Al Qaida droht Deutschland

Haben die Terroristen auch Hamburg im Visier?

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Die Terror-Organisation al Qaida droht Deutschland und hofft, damit die Bundestagswahl beeinflussen zu können.

Berlin. Unmittelbar vor der Bundestagswahl hat die Terror-Organisation al Qaida und die afghanische Taliban mehrfach Terrordrohungen gegen Deutschland ausgesprochen. In mehreren im Internet veröffentlichten Videos fordern die Terroristen Deutschland und Europa auf, ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen. In einem der Videos wird auch der Hamburger Hauptbahnhof als potenzielles Anschlagsziel gezeigt.

Die Propaganda- Videos würden sehr ernst genommen, sagte der Sprecher des Bundesinnenministeriums zu den am Freitagabend aufgetauchten Aufnahmen. Sie würden – wie alle sieben seit dem 11. September veröffentlichten terroristischen Internet-Botschaften – "ruhig und gewissenhaft" ausgewertet. Es gelte aber auch: "Wir lassen uns nicht in den Zustand der Erregung versetzen."

US-Experten verwiesen darauf, dass sich viele dieser Drohungen in der Vergangenheit als reine Propaganda entpuppt haben. Seit den Madrider Bombenanschlägen 2004 habe al Qaida erkannt, dass sich mit Terror der Ausgang von Wahlen beeinflussen lasse, erklärten zwei Experten der SITE Intelligence Group, die terroristische Veröffentlichungen im Internet verfolgt.

Für einen großen Anschlag seien umfassende Vorbereitung, Ressourcen und "Glück" nötig – viel einfacher seien da Drohbotschaften, schreiben die beiden SITE-Führungsmitglieder Rita Katz und Josh Devon in einer am Samstag veröffentlichten Erklärung. Deshalb habe al Qaida in der Vergangenheit häufig Propaganda genutzt, um mit Videos oder Audiobotschaften Angst zu verbreiten,

Der SPD-Innenpolitiker Thomas Oppermann rief zu Wachsamkeit auf, warnte aber vor Panikreaktionen: "Es gibt ganz klare Hinweise auf eine Propaganda-Offensive von al Qaida und den Taliban. Daher ist es geboten, wachsam zu sein. Demokraten aber dürfen sich nicht einschüchtern lassen", sagte er der "Welt am Sonntag". Eine neue Qualität in den Terrordrohungen könne er nicht erkennen.

"Spiegel online" hatte unter Berufung auf einen deutschen Sicherheitsbeamten gemeldet, man halte das Taliban-Video nach erster Analyse für "das konkreteste Drohvideo, das sich je gegen Deutschland richtete". Darin werde ein deutschsprachiger Kämpfer gezeigt, der sich "Ajjub" nenne. Durch den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan werde "ein Angriff auf Deutschland für uns Mudschaheddin verlockend", zitierte "Spiegel online" aus dem Video. Dazu würden Fotos vom Brandenburger Tor, dem Hamburger Hauptbahnhof, dem Münchner Oktoberfest, dem Kölner Dom und der Frankfurter Skyline eingeblendet.

Terroristenchef Osama bin Laden wandte sich in einer neuen Internet-Botschaft an die Europäer. Wie das amerikanische Intel-Center, zuständig für die Einschätzung von terroristischen Internet- Botschaften mitteilte, rief der al-Qaida-Chef die Europäer darin auf, ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen. "Welt online" und "Spiegel online" berichteten, Bin Laden sei nur als Standbild zu sehen. Er unterbreite – mit deutschen Untertiteln – seine Analyse des Verhältnisses der Europäer zu den Muslimen und lege seine Sicht der Zukunft der NATO in Afghanistan dar. Das Propagandawerk sei knapp fünf Minuten lang.

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