Zwischenfall bei Demo gegen Bildungskrise

Sechs Schüler durchbrechen Polizeisperre - Gewahrsam

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Die 14-jährigen Schüler wurden zur Personalienfeststellung auf das Polizeirevier 14 an der Caffamacherreihe gebracht. Daraufhin zogen etwa 20 Protestler vor die Wache um die Freilassung der Schüler zu fordern. Die Polizei reagierte und schickte ihre Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit...

Hamburg. Am zentralen Streiktag im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks haben am Mittwoch im Norden Zehntausende Schüler und Studenten demonstriert. In Hamburg versammelten sich nach Angaben des Bündnisses „Bildungsstreik 2009“ bis zum Mittag mehr als 14.000 Menschen. Die Polizei sprach von 11.000 Teilnehmern. Die Studenten in der Hansestadt protestieren insbesondere gegen die Zustände an der Universität und den ihrer Ansicht nach autoritären Führungsstil der Präsidentin Monika Auweter-Kurtz.

Mit Parolen wie „Bildung für alle und zwar umsonst" und „Reiche Eltern für alle" zogen die Menschen am Vormittag in die Innenstadt. Um 10 Uhr startete die Protestveranstaltung auf dem Universitätsgelände. Nach einer halben Stunde setzte sich der Marsch in Bewegung. Es ging über die Grindelallee, Dammtorbahnhof, Esplanade, Glockengießerwall bis zum Hachmannplatz. Dort legten Schüler und Studenten eine Zwischenkundgebung ein. Anschließend zog der Protestmarsch über die Kirchenallee, Steintordamm, Mönckebergstraße bis vor das Rathaus. Dort kamen die 11.000 Protestler um 13.30 Uhr mit einer halbstündigen Verspätung an. Bis 17 Uhr soll die Abschlusskundgebung dauern. Während des Demonstrationszuges kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen in der City.

Für Aufregung sorgte am Nachmittag eine Studentengruppe vor der Polizeiwache 14 an der Caffamacherreihe in der Innenstadt. Die knapp 20 Protestler forderten lautstark die Freilassung von sechs 14-jährigen Schülern, die zuvor während der Demo offenbar versucht hatten, die Absperrungen vor dem Rathaus zu durchbrechen. Die Schüler waren deshalb in Gewahrsam genommen und zur Wache 14 gebracht worden. Dort nahmen die Beamten die Personalien der Schüler auf. Zur Sicherung der Wache setzte die Polizei daraufhin je einen Zug der Bereitschaftspolizei und der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) ein – einer Spezialeinheit der Polizei. Nach einer Viertelstunde zogen die Studenten weiter – ohne weitere Vorfälle.

In Niedersachsen beteiligten sich nach ersten Schätzungen der Veranstalter mehrere zehntausend Schüler und Studenten an dem Protest. In Bremen zogen nach Angaben eines GEW-Sprechers rund 1500 Schüler und Studenten durch die Innenstadt und versammelten sich zu einer anschließenden Kundgebung auf dem Marktplatz. Auch im schleswig-holsteinischen Flensburg waren Demonstrationen geplant.

Das Bündnis – ein Zusammenschluss von Schüler- und Studentenorganisationen, Gewerkschaften und sozialen Gruppen – hatte zu der bundesweiten Aktionswoche aufgerufen. Die Initiatoren prangern Missstände im deutschen Bildungssystem an und fordern bessere Lernbedingungen. Unter anderem verlangen sie kleinere Klassen, die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems und die soziale Öffnung der Hochschulen.

In Hannover, Lüneburg, Braunschweig, Göttingen und Osnabrück waren unter anderem Demonstrationen, Versammlungen und öffentliche Diskussionen geplant. Auch Schulen und Hochschulen in kleineren niedersächsischen Städten wie Aurich, Soltau-Fallingbostel und Vechta beteiligten sich an dem bundesweiten Streik. Niedersachsens SPD-Landeschef Garrelt Duin bezeichnete die Aktionen am Mittwoch in Hannover als „absolut berechtigt“.

Er kritisierte besonders das neue Schulgesetz der schwarz-gelben Landesregierung, weil es für mehr Stress an Schulen und Unis sorge und der „frühzeitigen Selektion von jungen Menschen Vorschub leistet“. Duin bekräftigte das Ziel der SPD, die Studiengebühren in Niedersachsen abschaffen zu wollen. Die Proteste sollen den Initiatoren zufolge noch bis Ende der Woche andauern. Am Mittwoch waren bundesweit Demonstrationen in mehr als 80 Städten geplant.

( dpa/abendblatt.de )

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