauptet. Das berichtete der SWR. Erst am Wochenende hatte es aus Bahnkreisen geheißen, dass die Simulation zur Leistungsfähigkeit des geplanten Tiefbahnhofs bestanden sei. SMA muss nun die Berechnungen der Bahn nachvollziehen und bewerten. Allerdings wurden bislang nur wenige Vorgaben der Bahn zum Stresstest vorbehaltlos akzeptiert. In dem Papier klingen laut SWR Vorbehalte an.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat beim baden-württembergischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) einen Eilantrag auf einen Baustopp eingereicht. Zunächst haben das Eisenbahn-Bundesamt und die Deutsche Bahn Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen, wie der VGH mitteilte. Anschließend wollen die Richter entscheiden. Ein Termin steht noch nicht fest. Das Verwaltungsgericht Stuttgart hatte den Antrag der Naturschützer an den VGH verwiesen. Hintergrund des Antrags ist die Überzeugung des BUND, durch die von der Bahn beantragten größeren Grundwasser-Entnahmen für den geplanten Tiefbahnhof sei ein neuer Planfeststellungsbeschluss nötig. Zu dem gleichen Schluss kommt auch eine Studie im Auftrag des Umweltministeriums Baden-Württemberg.

Derweil hat Innenminister Reinhold Gall (SPD) eine steigende Gewaltbereitschaft bei den Demonstrationen gegen Stuttgart 21 kritisiert. Es gebe eine „wachsende Zahl von Demonstranten“, die Polizisten bespucke, herumschubse oder gar schlage. „Das kann nicht geduldet werden“, sagte Gall. Die Polizisten dürften nicht zum Prellbock werden, „an dem man Wut und Ohnmacht nach Lust und Laune ausleben“ könne, forderte er.

Vor eineinhalb Wochen war bei einer sogenannten Montagsdemonstration gegen Stuttgart 21 ein 42-jähriger Zivilbeamter angegriffen und verletzt worden. Nach der Auswertung von Videoaufzeichnungen wurde am Mittwoch ein zweiter Tatverdächtiger festgenommen. Der 38 Jahre alte Mann aus Pforzheim soll an der Attacke beteiligt gewesen sein. Der Mann machte vorerst keine Angaben. Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Stuttgart wurde er später wieder entlassen. Er muss mit einer Anzeige wegen versuchten schweren Raubes und schwerer Körperverletzung rechnen. (dpa/dapd)