Abendblatt-Serie

Ingo C. Peters: Ein Leben für das Vier Jahreszeiten

Gastgeber aus
Leidenschaft: Direktor
Ingo C. Peters in der
Empfangshalle des
Vier Jahreszeiten

Gastgeber aus Leidenschaft: Direktor Ingo C. Peters in der Empfangshalle des Vier Jahreszeiten

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Wie verändern sich Zeiten und Menschen in einem Vierteljahrhundert? Prominente erinnern sich. Teil 16: Ingo C. Peters.

Fünf Jahre lang hatte Ingo C. Peters keinen deutschen Boden betreten. Er hatte sich in den USA auf seine Karriere in der Spitzenhotellerie konzentriert. Im November 1989 war er für einige Wochen wieder auf Heimaturlaub, auch um seine langersehnte „Green Card“ in der damaligen US-Botschaft in Frankfurt abzuholen.

An seinem ersten Abend in Deutschland saß Ingo C. Peters bei seinen Eltern in Rahlstedt im Wohnzimmer und schaute die Tagesschau. Es war ein historischer Moment: „Da wurde verkündet, dass die Grenze geöffnet ist und die Menschen aus der DDR unbehelligt nach Westdeutschland ausreisen dürfen. Ich war ganz überrascht, denn von der Entwicklung hatte ich in den USA gar nichts mitbekommen“, sagt er. Natürlich habe er sich über diese Nachricht gefreut, denn seine Familie habe immer enge Beziehungen zu Freunden und Verwandten in der damaligen DDR gepflegt. Seine Mutter ist in Neuruppin im ehemaligen Osten geboren.

Gleich am nächsten Tag sei er an den Jungfernstieg gefahren und dort seien dann schon die Ersten mit ihren Trabbis um die Alster gekurvt.

Jetzt, ein gutes Vierteljahrhundert nach Grenzöffnung und Wiedervereinigung, sitzt der 53-Jährige auf der Terrasse des Fairmont Hotels Vier Jahreszeiten an der Alster. Wie immer perfekt gestylt. Dunkler Anzug, akkurat gebundene Krawatte, und auch die Manschettenknöpfe am weißen Hemd dürfen nicht fehlen, ebenso wie die edle Uhr am Handgelenk.

Das Hotel Vier Jahreszeiten hat auch schon gekrönte Häupter beherbergt

Der formvollendete Auftritt gehört dazu, denn Ingo C. Peters ist hier der Hoteldirektor und damit auch Vorbild für seine 250 Angestellten.

Das Vier Jahreszeiten ist nicht irgendein Haus, sondern ein echtes Grandhotel. Es ist eines der besten Häuser in Deutschland. Der Jahreszeiten Grill ist ein beliebter Treffpunkt der feinen Hamburger Gesellschaft. Das Restaurant Haerlin, ausgezeichnet mit zwei Michelin-Sternen, ist einer der bekanntesten Gourmet-Tempel der Republik.

Auch bei der Prominenz ist das traditionsreiche Fünfsternehotel beliebt. Gekrönte Häupter steigen hier ab. Wirtschaftsgrößen, ebenso sind hier Schauspieler und bekannte Musiker häufig anzutreffen. Sicherlich könnte Ingo C. Peters über sie manch interessante Geschichten erzählen, das macht er aber nicht: „Diskretion ist bei uns Ehrensache. Und das gilt für jeden Gast, egal ob es ein Milliardär ist oder ein Tourist, der hier ein Wochenende verbringt.“

Den Direktor und „sein Haus“ verbindet eine ganz besondere Geschichte. Es ist ein bisschen wie im Märchen: Als Page hat Ingo C. Peters hier nach dem Abitur in den 80er-Jahren begonnen und eine dreijährige Lehre zum Hotelfachmann absolviert: „Ich habe wirklich von der Pike auf gelernt und gleich gemerkt, dass ich für diese Branche brenne. Mir hat es von Anfang an Spaß gemacht, dass ich für die Gäste da sein und ihre großen und kleinen Wünsche erfüllen kann.“

Bevor er 1997 – mit gerade mal 35 Jahren – schließlich den Chefposten im Luxushotel übernommen hat, lernte Peters aber erstmal die große weite Welt kennen: Er sammelte Erfahrungen in den USA, war unter anderen im The Westin Copley Plaza in Boston und dem Ritz Carlton in Philadelphia und Laguna Niguel in Führungspositionen tätig. Doch er wollte noch höher hinaus: 1993 war es dann so weit.

Es ging nach Thailand. Mit nur 30 Jahren wurde der Hamburger General Manager des Luxushotels Mandarin Oriental Phuket Yacht Club. Hier verkehrt die internationale High Society, und an einen Gast erinnert sich der Hotelier besonders gerne: an den 2004 verstorbenen legendären Schauspieler Sir Peter Ustinov: „Er war ein unglaublich angenehmer Gast und immer völlig unkompliziert.“

Bei aller Diskretion erlaubt er sich an dieser Stelle eine Anekdote: „Sir Peter Ustinov wollte am Nachmittag abreisen, aber wir benötigten seine Suite schon gegen Mittag. Ich kannte ihn ja gut und fragte vorsichtig an, ob er schon früher ausziehen könnte.“

Kein Problem. Der Schauspieler setzte sich entspannt in die Halle und „es machte ihm offensichtlich große Freude, die Gäste dort zu beobachten“.

Eine weitere Station in seinem Berufsleben war das Mandarin Oriental im indonesischen Jakarta. 1995 wurde der Hamburger hier Direktor: „Das war eine neue Herausforderung. Denn auch wenn Sie der Chef sind, Sie sind erst einmal ein Fremder für die Menschen, und bei Weitem nicht alle Mitarbeiter sprechen Englisch.“ Auch die Mentalität sei eine andere. Dort ginge es entspannter zu, was dann aber manchmal auch beim Arbeitstempo zu spüren sei. Ingo C. Peters muss schmunzeln. Alles in allem habe er eine tolle Zeit im Ausland gehabt.

Ortswechsel. Sieben Jahre nach der Wiedervereinigung im Oktober 1997 ist Peters wieder zurück in seiner Heimatstadt Hamburg – im Hotel Vier Jahreszeiten. Der ehemalige Page nimmt das verlockende Jobangebot an und ist jetzt der erste Mann in dem Luxus­hotel: „Ich war wirklich aufgeregt wie am ersten Schultag, als ich mich bei den Mitarbeitern vorgestellt habe.“ Einige kannte er sogar noch aus seiner Ausbildungszeit.

Die Raffles-Gruppe aus Singapur hatte das Hotel kurz vorher von dem angeschlagenen japanischen Baulöwen Aoki übernommen. Vorbesitzer Aoki hatte Hamburgs Spitzenhotel im Jahr 1989 von der Familie Haerlin gekauft. Aber es war schon lange nicht mehr alles Gold, was glänzte im Hotel Vier Jahreszeiten. Die üppigen Jahre waren vorbei, das Haus dringend sanierungsbedürftig: „Wir machten damals Verluste, und das Vier Jahreszeiten war zu diesem Zeitpunkt auf einem absteigenden Ast.

Aber ich kannte vorher die Zahlen und wollte das Hotel zurück an die Spitze bringen.“ Sozusagen rund um die Uhr war er fortan für das Hotel im Einsatz. Immer verfügbar, denn er bezog in dem Gebäude auch eine Wohnung im dritten Stock.

Seine Mission hatte Erfolg: „Die ersten Renovierungen wurden angeschoben, und das Haus machte wieder Gewinne“, sagt Ingo C. Peters. Nach und nach sei es wieder steil bergauf gegangen. Dass er ein Workaholic ist, kann niemand bestreiten. Aber er geht eben auf in seinem Job als Hoteldirektor. Ist dauernd im Haus unterwegs.

Die Gäste schätzen seine Präsenz. Viele halten dem Haus seit Jahrzehnten die Treue: „Der persönliche Kontakt zu den Kunden ist sehr wichtig, denn das ist vor allem ein Ausdruck von Wertschätzung.“

Eine große Ehre ist die Auszeichnung „Hotelier des Jahres“

Das trifft auch auf die Auszeichnung zu, die ihm im vergangenen Jahr zuteilwurde: Die „Allgemeine Hotel- und Gastronomiezeitung“ (AHGZ) ehrte ihn als „Hotelier des Jahres“. Die Fachjury begründete ihre Entscheidung so: „Er führt das Haus, als wäre es sein eigenes. Ihm gelingt es, ein Kettenhotel wie ein Privathotel aussehen zu lassen und ihm eine Seele einzuhauchen.“ Diese Worte machen ihn stolz. Aber ihm geht es nicht um sich, sondern um „sein“ Vier Jahreszeiten.

Das erlebte 2012/2013 wieder eine aufregende Zeit. Es stand mal wieder ein Verkauf des Hauses an. Interessenten mussten durch das Haus geführt werden. Im Februar 2013 war es schließlich so weit, die Döhle Vermögensverwaltung aus dem Rheinland kaufte die Immobilie: „Ein Glücksfall, denn unserem Eigentümer liegt das Haus am Herzen.“

Das zeigte sich auch in den Investitionen, etwa 15 Millionen Euro sollen es bis heute gewesen sein. Der Küchenbereich wurde komplett umgestaltet. Hier wird natürlich noch gekocht, aber es ist auch zu einer Event-Location geworden. Die Suiten wurden modernisiert und komplett neu gestaltet. Der Spa-Bereich wurde erweitert, und die neue Dachterrasse hat sich zum Hot-spot für die Hausgäste entwickelt.

Vor der Konkurrenz hat Ingo C. Peters keine Angst, sie belebt das Geschäft

Viele Gäste aus den neuen Bundesländern haben auch das Vier Jahreszeiten in ihr Herz geschlossen: „Das ist ja das Tolle an dem Mauerfall, dass wir nun gegenseitig die sehenswerten Städte im ehemaligen Osten und Westen besuchen können.“ Dem Hotelier selber haben es vor allem Dresden, Leipzig und Potsdam angetan. Er ist beeindruckt vom Flair dieser Städte und immer wieder gerne dort.

Seit mehr als 30 Jahren ist Ingo C. Peters nun im Geschäft. Was hat sich verändert? „Wenn wir Hamburg als Beispiel nehmen, dann ist es die Vielfalt in der Hotellerie.“ Es seien inzwischen nahezu alle internationalen Ketten in der Stadt präsent. Dabei würde natürlich auch die äußerst positive Entwicklung der Tourismuszahlen eine Rolle spielen.

Im vergangenen Jahr wurden mehr als zwölf Millionen Übernachtungen in der Stadt gezählt. Die Bettenanzahl in den Hamburger Hotels liegt inzwischen bei 58.541. Tendenz steigend: Es stehen zahlreiche Hoteleröffnungen an. Auch an der Außenalster gibt es große Pläne: Hier lässt Investor Klaus-Michael Kühne das The Fontenay bauen, es soll laut Kühne „das beste Hotel Deutschlands“ werden. Macht ihm das Angst? Peters lächelt: „Nein, denn Konkurrenz belebt das Geschäft.“

Hamburg und dem Vier Jahreszeiten will er noch lange treu bleiben. Auf seinen Erfolgen ausruhen will sich Peters nicht, sondern weiter nach seinem Motto leben: „Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein.“

Nächsten Donnerstag in Folge 17 lesen Sie: Ruprecht Eser (Journalist, Ex-“heute-journal“-Chef)

Wohnen im Hamburger Luxus

Eine Übernachtung im Vier Jahreszeiten
Ein Doppelzimmer zur Alster kostet ab 295 Euro. Das Frühstück wird extra berechnet.
Weitere Infos:
Wer mehr über das Haus erfahren möchte, kann sich im Internet unter www.hvj.de informieren.