Die Polizei zieht die zusätzlichen Beamten nach den Angriffen in Neuwiedenthal ab. Die Ermittlungen gegen den Schläger laufen noch.

Neuwiedenthal. Die Polizei hat das nach dem Überfall auf fünf Polizisten in Neugraben eingerichtete Gefahrengebiet wieder aufgelöst. Bis Anfang August waren zwölf zusätzliche Beamte in das Viertel rund um den Bahnhof Neuwiedenthal geschickt worden. "Dies ist nun nicht mehr nötig, da es keine Hinweise darauf gibt, dass dort vermehrt Gefahren für Polizeibeamte ausgehen", sagt Polizeisprecherin Karina Sadowsky zu der Entscheidung.

Wie berichtet, war es Ende Juni zu der schweren Attacke gegen die Polizisten gekommen. Nach Angaben der Polizei hatten rund 30 Jugendliche die fünf Beamten zum Teil schwer verletzt. Während vier Polizisten bereits wieder im Dienst sind, wird ein 46 Jahre alter Polizeikommissar noch mehrere Monate krankgeschrieben bleiben.

Er hatte bei einem Fußtritt mehrere Knochenbrüche im Gesicht erlitten. Er leide laut Polizei immer noch an Kopfschmerzen. Zudem habe er wegen der vielen Brüche des Kiefers Schwierigkeiten beim Kauen. Tagelang war unklar, ob er die Sehkraft eines seiner Augen verlieren werde. Mittlerweile ist immerhin sicher, dass das Augenlicht des Beamten gerettet ist.

Bei dem mutmaßlichen Treter handelt es sich um einen polizeibekannten Straftäter. Amor S. hatte sich drei Tage nach der Tat gestellt. Er hatte bereits vor 13 Jahren für tragische Schlagzeilen gesorgt. 1997 war er unter anderem wegen Erpressung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Damals hatte sich der 17 Jahre alte Mirco vor eine S-Bahn geworfen, weil er von dem heute 31-Jährigen und seiner Bande immer wieder drangsaliert worden war.

Amor S. sitzt seit Ende Juni wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Der Haftbefehl lautete zunächst auf versuchten Totschlag. Der Vorwurf wurde allerdings später in gefährliche Körperverletzung korrigiert.

Mittlerweile hat die Polizei einen weiteren mutmaßlichen Täter identifiziert. Der 24 Jahre alte Avni A. soll laut Polizei einem Beamten bei der Attacke in den Rücken gesprungen sein. Er ist allerdings wieder auf freiem Fuß, weil er eine weniger harte Strafe als Amor S. zu erwarten hat und zudem einen festen Wohnsitz hat. Er ist wegen Rauschgiftdelikten sowie zahlreicher Schlägereien bereits polizeibekannt.


DAS HANDY-VIDEO VOM POLIZEIEINSATZ IN NEUGRABEN

Die Polizei hat in der Zwischenzeit acht weitere Männer und Jugendliche ermittelt, denen schwerer Landfriedensbruch vorgeworfen wird. Welche Taten sie genau begangen haben, ließ sich bislang nicht rekonstruieren. Zeugenaussagen liegen bisher nur von den betroffenen Beamten vor. Die Verdächtigen haben allesamt die Aussage verweigert. So ist zumindest für die acht weiteren Beschuldigten mit geringen Strafen, wenn nicht sogar mit Einstellung der Verfahren oder Freisprüchen zu rechnen.

Eine Lappalie hatte am letzten Juni-Wochenende zu einer Eskalation der Gewalt geführt. Laut Polizei war einer Peterwagenstreife auf dem Rückweg vom S-Bahnhof Neuwiedenthal ein 27-Jähriger aufgefallen, der urinierte und anschließend sein Geschlechtsteil einer Frau mit zwei Kindern zeigte. Als die Polizisten seine Personalien aufnehmen wollten, seien sie von einer Gruppe von Jugendlichen und Männern zunächst beschimpft und dann tätlich angegriffen worden. Deshalb kamen drei weitere Beamte zur Verstärkung.

+++ SO KRIMINELL IST IHR STADTTEIL +++

Diese Gruppe der Angreifer wuchs schnell auf etwa 30 Personen an. Es flogen Steine, Flaschen und schließlich Fäuste. Erst viele Minuten nach den schweren Attacken auf die Polizisten erreichten weitere 30 Streifenwagenbesatzungen den Tatort. Sie nahmen 16 mutmaßliche Täter im Alter von 15 bis 32 Jahre fest.