Verzögerungen bei Elterngeld

Personalrat begehrt gegen Bezirkschefin auf

Foto: Rauhe

Der Personalrat und die Gewerkschaften erheben schwere Vorwürfe gegen die Leiterin des Bezirksamtes Wandsbek, Cornelia Schroeder-Piller.

Wandsbek. Die Probleme in der Elterngeldstelle des Bezirksamtes Wandsbek, in der es seit Monaten Verzögerungen bei der Auszahlung des Elterngeldes gibt, sind nur die Spitze des Eisberges. Jetzt wird bekannt, dass es in der insgesamt 1500 Mitarbeiter starken Verwaltung erhebliche Schwierigkeiten gibt. "Die Mitarbeiter kämpfen am Rande des Zusammenbruchs der Funktion ihrer Abteilungen", sagt der Personalratsvorsitzende Matthias Ebert. Von allen Bezirksämtern sei Wandsbek personell am schlechtesten ausgestattet. "Kein Wunder, dass dort einiges schiefläuft und die Mitarbeiter der Arbeit kaum hinterherkommen."

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Der Personalrat, die Gewerkschaft Ver.di und der Deutsche Beamtenbund (dbb) erheben zudem schwere Vorwürfe gegen die Bezirksamtsleiterin Cornelia Schroeder-Piller (CDU). "Sie hat einen antiquierten Führungsstil, überspitzt gesagt: wie im 19. Jahrhundert", sagt dbb-Landeschef Rudolf Klüver. "Selbst der autoritäre Führungsstil des ehemaligen Bezirkschefs Klaus Meister (SPD) wird zurückgesehnt." Und Schroeder-Pillers direktem Vorgänger Gerhard Fuchs (CDU) "weinen die Mitarbeiter heute noch hinterher", da er an Beschäftigten und Bürgern nah dran gewesen sei. "Heute herrscht ein Klima der Angst und Verunsicherung, weil niemand weiß, ob er nicht der Nächste ist, der an den Pranger gestellt wird."

Die Bezirksamtsleiterin wollte sich auf Anfrage nicht selber zu den Vorwürfen äußern und ließ ihren Stellvertreter, Frank Schwippert, mitteilen: "Das Verhältnis sowohl der Mitarbeiter untereinander sowie zur Leitung des Hauses ist gut." Allerdings würden Umstrukturierungen häufig zu temporären Mehrbelastungen führen.

Zwar liege der allgemeine Krankenstand im Durchschnitt, sagt Klüver. "Aber in der Leistungsverwaltung, also zum Beispiel der Wohngeld- und Elterngeldstelle, ist er wesentlich höher." Besetzt werden die Stellen der Langzeitkranken jedoch nicht. "Das kann nur zu Chaos führen."

Mehrere unbesetzte Stellen gebe es seit zwei Jahren auch in der Tiefbau-Abteilung, sagt Personalrat Ebert. "Aufgrund des Personalmangels müssen immer mehr Aufträge an externe Ingenieurbüros vergeben werden." Das verursache mehr Kosten und es könne weniger gebaut werden. Vizebezirkschef Frank Schwippert sagt dazu: "Längere Vakanzen kommen nur vereinzelt, etwa bei technischen Berufen, vor, da es hier hamburgweit kaum Bewerbungen gibt."

Die Ingenieure des Bezirksamtes kämen der Arbeit kaum hinterher, sagt Ver.di-Fachbereichsleiterin Sieglinde Frieß. "Viele Beschäftigte gehen krank zur Arbeit, weil sie ihren Kollegen nicht noch mehr aufbürden wollen." Allein im August habe es 20 Überlastungsanzeigen gegeben, sagt Matthias Ebert. Zum Vergleich: Im Bezirksamt Eimsbüttel waren es in diesem Jahr bisher insgesamt nur neun.

Das Wandsbeker Personal leide zudem unter der "absoluten Kontrollwut" der Bezirksamtsleiterin, sagt Sieglinde Frieß. Beispielsweise bestehe die Weisung, dass die Teilnahme an Veranstaltungen und Besprechungen außerhalb des Bezirksamtes von Frau Schroeder-Piller genehmigt werden muss. Dafür sei sogar extra ein Formular entwickelt worden. "Wenn dieses Vorgehen konsequent praktiziert würde, käme die Arbeit in einigen Bereichen, etwa dem Jugendamt, fast zum Erliegen." Durch ihren hierarchischen Führungsstil übe sie enormen Druck auf die Mitarbeiter aus. "Sie führt Gespräche nicht auf Augenhöhe und wird regelmäßig laut." Das verbreite Angst.

Dbb-Landeschef Rudolf Klüver formuliert es noch drastischer: "Im Bezirksamt Wandsbek macht sich eine Misstrauenskultur breit. Dort regieren Angst und Schrecken." Frau Schroeder-Piller habe einen regelrechten "Kontrollwahn". Das zeige auch die extra eingerichtete Prüf- und Servicestelle, in der jeder Auftrag geprüft werde. Klüver: "Dadurch verzögern sich Arbeitsvorgänge, zum Leidwesen der Beschäftigten, aber auch der Bürger." Vizebezirkschef Frank Schwippert sieht das anders. Die Prüf- und Servicestelle prüfe Vergaben ab einem bestimmten Auftragswert, "um die Qualität der Vergaben zu verbessern". Er sagt: "Damit soll auch eine Entlastung der Mitarbeiter bei rechtlich schwierigen Fällen erreicht werden."

Klüver überzeugt das nicht: "Zu einem modernen Führungsstil gehört Kommunikation mit den Beschäftigten." Gute Verwaltungsarbeit zeichne sich durch ein Miteinander, nicht durch ein Gegeneinander aus. "Wer ständig Verrat und Intrigen wittert, muss sich selbst hinterfragen."