Digitale Sprechstunde

Eine Zivilisationskrankheit, die oft nicht erkannt wird

Digitale Sprechstunde: Im Abendblatt-Podcast erklären Ärzte ihr Fachgebiet. Heute: Die Fettleber und ihre dramatischen Folgen.

„Die Zahl der Betroffenen ist riesig“, sagt Professor Dr. Thomas von Hahn, der in einer neuen Folge der „Digitalen Sprechstunde“, dem Gesundheitspodcast von Hamburger Abendblatt und Asklepios, über die sogenannte Fettleber spricht. In Deutschland leidet mittlerweile jeder vierte Erwachsene und jedes dritte zu dicke Kind an dieser Zivilisationskrankheit - oft, ohne es überhaupt zu bemerken.

„Die Leber ist schon ein sehr robustes und äußerst regenerationsfähiges Organ“, erklärt der Internist. Aber irgendwann sei die Schädigung dann doch zu groß. „Es besteht die Gefahr, dass sich nach einigen Jahren aus der Fettleber, deren Entstehung durch einen ungesunden Lebensstil begünstigt wird und die oft mit Übergewicht, erhöhtem Blutdruck und Zuckerkrankheit einhergeht, eine gefährliche Leberzirrhose entwickelt“, sagt Professor von Hahn, Chefarzt an der Asklepios Klinik Barmbek für Gastroenterologie und Interventionelle Endoskopie, also Spezialist für die Spiegelung schwer zugänglicher Hohlräume im Körper.

Fettleber verursacht zunächst nicht unbedingt Beschwerden

Die Fettleber selbst verursache zunächst nicht unbedingt Beschwerden. Werde die Leber, das größte Organ des Menschen, aber immer weiter geschädigt, unter anderem auch durch Alkohol, dann entzünde sie sich, fange an zu vernarben und verliere im schlimmsten Fall irgendwann ihre Funktion.

Bis dahin müsse viel passieren, sagt der Sohn zweier Hausärzte, der einst am Christianeum sein Einser-Abitur abgelegt hat, und erinnert an die Sage des Prometheus aus der griechischen Mythologie. Als Prometheus den Göttern das Feuer gestohlen hatte, wurde er gefesselt. Täglich kam ein Adler und fraß von Prometheus’ Leber, die sich aber sofort erneuerte. „So schnell geht es in Wirklichkeit natürlich nicht“, sagt der Experte. „Aber grundsätzlich stimmt es, dass sich die Leber schnell erholt und man Schlimmstes verhindern kann, wenn man seine Gewohnheiten verändert.“

"Es gibt viel zu wenige Spenderorgane"

Trotzdem könne - „wenn gar nichts mehr geht“ - die Lebertransplantation für manchen Patienten der letzte Ausweg sein. „Das ist natürlich eine lange und schwierige Operation. Und es gibt leider viel zu wenige Spenderorgane“, sagt der habilitierte Mediziner, der in den USA geforscht und vor seiner Tätigkeit in Hamburg unter anderem an der Berliner Charité gearbeitet hat.

Ein Drittel der Patienten sterbe während der Wartezeit. Den von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor Kurzem eingebrachten Vorschlag der Widerspruchsregelung (wer nicht explizit widerspricht, stimmt einer Organspende zu), hält Professor von Hahn nicht unbedingt für „die sinnvollste Lösung“. „Grundsätzlich aber muss die Bereitschaft, seine Organe zu spenden, erhöht werden.“

Gesundheits-Podcast mit Asklepios

Die digitale Sprechstunde ist die Gesundheitsgesprächsreihe von Hamburger Abendblatt und Asklepios. Jede Woche beantwortet ein Experte die Fragen von Vanessa Seifert.

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