Krieg in Afghanistan

Angehörige von Kundus-Opfern wollen vor Gericht ziehen

Muss Deutschland sich wegen des Bombenangriffs auf einen Tanklastwagen in Afghanistan vor dem Internationalen Gerichtshof verantworten?

Berlin. Angehörige von zivilen Opfern des verheerenden Bombardements nahe der afghanischen Stadt Kundus wollen vor den Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag ziehen. Die ARD zitierte einen der Angehörigen vorab aus ihrer Sonntagabend-Sendung „Bericht aus Berlin“, wonach eine Entschuldigung der Bundesregierung nicht helfe und nicht angenommen werden könne. „Was sie getan haben, ist auch international nicht akzeptabel. (...) Das muss vor die Menschenrechtskommission von Den Haag (...). Die sollten das nach internationalem Recht regeln“, sagte der Mann im Fernsehinterview.

Die Angehörigen bestätigten, dass viele ihre Väter, Söhne, Brüder und Neffen durch den von der Bundeswehr angeforderten Luftangriff verloren. Einige seien mit Traktoren zu den Tankwagen gefahren, um sich Benzin für ihre Lampen in den Häusern zu holen oder um es zu verkaufen. Ein Betroffener sagte der ARD: „Was haben wir getan? Warum ist das geschehen? Worin besteht unsere Schuld? Wir wollten doch nur ein Fass Benzin holen, für unseren Traktor und unsere Lampen, damit wir den Winter überleben“.

78 Opfer-Familien lassen sich in Deutschland von dem deutsch-afghanischen Rechtsanwalt Karim Popal vertreten. Er fordert finanzielle Entschädigung für die Angehörigen des von der Bundeswehr angeordneten Luftangriffs auf zwei Tanklaster. Dabei waren Anfang September amtlichen Angaben zufolge bis zu 142 Menschen getötet worden.