"Unsichtbare Spuren" des Verbrechens

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2006 erschienen Details der Mordserie im Hamburger Norden in einem Krimi. Autor Andreas Franz recherchierte auch bei der Polizei

Kiel/Norderstedt. Ein Mann streift scheinbar ziellos durch Norddeutschland. Am Steuer seines Autos hält er Ausschau nach möglichen Opfern. Wenn es ihn überkommt, fällt er über sie her, missbraucht und tötet sie - und legt sie dann in immer ähnlicher Weise in einem schwer zugänglichen Gebüsch ab. So hat der geständige Serienmörder Hans-Jürgen S. es getan, so tut es auch "Butcher", der Frauenmörder aus dem Roman "Unsichtbare Spuren" des kürzlich verstorbenen Bestseller-Autors Andreas Franz. Für seinen Krimi hatte Franz laut dessen Verlag auch bei der Kieler Polizei recherchiert.

"Der Roman beruht auf der leider wahren Geschichte eines Serienkillers, der immer scheinbar zufällig auf seine Opfer gestoßen ist", schrieb Franz über das Buch auf seiner Internetseite. Die Person, die als Vorlage diente, habe er so stark verändert, dass eine Ähnlichkeit mit dem tatsächlichen Täter ausgeschlossen ist. Allerdings: Das Buch erschien bereits im Jahr 2006 - da hatte die Polizei den wahren Täter Hans-Jürgen S. noch nicht im Visier. Für sein Buch recherchierte Franz, dessen Frau aus Schleswig stammt, mehrere Monate in Norddeutschland. Patricia Kessler, Sprecherin des Knaur-Verlages: "Herr Franz hat immer sehr intensiv mit Ermittlern zusammengearbeitet. Wer genau seine Informanten waren, hat er aber für sich behalten."

Im Buch tötet der Serientäter Anhalterinnen, die zu ihm in den Wagen stiegen. Wie die realen Opfer sind es junge Frauen. "Butcher" aus dem Roman "Unsichtbare Spuren" folgte bei seiner Opferauswahl ebenso wie Hans-Jürgen S. aus Henstedt-Ulzburg keinem bestimmten Frauentypus. Gemeinsam ist dem realen und dem Roman-Täter, dass sie scheinbar stets bewusst Rituale einhielten, als sie ihre Opfer ablegten.

Viele Krimiautoren bedienen sich - wie Franz - erfahrener Experten von Polizei und Behörden. Jeder gute Plot braucht der Realität abgeschaute Fakten. Das ist bei internationalen Bestsellerautoren wie Simon Beckett und seinem aktuellen Thriller "Verwesung" nicht anders als etwa bei Hamburger Krimiautoren. Frank Göhre zum Beispiel oder Michael Koglin. So verarbeitete Göhre Ende der 80er-Jahre die Geschichte des Auftragsmörders Werner Pinzner, der im Polizeipräsidium den Staatsanwalt, seine Frau und sich selbst erschoss, in seiner berühmten Kiez-Trilogie. Für seine Romane recherchierte Göhre nicht nur auf polizeilicher Seite, sondern auch im Kiezmilieu.

Auch Michael Koglin, Jahrgang 1955, schaut für seine Romane auf das, was er in der Realität vorfindet. Für seine aktuelle Thriller-Trilogie (kürzlich ist "Blutengel" erschienen) hat er mit einem Profiler und forensischen Psychologen gesprochen, um zu erfahren, wie Serienmörder denken und fühlen. "Macht und Demütigung sind bei den meisten zentrale Motive ihres Handelns", sagt Koglin.

Für seinen in Hamburg spielenden Roman "Marionetten" legte auch der Weltbestsellerautor John le Carré einen längeren Besuch in der Stadt ein. Die Hamburger Polizei beriet den Briten Craig Russell intensiv bei dessen Buch "Blutadler".