Im Fußballverein galt Hans-Jürgen S. als unauffälliger Typ

Kaltenkirchen. Die Fußball-Oldies der Kaltenkirchener Turnerschaft, manche sind schon älter als 70 Jahre, gehen einmal im Jahr sportlich "fremd". Dann geht es mit den Fahrrädern ins Grüne. Am Sonnabend war es wieder soweit: Sie fuhren von Kaltenkirchen über Schmalfeld nach Struvenhütten. Regen und Gewitter störten sie wenig. Bei der anschließenden Grillparty gab es nur ein Gesprächsthema: Hans-Jürgen S., der fünffache Mörder aus Henstedt-Ulzburg. "Hat der nicht irgendwann auch in unserer Altliga gespielt?", fragte ein Spieler, der seit 30 Jahren dabei ist.

Einer konnte sich an die sportlichen Aktivitäten des Maurers, der zu dieser Zeit in Kaltenkirchen wohnte, erinnern: Hans Stanelle, 68, Teamkapitän der Altliga. "Ich kenne ihn, ich habe mit Hans-Jürgen S. sogar kurz in einer Mannschaft gespielt", sagte Stanelle dem Hamburger Abendblatt. "Aus meinen Unterlagen geht hervor, dass er zwischen 1995 und 1997 ein Jahr und acht Monate lang bei uns als Verteidiger gespielt hat. Wir sind alle geschockt, dass er ein fünffacher Mörder sein soll."

Bei den Feiern und geselligen Abenden war gelegentlich auch Hans-Jürgen mit von der Partie. "Hin und wieder hat er mal ein Bier mit uns getrunken, mehr nicht", erinnerte sich Hans Stanelle. "Er war ein unauffälliger Typ, mehr ein Einzelgänger. Wir sind fassungslos, wie man solche Verbrechen verdrängen und zur Tagesordnung übergehen kann."