Bundesweiter Bildungsstreik

Sie marschierten mit, weil sie mehr lernen wollen

Polizei lobt die weitgehend friedliche Großdemonstration von der Uni zum Rathausmarkt. 11 000 Schüler und Studenten forderten bessere Bedingungen.

Fast hat es Happening-Charakter: Fette Beats wummern aus dem Lautsprecherwagen über den Uni-Campus. Die Ersten sitzen schon in kleinen Gruppen in der Sonne, während von allen Seiten immer mehr Studenten und Schüler zusammenströmen.

"Ich fordere Verbesserungen der Studienbedingungen und die Abschaffung der Studiengebühren", sagt Marie Siepmann (24), Lehramtsstudentin aus Altona. Ein Stück weiter steht Malik Geudiady (14) von der Gesamtschule Eppendorf: "Ich will, dass das Schulsystem verbessert wird. Ich will mehr lernen, damit ich später eine gute Zukunft habe." Kurz nach elf Uhr geht es los - zu einer der größten Bildungsdemonstrationen Hamburgs mit mehr als 11 000 Schülern und Studenten.

Der Protestmarsch steht unter dem Motto "Bildungsstreik 2009". Er ist Teil einer bundesweiten Aktionswoche, die von einem unabhängigen Streikbündnis organisiert wird und bei der auf Missstände im Bildungssystem aufmerksam gemacht werden soll. Auch einige Lehrer und Uni-Mitarbeiter sind dabei. "Mit dem Bologna-Prozess hat sich an den Hochschulen vieles verschlechtert. Wir brauchen dringend eine weitere Reform, um die Fehler der letzten Reform wieder gutzumachen", sagt Rolf Schulmeister, emeritierter Professor der Erziehungswissenschaften.

Mit Parolen wie "Bildung kostet - keine Bildung noch viel mehr" und "Universität ist keine Legebatterie" ziehen die Studenten Richtung Rathausmarkt. "Die Seminare sind voll, die Professoren nicht gut und die Fakultät schlecht organisiert", macht Lehramtsstudentin Aytül Akbas (21) aus Wandsbek ihrem Ärger Luft. Immer wieder flammt auch Kritik an Uni-Präsidentin Monika Auweter-Kurtz auf.

Fröhlich, laut und bunt zieht die Demonstration mit Trommeln und Trillerpfeifen durch die Stadt. Viele Passanten bleiben stehen und nicken beifällig. Sogar die Autofahrer bleiben trotz Behinderungen ruhig. "Eine absolut friedliche Veranstaltung", lobt Polizeisprecher Ralf Kunz. Nur eine kleine Rangelei habe es gegeben. Bei der Abschlusskundgebung auf dem Rathausmarkt fordert der Hamburger GEW-Chef Klaus Bullan als einer der Unterstützer: "Es ist höchste Zeit für eine radikale Wende in der Bildungspolitik." Aus Sicht der Organisatoren ist der Protesttag ein Riesenerfolg: "Wir wollen zeigen, dass wir mit dem momentanen Bildungssystem unzufrieden sind", sagt Schülersprecherin Pia Erzigkeit aus Niendorf - und bekommt tosenden Beifall.