Esoterik-Streit

Die Kirche geht auf Distanz zu Ex-TV-Pfarrer Fliege

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Kritik von Nordelbien und konservativer Gruppierung. Früherer TV-Pfarrer widerspricht Esoterik-Vorwürfen von Sektenexpertin Caberta.

Hamburg. Der frühere evangelische TV-Pfarrer Jürgen Fliege wehrt sich gegen die Vorwürfe der Hamburger Sektenexpertin Ursula Caberta, er würde seine Prominenz nutzen, um mit obskuren Essenzen und Raumtrocknern Geschäfte zu machen und so Esoterik hoffähig zu machen. Fliege: "Dass Frau Caberta mithilfe des Hamburger Senats, also mit Steuergeldern, Menschen wegen ihres Glaubens diffamiert, tut mir am meisten weh."

Dem Hamburger Pastor Ulrich Rüß dagegen dürfte das Gebaren des TV-Pastors Jürgen Fliege wehtun. "Das Pastorenamt ist mit Esoterik und Esoterik-Business unvereinbar", sagt Rüß, Vorsitzender der Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den Evangelischen Landeskirchen Deutschlands (EKD). Die Konferenz hält die esoterischen Praktiken und Denkweisen sowie die dubiose damit einhergehende Esoterik-Business-Praxis von Pastor Jürgen Fliege nicht vereinbar mit dem Amt eines evangelischen Pastors, das sich nach der Ordination an Bibel und Bekenntnis gebunden wisse. Rüß: "Es gilt, die Christen vor Neuheidentum und pseudoreligiösen Scharlatanen zu warnen. Wer sich der Esoterik verschreibt, kann nicht evangelischer Pastor sein."

Die frühere Sektenbeauftragte Ursula Caberta hatte am Dienstag zusammen mit Innensenator Michael Neumann (SPD) ihr "Schwarzbuch Esoterik" vorgestellt und mit diesem Markt abgerechnet. So stehe Jürgen Fliege für eine gefährliche Entwicklung: Er sei vom evangelischen Pastor zum Esoteriker mutiert. Er habe "alles vergessen, was er in christlicher Geschichte vielleicht mal gelernt hat".

Hauptkritikpunkt von Caberta ist die "Fliege-Essenz", ein Wässerchen, das der Pfarrer nach eigenen Worten mit Gebeten und Handauflegen bereicherte. "Wenn ich auf ein im Markt längst erhältliches Produkt in homöopathischer Tradition Segensgebete spreche, dann klingt das nur für evangelische Ohren fremd. Dabei unterscheidet sich Weihwasser von Leitungswasser auch nur durch die darüber gesprochenen Gebete", sagte Fliege der "Evangelischen Zeitung." Er habe, so der TV-Pfarrer in dem Interview mit der Kirchenzeitung weiter, durch diesen "spirituellen Versuch nicht einen Cent verdient". Eine Flasche, 95 ml, kostet 39,95 Euro. Er habe bislang 136 Flaschen verkauft, von denen er "irgendwas unter fünf Euro" erhalte. "Wirtschaftlich ein Griff ins Klo."

Ursula Caberta hatte auch die Kirchen kritisiert, sich nicht genug gegen esoterische Praktiken abzugrenzen. So dürften etwa Vertreter der Esoterik-Szene auf Evangelischen Kirchentagen sprechen. Nikolaus Schneider, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), war zum Beispiel auf einem Esoterik-Kongress von Jürgen Fliege als Sprecher aufgelistet.

Dabei machte die Nordelbische evangelisch-lutherische Kirche gestern deutlich, was sie von Esoterik-Scharlatanerie hält: "Wir stehen den unterschiedlichen Ausprägungen der sogenannten Esoterik grundsätzlich kritisch gegenüber", sagte Mathias Benckert, stellvertretender Sprecher von Nordelbien. "Unser Glaube und unsere theologische Tradition helfen dabei, die Geister zu unterscheiden. Der Geist Christi hat den einzelnen Menschen zur Freiheit berufen. Christlicher Glaube kann also gerade helfen, sich von Manipulation und scheinbaren Heilsversprechen zu distanzieren." Allerdings dürften Frömmigkeit und Esoterik nicht einfach in einen Topf geworfen werden. Benckert: "Evangelische Frömmigkeit kennt auch sinnliches Erleben von Wasser, Brot und Wein sowie Salböl."

Caberta hatte neben Fliege auch Nena und Hape Kerkeling kritisiert, die wissentlich oder unwissentlich die nach ihrer Meinung gefährliche Esoterik-Szene stützten. Wenn Kerkeling sich als "Buddhist mit christlichem Überbau" bezeichne, müsse er sich fragen lassen, wie viele neue Opfer er damit in der esoterischen Welt produziere.

( (gen/dpa) )

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