Amerikanische Massaker

Attentäter in den USA: Radikale, Verirrte und Verwirrte

Manche sind politisch frustriert, andere schlicht geistesgestört. Vom Unabomber Kaczynski über Sektenführer Koresh bis zum Attentat von Tucson.

Hamburg/Washington. Sie sind Einzeltäter und Einzelgänger. Doch das ist nur auf den ersten Blick so. Die lange Geschichte der schon terroristisch zu nennenden Attentäter in den USA zeigt: Ob der „Unabomber“ Ted Kaczynski oder der Todesschütze von Tucson, Jared Lee Loughner – sie alle sind verwirrt und hegen einen Hass auf ihr Land, der sich aus kruden Vorstellungen von Politik speist.

Theodore Kaczynski verschickte Briefbombe und tötete damit drei Menschen und verletzte über 20 schwer. Man nannte ihn den „Unabomber“, weil er an Universitäten und Fluggesellschaften seine explosive Post sandte. 1996 wurde er gefasst und zu lebenslang verurteilt.

Auch der eigenbrötlerische Timothy McVie entwickelte in seinen Wahnvorstellungen Hass auf die US-Regierung und sprengte 1995 ein Regierungsgebäude in Oklahoma in die Luft. Damals starben 168 Menschen. McVie wurde im Juni 2001 hingerichtet. Ein Mittäter wurde zu lebenslang verurteilt, doch möglicherweise gab es weitere Komplizen McVies, die auch aus einer rechtsextremen Szene stammten wie er.

McVie soll radikalisiert worden sein, als er die teilweise live im Fernsehen übertragene Erstürmung des Anwesens der Davidianer-Sekte 1993 in Waco/Texas verfolgte. Der Sektenführer David Koresh hatte nach Berichten über den sexuellen Missbrauch von Kindern in seinem Anwesen sein Hauptquartier abgeschottet, sich Schusswechsel mit der Polizei geliefert und schließlich das Gebäude angezündet. Koresh erschoss sich selbst. Bei dem Brand kamen über 70 weitere Menschen um. Die Löschfahrzeuge wurden zurückgehalten, weil nicht klar war, ob sie beschossen würden. Es gab Verschwörungstheorien, die besagten, dass die US-Regierung das Feuer habe legen lassen und nicht rechtzeitig gelöscht habe.

Zu diesen Attentätern kann man die Angreifer auf verschiedene US-Präsidenten fast nicht zählen, auch wenn die Motivlage ähnlich ist. Wie beispielsweise John Hinckley (Attentat auf Ronald Reagan 1981) Aufmerksamkeit der Schauspielerin Jodie Foster erregen wollte, haben viele dieser Attentäter nicht hauptsächlich politische Motive. Das mag beim Attentat auf John F. Kennedy 1963 oder beim 1865 erschossenen Abraham Lincoln anders gewesen sein. Bei den versuchten Attentaten auf Gerald Ford waren es ebenfalls verwirrte Einzeltäter, bei denen Politisches nicht im Vordergrund stand. Von Präsident Barack Obama ist bekannt, dass sich der Secret Service besonders um seine Sicherheit sorgt. Aus den Anfangstagen der Präsidentschaft sind viele Drohungen gegen Obama bekannt.

Persönliche Frustration und eine Ahnung von Märtyrertod à la al-Qaida mischten sich in das Schulmassaker von Littleton, das Eric Harris und Dylan Klebold 1999 an der Columbine High School anrichteten Sie töteten zwölf Schüler und einen Lehrer und richteten sich anschließend selbst.

Aufsehenerregend war 2002 auch der Fall der Heckenschützen von Washington (Beltway Sniper). John Allen Muhammad und der Minderjährige Lee Boyd Malvo schossen unter anderem auf Passanten und Kunden an Tankstellen und töteten elf Menschen. Muhammad wurde zum Tode verurteilt und 2009 exekutiert. Malvo bekam sechsmal lebenslänglich.

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