Jura-Professor: "Macho-Kultur und Statusdenken fördern Gewalt"

Nach dem brutalen Überfall auf Polizisten in Neuwiedenthal und der Festnahme von 16 teils jugendlichen Schlägern - allesamt Deutsche mit "Migrationshintergrund" - fragen sich viele: Wie kommt es, dass bei Gewalttaten auffallend oft Einwandererkinder zu den Tätern zählten? Zumal gerade erst die neue Studie "Muslims in Hamburg", erstellt vom Open Society Institute und dem British Council, die Erfolge der Migrantenförderung und das Vertrauen der hier lebenden Muslime in die Polizei lobt.

Die gewaltsamen Ausschreitungen des Wochenendes stehen dazu in einem deutlichen Widerspruch: Eine Studie des Kriminologen Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen hatte jüngst ergeben, dass in Großstädten fast jeder zweite jugendliche Gewalttäter einen Migrationshintergrund hat.

Für Professor Bernd-Rüdeger Sonnen, Strafrechtler an der Uni Hamburg, hat das mehrere Gründe - einer davon ist die "Macho-Kultur": "Es sind häufig türkischstämmige oder arabische Männer, die im Elternhaus Gewalt beobachtet oder erfahren haben." In "Drucksituationen" löse dieses falsche Vorbild den "Jetzt-zuschlagen-Reflex" aus. Eine weitere Motivation sei die Sehnsucht nach Status: "Schlecht in der Schule? Da definiert sich mancher darüber, der meistgefürchtete Schläger der Gegend zu sein." Langfristig müsse "Getto-Bildung" verhindert werden. "Das bedeutet vor allem, dass türkische Mütter Deutsch lernen und ihren Kindern früh Kontakt zu Kindern ohne Migrationshintergrund ermöglichen."